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Arabisch-Kurs
Wenige Worte mit großer Wirkung

 Andrzej Serwecinski (l.) hat den Arabisch-Kurs ins Leben gerufen. Dabei sind Anke Galle, Kathleen Wentland und Dorota Kubok-Nitschke. Osama Churbaje möchte später auch unterrichten - so wie derzeit Mahdi Faour (r.).
 Andrzej Serwecinski (l.) hat den Arabisch-Kurs ins Leben gerufen. Dabei sind Anke Galle, Kathleen Wentland und Dorota Kubok-Nitschke. Osama Churbaje möchte später auch unterrichten - so wie derzeit Mahdi Faour (r.). FOTO: Anja Hummel / LR
Hoyerswerda. In Hoyerswerda lernen Deutsche die arabische Sprache – als Signal des Entgegenkommens. Von Anja Hummel

„Salam aleikum?“, fragt Mahdi Faour seine Sprachschülerin Anke Galle. Ohne zu zögern antwortet sie ihm: „Aleikum salam!“ Sehr gute Aussprache, lobt Lehrer Mahdi. Beide haben sich gerade gegrüßt – auf Arabisch.

Gemeinsam mit zwei weiteren Frauen sitzt Anke Galle im Vorbereitungskurs „Arabisch“, der im kommenden Jahr zum zweiten Mal in Hoyerswerda starten soll. Gebüffelt wird im ersten Obergeschoss der Zuse Akademie. „Ich habe seit zweieinhalb Jahren syrische Freunde. Ich möchte mit ihnen nicht nur auf Deutsch reden, sondern auch mal in ihrer Sprache“, sagt Anke Galle. Wichtig sei ihr das, damit sie mehr von der Kultur erfährt und „die Sprache fühlen kann“.

Auch Dorota Kubok-Nitschke sitzt mit am Tisch, vor ihr liegt das Vokabelheft, in dem sie akribisch das arabische Alphabet niedergeschrieben hat. Sie weiß, worauf es beim Sprachenlernen ankommt, ist sie doch selber Deutschlehrerin an einer Bildungseinrichtung in Hoyerswerda. „In meinem Kurs sind fast nur Araber“, erzählt die 40-Jährige, die mit Lehrer Mahdi Faour quasi die Position gewechselt hat. „Er hat bei mir Deutsch gelernt“, sagt Dorota Kubok-Nitschke. „Ein sehr guter Schüler“, fügt sie hinzu. Mahdi gibt das Kompliment gleich zurück. Der Syrer ist vor drei Jahren nach Deutschland gekommen und mittlerweile als Sozialarbeiter in einer Hoyerswerdaer Flüchtlingsunterkunft angestellt. „Das hier ist erst einmal nur eine Vorbereitung auf den richtigen Sprachkurs, der im Februar startet“, sagt Mahdi. Denn bevor es richtig losgeht, auch mit mehr Teilnehmern, soll zunächst das Material zusammengetragen werden. „Und wir möchten herausfinden, wie und was die Leute gerne lernen möchten“, so Mahdi. Gleich in der ersten Reihe sitzt sein Bekannter Osama Churbaje, ebenfalls aus Syrien. Er ist auch hier, um von Mahdi zu lernen. Nicht die Sprache, sondern das Unterrichten an sich. „Ich würde auch gerne Kurslehrer sein“, sagt Osama.

Vielleicht kann er sich im Februar dann schon als Lehrer probieren, sagt Andrzej Serwecinski, der ebenfalls mit am Tisch sitzt, aber eher als Beobachter. Er hat den Kurs im vorigen Jahr ins Leben gerufen. Als Leiter des Deutsch-Polnischen Infobüros Hoyerswerda unterrichtet er seit vielen Jahren Deutsch und Polnisch. Weil er dafür gemeinsam mit Studenten bereits eine Sprach-CD entwickelt hat, kam er auf die Idee, die polnische Sprache einfach durch die Arabische auszutauschen. „Besser geht es nicht. Die Araber nutzen die CD gerne zum Lernen“, erzählt der Diplom-Ingenieur.

Er hat die Multimedia-Sprachhilfe vor allem für die Kinder in die Flüchtlingsheime gebracht. „Auf einmal hatte ich viele Anfragen von Deutschen, ob sie nicht auch Arabisch lernen könnten“, erzählt Serwecinski über den Kursbeginn im vorigen Jahr. Da war der Andrang groß: Ärztin, Polizistin, Sozialarbeiter – die Sprachschüler und deren Beweggründe waren vielfältig. Weil die Nachfrage passte, soll es den Kurs nun also auch ein zweites Mal geben.

Kathleen Wentland wird auf jeden Fall eine der Teilnehmerinnen sein. Im Vorbereitungskurs tut sie sich noch ein wenig schwer, wie sie selber sagt. „Die Schreibweise ist sehr kompliziert“, findet sie und erhält prompt Zustimmung von den anderen Damen. Geschrieben wird von rechts nach links. Momentan üben sie das Alphabet. „Man muss schon täglich etwas dafür tun. Da muss ich mich noch ein wenig disziplinieren“, gesteht die 53-Jährige, die im Hoyerswerdaer Kunst- und Kulturverein mit syrischen Praktikanten zusammenarbeitet. „Es ist einfach ein Entgegenkommen, wenn man das ein oder andere Wort  kennt“, findet Kathleen Wentland. Sie ist überzeugt davon, dass „Sprache verbindet“. Auch Dorota Kubok-Nitschke ist deshalb dabei. Und weil es ihr große Freude bereitet. „Die arabische Sprache ist eine totale Abstraktion in meiner Welt. Die Laute und Buchstaben sind vollkommen anders. Das macht einfach Spaß“, resümiert die Deutsch- und Polnischlehrerin.

Mahdi Faour ist auf jeden Fall höchst zufrieden mit seinen Schülerinnen. Das angesetzte Ziel: den eigenen Namen auf Arabisch zu schreiben. Im Februar wird dann richtig durchgestartet. Die drei Frauen werden dann wieder am großen Tisch in der Zuse Akademie sitzen und sich der abstrakten arabischen Sprachwelt hingeben.

Mahdi Faour (37) unterrichtet Arabisch. An der Tafel stehen Buchstaben - denn Grundlage jeder Sprache ist das Alphabet.
Mahdi Faour (37) unterrichtet Arabisch. An der Tafel stehen Buchstaben - denn Grundlage jeder Sprache ist das Alphabet. FOTO: Anja Hummel / LR