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Ansturm auf handgemachte Osterschätze

Handverzierte Ostereier nach sorbischer Tradition, wie diese Schmuckstücke von Martina Riedel aus Lübbenau, sind absolute Besuchermagnete.
Handverzierte Ostereier nach sorbischer Tradition, wie diese Schmuckstücke von Martina Riedel aus Lübbenau, sind absolute Besuchermagnete. FOTO: mft1
Hoyerswerda. Tausende Menschen tummelten sich am Wochenende auf dem 23. Ostermarkt in der Lausitzhalle. Viele von ihnen nicht erstmalig. Mandy Fürst / mft1

"Ich weiß noch genau, wie wir in Größenordnungen Naturfarben zum Eierfärben abgefüllt haben", erinnert sich Beate Möller und schmunzelt gedankenverloren in sich hinein. Die kleine Pause reicht, um etwas Luft zu holen, war die Händlerin doch gerade an ihr Auto geflitzt, um Grüntee-Bowle nachzuholen. Der große Spender an ihrem Stand ist fast leer. Einmal habe sie gar keine Bowle anbieten können, weil ihr im Vorfeld die Zeit zur Herstellung gefehlt hatte, erzählt die Hoyerswerdaerin. Da gab es von manchem Besucher schon eine kleine Rüge, gesteht Beate Möller und lacht. Sie kann viele Ostermarkt-Anekdoten erzählen. Die Sache mit den Naturfarben ist nun 23 Jahre her, weiß Beate Möller. Nachzurechnen braucht sie das nicht. Das hat die Lausitzhalle für sie getan. Denn Naturfarben für Ostereier, die waren 1994 hierzulande fast so neu wie der ganze Ostermarkt.

Erst waren nur die Ostereierverzierer da, erzählt Beate Möller. Dann kamen die Händler dazu. Bis heute sei das Angebot gut gewählt, findet sie. Jeder Stand habe etwas Besonderes zu bieten. Genau aus diesem Grund kommen Margit Kunopka und Irene Bartkowiak jedes Jahr aus Spremberg zum Ostermarkt. In ihrer Heimat gebe es einen Ostermarkt mit einer solchen Vielfalt nicht. "Aber ich habe dieses Jahr gar nichts gefunden, wie sonst immer", stellt Margit Kunopka fest. Aber das läge wohl daran, dass sie ja eigentlich alles hat, die Dinge nicht kaputt gehen und ihre Enkel mit zwei und vier Jahren noch zu klein seien für die Schätze von den Kunst- und Handwerksständen. Trotzdem lohne sich der Bummel ob der wunderschönen Dinge, die es zu bestaunen gebe, und einer entspannten Tasse heißen Kaffees, finden die Frauen.

Auch die Hoyerswerdaer Schwestern Ursula Reha und Bärbel Tanz sind dankbar, dass die Händler und Künstler immer wieder in die Lausitzhalle nach Hoyerswerda kommen. Und wie in jedem Jahr hat Ursula Reha wieder traditionell sorbisch bemalte Ostereier für ihren Osterstrauß gekauft. Irgendwann, vielleicht sogar schon bald, könnten die alten Techniken verloren gehen, befürchten die Schwestern. Selbst haben sie sich noch nicht an die Wachs- und Kratztechniken gewagt. Aber sie hoffen doch, auch durch den Kauf ihren Beitrag zum Erhalt der Traditionen leisten zu können.

Die Geschwister Julia und Moritz würden sich gern an das Wachs wagen, finden zu ihrer Verwunderung und der ihrer Großmutter jedoch keine Gelegenheit dazu auf dem Ostermarkt. Während Julia die Wachstechnik favorisiert, würde sich Moritz gern im Kratzen versuchen. Wie das geht, hat Ostereierverzierer Werner Zaroba der interessierten Familie genau erklärt. "60 bis 70 Stunden an einem Straußenei malen, das ist ganz schön lange", staunt der Junge. Auch wenn es schade ist, dass dem Markt eine Probierstube für die traditionellen Techniken und dem Ostermarkt-Plakat ein sorbischer Schriftzug fehlen, sei es doch schön, dass das Sorbische in Hoyerswerda so hochgehalten wird, findet Beate Möller. Sie sei mit der Vogelhochzeit aufgewachsen und hätte sich selbst Hänge gebaut, um das in Bautzen gesehene Eierwallen nach zu spielen. Ihre Uroma sprach noch das Wendische. Und mit einem Osterei in Wachstechnik hatte sie früher sogar mal in Spremberg den ersten Preis bei einem Wettbewerb gewonnen.

Bei genauem Hinsehen war das Sorbische immer ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens, sagt sie. Nur wenn sie mit dem Kammerchor Hoyerswerda mal wieder ein sorbisches Lied einstudiert, dann stellt sie fest, wie schwer es doch ist, richtig Sorbisch zu sprechen.