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Arabisch für Anfänger

Auf die Vokabelliste möchte noch keiner der Kursteilnehmer verzichten. Hier wird das arabische Alphabet geübt.
Auf die Vokabelliste möchte noch keiner der Kursteilnehmer verzichten. Hier wird das arabische Alphabet geübt. FOTO: Anja Hummel
Hoyerswerda. Es ist ein Sprachkurs, den es so in der Region kein zweites Mal gibt: Betreuer von Geflüchteten lernen das Abc der arabischen Sprache. Damit wollen sie sich nicht nur die eigene Arbeit erleichtern. Für sie ist es auch ein Zeichen des Entgegenkommens. Anja Hummel

Eigentlich ist es Karl-Heinz Schulz gewöhnt, Sprachkurse zu geben: Vokabeln diktieren, an die Tafel schreiben, Fragen stellen. Jetzt aber sitzt der Flüchtlingsbetreuer auf der anderen Seite, büffelt selber Vokabeln, übt die Aussprache und schreibt von der Tafel ab. Der Ehrenamtler ist einer der acht Kursteilnehmer, die den ersten Arabisch-Kurs für Anfänger in der Konrad-Zuse-Akademie Hoyerswerda besuchen.

"Ich bin hier, weil ich im Flüchtlingsheim arbeite und mit vielen Leuten aus dem arabischen Raum zu tun habe", erzählt der gebürtige Hoyerswerdaer. Er empfindet den Sprachkurs als einen Schritt auf die Flüchtlinge zu. "Sie lernen gerne unsere Sprache. Und genauso gerne möchte ich ihnen jetzt auch mal auf Arabisch antworten", sagt der Ehrenamtler. Sein persönliches Ziel ist es vor allem, "die anderen Kulturen besser kennenzulernen, sie besser zu verstehen und ein bisschen enger zusammenzurücken".

Während der türkische Kaffee frisch aufgebrüht ist und Eierplätzchen auf dem Tisch zum Zugreifen verführen, gehen die Schüler das arabische Abc durch. Ihr Lehrer, Mahdi Faour, nennt den Buchstaben, die Kursteilnehmer sprechen im Chor nach. Der 36-jährige Syrer ist vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Während er als Betreuer in einem Flüchtlingsheim arbeitet, möchte er nun den deutschen Helfern in einem 32-Stunden-Kurs die arabischen Grundlagen beibringen. "Wenn neue Bewohner im Heim ankommen, verstehen sie kein Deutsch. Kann man ein Wort auf Arabisch zur Begrüßung sagen, erleichtert das schon den ersten Kontakt", weiß Mahdi Faour.

Unter den Kursteilnehmern ist auch die in Hoyerswerda niedergelassene Ärztin Dr. Elke Gombert. "Ich habe mich schon immer für die Sprache interessiert. Jetzt kreuzen sich die Interessen", sagt sie. Kontakt zu arabischsprachigen Patienten habe sie regelmäßig. Auch Iris Paul von der Polizeidirektion Görlitz ist dabei. Sie weiß zwar, dass sie nach dem Kurs nicht fließend Arabisch sprechen wird, "aber es ist generell eine Art der Höflichkeit, Menschen in ihrer Muttersprache zumindest ansprechen zu können".

Den Kurs ins Leben gerufen hat Andrzej Serwecinski. Als Leiter des Deutsch-Polnischen Infobüros Hoyerswerda unterrichtet er seit vielen Jahren Deutsch und Polnisch. Weil er dafür gemeinsam mit Studenten bereits eine Sprach-CD entwickelt hat, kam er auf die Idee, die polnische Sprache einfach durch die Arabische auszutauschen. "Besser geht es nicht. Die Araber nutzen die CD gerne zum Lernen", erzählt der Diplom-Ingenieur. Er hat die Multimedia-Sprachhilfe vor allem für die Kinder in die Flüchtlingsheime gebracht. "Auf einmal hatte ich viele Anfragen von Deutschen, ob sie nicht auch arabisch lernen könnten", spricht Serwecinski über den Startschuss für den Kurs. Kurzerhand kamen so die freiwilligen Schüler zusammen. "Wenn der Bedarf da ist, wird es auch einen weiteren Kurs geben", so Andrzej Serwecinski.