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Anstehen für seltenen Segen

Neupriester Florian Mroß spendet Mädchen in sorbischer Tracht den Primizsegen. Hunderte Gemeindeglieder standen am Sonntagnachmittag für diesen Segen an.
Neupriester Florian Mroß spendet Mädchen in sorbischer Tracht den Primizsegen. Hunderte Gemeindeglieder standen am Sonntagnachmittag für diesen Segen an. FOTO: Martin Kliemank/mka1
Wittichenau. Der Wittichenauer Florian Mroß ist am Samstag zum Priester geweiht worden. In der Dresdener Hofkirche spendete Bischof Heinrich Timmerevers dem 27-Jährigen das Weihesakrament. Martin Kliemank

Am Pfingstsonntag hat Mroß dann bereits seinen ersten Gottesdienst in seiner Heimatgemeinde in Wittichenau gefeiert.

Eine sogenannte Primiz hatte es dort 25 Jahre nicht gegeben. Entsprechend viele Christen wollten die festliche Messe miterleben. Auch Neupriester Mroß hat sich lange darauf gefreut. "Das, wonach man sich acht Jahre lang gesehnt hat - jetzt ist es soweit", sagte der Priester. Der Sorbe machte deutlich, welche Bedeutung diese Messfeier für ihn hat: "Heute geschieht mehr als zuvor." Nun würde das Brot auf dem Altar durch seine Hände zum Leib Christi gewandelt.

Mroß hatte sich durch ein Theologiestudium in Erfurt und Brixen sowie durch Praktika in der Dompfarrei Bautzen auf das Priesteramt vorbereitet. Ein einschneidendes Erlebnis hatte dazu geführt, dass Mroß sich stärker mit seinem Glauben auseinandersetzte: Als er 13 Jahre alt war, starb sein 20-jähriger Bruder. Trotz aller Trauer, allem Zweifeln habe er damals Trost im Glauben gefunden. Florian Mroß wurde Oberministrant und engagierte sich in der sorbischen Dekanatsjugend. Beim Zivildienst in der Wittichenauer Pfarrgemeinde befasste er sich dann intensiver mit dem Priesterberuf.

Pfarrer Mercin Delenk war zu dieser Zeit sorbischer Seelsorger in Wittichenau. In seiner Predigt zu Mroß Primizgottesdienst berichtete er davon, wie der ihm von seinem Entschluss, Priester zu werden, erzählte. "Für einen Priester ist das ein unvergleichlich schöner Augenblick", sagte Delenk.

Seine Freude sei jedoch sogleich mit Sorge verbunden gewesen. Er habe sich gefragt: "Kann dieser junge Mann erahnen, welchem Ringen er sich aussetzt? Muss ich ihn abhalten von seinem Vorhaben oder soll ich ihn bestärken?"

Doch spätestens mit dem Tag der Primiz wüssten Christen: Wen Gott ruft, den führe er auch. Deshalb wünschte Delenk dem Neupriester Mroß: "Lass dich durch nichts und niemanden verbiegen! Bleib Florian, der in Kulow gelernt hat, auf Gott zu hören!"

In einem Festzelt auf dem Kirchplatz beglückwünschten dann auch viele Gemeindemitglieder "ihren" Neupriester. Kirchenvorstandsmitglied Peter Scholze berichtete Mroß, dass er sich während der Messe an ein Jugendlied erinnert gefühlt habe: "Die Sache Jesu braucht Begeisterte." Deshalb wünschte er dem jungen Mann, dass das Priesteramt für ihn nicht nur Beruf, sondern Berufung sei.

Sonja Rehor, Vorsitzende von Bratrowstwo, dem Verein katholischer Sorben in der Pfarrgemeinde, verband mit ihren Wünschen an den Priester den Dank, dass er Gottes Ruf gehört habe. Sie wünschte ihm Mut für die kommenden Aufgaben.

Weil Florian schon als Kind bei den Veranstaltungen des Vereins dabei gewesen ist, fand Sonja Rehor nach eigenem Bekunden die Primizfeier "sehr berührend". Viele Vereinsmitglieder fühlten sich ihm sehr verbunden, erklärte die Vorsitzende. "Er gehört dazu."

Am Nachmittag kam die Gemeinde zu einer Dankandacht zusammen. Hunderte Gemeindeglieder wollten sich von dem Neupriester segnen lassen. Erst nach anderthalb Stunden hatte Mroß allen die Hände aufgelegt und über ihnen das Segensgebet gesprochen.

Ab 1. Juli wird Florian Mroß nun vertretungsweise Kaplan in Dresden-Pieschen, -Neustadt und -Weißer Hirsch. Bischof Timmerevers hat Mroß zudem in Aussicht gestellt, dass er anschließend in Leipzig-Reudnitz eingesetzt werden könnte.