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Arbeitsprobe trennte die Spreu vom Weizen

Hoyerswerda/Pulsnitz.. Fachleute sehen mehr. Und so sah Tischlermeister Reinhard Staroste aus Lauta auf Anhieb, was dem Laienauge verborgen blieb: Fachliche Unzulänglichkeiten an einer Tür, die am vergangenen Sonnabendnachmittag als Gesellenstück im Pulsnitzer Schützenhaus ausgestellt war. Uwe Menschner

62 junge Männer und Frauen, die sich für den Beruf des Tischlers entschieden haben, zeigten die Arbeiten, mit denen sie ihre Facharbeiterreife unter Beweis stellen wollten.
Doch nur 43 von ihnen haben tatsächlich die Berechtigung erworben, künftig als Gesellen im Tischlerhandwerk zu arbeiten. 19 Auszubildende fielen durch die obligatorische Gesellenprüfung, die das Ende der Lehrzeit markiert. „Dies lag allerdings in den wenigsten Fällen an den Gesellenstücken“ , versichert Reinhard Staroste, der als Obermeister der Tischlerinnung Bautzen maßgeblich an der Organisation der Ausbildung und an den Prüfungen beteiligt ist. Die meisten der „Durchfaller“ scheiterten an der Arbeitsprobe - einem vorgegebenen Gegenstand, der innerhalb eines bestimmten Zeitlimits selbstständig angefertigt werden musste.
„Die Lehrlinge erhielten vor dem Prüfungstermin eine Liste des Materials und des Werkzeuges, das sie für die Arbeitsprobe benötigen“ , erläutert Reinhard Staroste. Am Prüfungstag fanden sich alle Kandidaten im Beruflichen Schulzentrum Pulsnitz, das auf Holzbearbeitung spezialisiert ist, ein. Hier mussten sie innerhalb von sieben Stunden an Hand von Zeichnungen ein Bord anfertigen. „Die Arbeitsprobe war diesmal im Vergleich zu den Vorjahren relativ einfach, dennoch scheiterten zahlreiche Lehrlinge daran“ , resümiert Reinhard Staroste. Im Extremfall sahen die Prüfer nach Ablauf der Zeit einen Bretterhaufen. „Bei der Arbeitsprobe zeigte sich, wer es in den drei Jahren tatsächlich gelernt hat, selbstständig zu arbeiten“ , erklärt der Obermeister.
Schwer hatten es dabei besonders die Lehrlinge aus jenen Betrieben, die sich auf den Einbau von Fenstern und Türen spezialisiert haben. „Eigentlich kann ein solches Unternehmen gar keine umfassende Tischlerausbildung gewährleisten“ , meint Reinhard Staroste. „Doch wer wird in der heutigen Zeit einer Firma, die ausbilden will, Steine in den Weg legen?“ „Die Eignung eines Unternehmens zur Lehrausbildung wird von der Handwerkskammer schon gewissenhaft geprüft“ , relativiert der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Dittmar Mütze, diese Aussage seines Kollegen.
Wie dem auch sei - so richtig zufrieden ist Obermeister Staroste mit dem diesjährigen Absolventenjahrgang nicht. Dies belegen für ihn auch die Gesellenstücke, bei denen er doch zahlreiche Mängel festgestellt hat. Und dennoch gibt es - wie in jedem Jahrgang - auch diesmal wieder einige Überflieger, die ihre Aufgaben mit Bravour bewältigt und Fähigkeiten nachgewiesen haben, die eigentlich noch gar nicht gefordert sind.
„Leider wird es für die Betriebe immer schwerer, die ausgebildeten Junggesellen zu übernehmen“ , weiß Reinhard Staroste. Er selbst hat in den letzten Jahren mehrere junge Kollegen nach der Ausbildung entlassen müssen. Auch von den diesjährigen Junggesellen werden nur die wenigsten in ihren Lehrbetrieben bleiben können. Und dennoch ist Staroste zuversichtlich, was die Zukunft des Berufsnachwuchses angeht: „Einem gut ausgebildeten Tischler stehen viele Türen offen.“