Von Uwe Menschner

Die Oberlausitzer Kunststoffindustrie startet eine neue Ausbildungsoffensive. In den kommenden Jahren benötigt die Branche nach Einschätzung von Ralf Liebscher, Vorstandsvorsitzender des Polysax, bis zu 1000 neue Mitarbeiter. Der Verein ist Mitgesellschafter der Polysax Bildungszentrum Kunststoffe GmbH, die in Bautzen ein überbetriebliches Technikum betreibt. Hier absolvieren derzeit 90 Lehrlinge den Praxisteil ihrer Ausbildung.

Dafür stehen ihnen hochwertige und vielfältige Maschinen zur Verfügung, deren Anschaffung die einzelnen Mitgliedsbetriebe überfordern würde. „Spritzgießen, Tiefziehen, Extrusionsverfahren, Thermoformblasen und -pressen – all diese modernen Verfahren können die Auszubildenden in unserem Technikum üben und ihre Fertigkeiten vervollkommnen“, so Ralf Liebscher.

Polysax will Kunststoff-Mechatroniker ausbilden

Auf Initiative von Polysax befindet sich zudem ein neuer Ausbildungsberuf in der Entwicklung: „Längst verarbeiten die Unternehmen nicht mehr ausschließlich Kunststoffteile, sondern stellen Systeme her. Dabei wird Kunststoff zum Beispiel mit Metall und/oder Elektrik verbunden. Elektrotechnik spielt eine immer größere Rolle. Künftig soll der Beruf des Kunststoff-Mechatronikers diese neuen Anforderungen abbilden“, so der Polysax-Vorstand. Derzeit laufen dafür die deutschlandweiten Abstimmungen.

Doch auch im akademischen Bereich will Polysax seine Aktivitäten ausbauen: „Mit der Berufsakademie Bautzen und dem Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen an der Hochschule Görlitz/Zittau wollen wir eine Bildungsplattform ‚Kunststofftechnik Oberlausitz‘ etablieren. Ziel ist es, zu zeigen, was die Kunststoffindustrie braucht, um Aus- und Weiterbildung noch besser zu verzahnen und unsere Ausbildung auch zu vermarkten“, sagt Ralf Liebscher.

Dem Polysax-Verein gehören heute 56 Einzelmitglieder und Mitgliedsunternehmen an. Insgesamt gibt es in der Oberlausitz etwa 90 Unternehmen der Kunststoffbranche mit circa 3500 Beschäftigten. Dem Vorstand ist durchaus auch das Imageproblem bewusst, mit dem Kunststoffe derzeit zu kämpfen haben. „Dabei ist vieles komplett recycel- und wiederverwertbar“, wie Ralf Liebscher betont.

Polysax 2016 in finanzieller Schieflage

Die Polysax Bildungszentrum Kunststoffe GmbH ist selbst auch schon durch schwierige Zeiten gegangen. 2016 geriet das Unternehmen in eine Existenz bedrohende finanzielle Schieflage, die nur dank einer zusätzlichen Finanzspritze seines Hauptgesellschafters, des Landkreises Bautzen, abgewendet werden konnte.

Verbunden war dies mit einer umfangreichen Restruktion, die offenbar erfolgreich war: Das Geschäftsjahr 2017 schloss Polysax mit einem Überschuss in Höhe von circa 67 000 Euro ab, was über dem Planansatz lag. Die geförderten Bildungsmaßnahmen erreichten selbst Teilnehmer aus Hamburg und Köln. Allerdings werden im Lagebericht auch Risiken gesehen, durch den nach wie vor hohen Kapitaldienst.