Von Katrin Demczenko

Muss ein Museum für Kinder langweilig sein? Mitnichten. Das Schloss- und Stadtmuseum Hoyerswerda bietet dem jungen Publikum viele Bildungs- und Erlebnisprojekte an, die ihnen die Stadtgeschichte, das Leben in früheren Jahrhunderten sowie den Alltag und die Sagenwelt der Sorben nahe bringen. Erarbeitet und durchgeführt werden die Angebote jetzt von der museumspädagogischen Volontärin Jessica Maty.

Die Historikerin hat einen Bachelorabschluss in Skandinavistik und einen Masterabschluss in Europäischer Kulturgeschichte. Letzteren erwarb sie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Über ein Praktikum im Studium lernte sie die Tätigkeit des Museumspädagogen kennen. Diese gefiel ihr, und nun kann sie an ihrer ersten Arbeitsstelle mehr Erfahrungen in der Projektorganisation und im Umgang mit Kindern und Jugendlichen sammeln. „Schön ist, dass ich gleich Verantwortung übernehmen und neue Inhalte erarbeiten darf“, sagt Jessica Maty.

Zum Beispiel hat sie für das Kindergeburtstagsangebot „Detektive gesucht“ neue Rätsel erdacht, die die Teilnehmer auf einer anderen Route durch das Schlossmuseum Hoyerswerda führen. Diese lernen unter anderem das ErlebnisReich kennen, das Spannendes aus der Stadtgeschichte erzählt. Am 18. Februar beginnt mit dem Zoo das Winterferienprogramm „Feinschmecker oder Vielfraߓ für Kita- und Hortkinder. Die Historikerin will mit den Teilnehmern kochen und nur Zutaten verwenden, die es schon im Mittelalter in der Lausitz gab. Zoomitarbeiter verraten, was ihre Tiere fressen.

Für Schüler ab Klasse 5 erarbeitet Jessica Maty das neue Bildungsprojekt „Wohnen in der DDR“, dessen Inhalt Teil des Dauerausstellungsbereiches „LehrReich“ ist. Sie will vermitteln, das nicht jede Familie so eine moderne Wohnung mit Zentralheizung und warmem Wasser aus der Wand hatte. Das Wohngebiet Hoyerswerda-Neustadt entstand nur aus Plattenbauten, sah homogen aus und nicht alle Vorhaben, um lebenswerte Städte zu gestalten, wurden umgesetzt. Die Räume einer Neubauwohnung waren klein und mussten sehr funktional genutzt werden. Nur durch die Kreativität ihrer Bewohner erhielten sie Individualität, denn es gab einfach zu wenig verschiedene Möbelserien zu kaufen, erzählt Jessica Maty. Die 30-Jährige kennt das Lebensgefühl im Plattenbau selbst.

Sie organisiert jetzt auch mit ihrem Volontär-Kollegen Marcel Steller das Lesecafe, das am 13. Februar um 15 Uhr im Schlosssaal stattfindet. Die Gesellschaft für Heimatkunde Hoyerswerda – Museumsverein ist daran ebenfalls beteiligt. Die Volontäre wollen das Buch „Das galante Sachsen“ von Carl Ludwig von Pöllnitz vorstellen. Er hat es 1734 über das Leben am Hof des polnischen Königs und Kurfürsten von Sachsen, August dem Starken, geschrieben. Welche Geschichten aus dieser Quelle wahr sind, werden die jungen Historiker erklären. Jessica Maty erzählt unter anderem vom Leben der Ursula Katharina von Teschen, einer Mätresse von August dem Starken. Als Reichsfürstin verhalf sie später der Herrschaft Hoyerswerda zu einem ersten Aufschwung.