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Jugend musiziert
Anspannung, Applaus, Aufatmen

Die 13-jährige Luise Nuck mit ihrem Musiklehrer Philip Seidel. Bereits zum vierten Mal nimmt die Gymnasiastin am Regionalwettbewerb teil. In diesem Jahr hat sie sich mit ihren Gitarrenkünsten den ersten Preis nach Hause geholt.
Die 13-jährige Luise Nuck mit ihrem Musiklehrer Philip Seidel. Bereits zum vierten Mal nimmt die Gymnasiastin am Regionalwettbewerb teil. In diesem Jahr hat sie sich mit ihren Gitarrenkünsten den ersten Preis nach Hause geholt. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ spielten rund 100 junge Musiker aus Ostsachsen. Von Rainer Könen

Als am frühen Samstagnachmittag Luise Nuck das winzige Podium im Raum 009 im Erdgeschoss der Hoyerswerdaer Musikschule betritt, ihre Noten vor sich ausbreitet und mit Unterstützung ihres Musiklehrers Philipp Seidel den Hocker zurechtrückt, ist es soweit.

So etwas wie eine neugierige Anspannung verbreitet sich im Publikum. Für dieses Vorspielen hat die 13-Jährige in den vergangen Monaten geübt. Nun gilt es, das Lampenfieber in den Griff zu bekommen. Knapp zwölf Minuten wird sie dort sitzen, beobachtet von zwei Dutzend Menschen und einer vierköpfigen Jury, die nicht nur hinschaut, sondern vor allem genau zuhört, wenn sie in die Saiten ihrer Gitarre greift. Es ist mucksmäuschenstill geworden, als die ersten Klänge von „Partita“ erklingen.

Die Hoyerswerdaerin gehört zu den rund 100 jungen ostsächsischen Musikern, die sich am Wochenende beim 27. Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ in Hoyerswerda getroffen haben, um in verschiedenen Kategorien ihre Sieger zu ermitteln, die Mitte März zum Landesfinale nach Reichenbach fahren dürfen. Am ersten Wettbewerbstag standen in der Musikschule die Kategorien „Zupfinstrumente“, „Duo Kunstlied - Singstimme und Klavier“ auf dem Programm, im Lessing-Gymnasium wiederum waren die Holzblasinstrumente im Fokus.
Als sich Fabian Karl Schulze am Samstagvormittag an den Tisch im ersten Obergeschoss der Musikschule setzt, ist ihm klar, dass er an diesem Tag hier und da Hilfestellung geben muss – psychologischer Art. Er gehört zu den Juryhelfern dieser Veranstaltung. Sein Tisch ist auch eine Art Info-Point. Hier melden sich die teilnehmenden Jugendlichen an. Fabian Karl Schulze weiß um die Befindlichkeit der jungen Musiker. Denn „ich habe ja selbst auch auch schon zwei Mal beim Regionalwettbewerb mitgemacht“, so der 16-Jährige. „Du gehst einfach nach vorne und singst“, rät er einem Mädchen, das in der Mittagsstunde unruhig vor seinem Tisch hin und her tänzelt.
Im Minutentakt läuft „Jugend musiziert“-Geschäftsführerin Christiane Vogel bei ihm vorbei. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Wie läuft es? „Alles ganz gut, hin und wieder streikt mal der Drucker, die üblichen kleinen Katastrophen“, lächelt sie.

Um zwölf beginnt in der Kategorie „Singstimme und Klavier“ das Vorspielen. Noch ist aber Zeit. Auf dem Flur laufen junge Menschen, die Klassikfraktion in Anzug und Kleid, etliche Sänger im lässigen Outfit, vorüber. Die einen wirken schüchtern, die anderen aufgedreht.

Luise Nuck gehört zu den erfahrenen Teilnehmern des Regionalwettbewerbes. Sie ist zum vierten Mal dabei. Mutter Uta Noack erzählt, dass alle in der Familie mächtig nervös sind. Mutter und Tochter sind zeitig in die Musikschule gekommen. Eine Stunde vor dem Vorspielen gibt Luise Nuck einer Juryhelferin ihr Programm fürs Vorspielen. Mutter und Tochter verschwinden kurz darauf im Einspielraum. Eine halbe Stunde später als geplant, geht es dann endlich los. Die Jurymitglieder nähern sich dem Vorspielraum. Spannung kommt auf. Luise ist dran. Die Stücke, die sie spielt, darunter sind „Divertissement“ von Jürg Kindle und Auszüge von „Zodiak- die zwölf Sternzeichen“ von Francisco Tarrega, nehmen das Publikum ein. Das ist spürbar.

Als sie fertig ist, ihren Blick hebt, ins Publikum schaut, in die erste Reihe, dorthin, wo Mutter Uta Noack und ihr Lehrer sitzen, sieht man die Erleichterung in ihrem Gesicht. Applaus. Sie hoffe auf mindestens zwanzig Punkte, erzählt sie. Und ja, sie sei neugierig, was die Experten ihr im anschließenden Beratungsgespräch erzählen werden. Ihre Mutter ist ebenfalls erleichtert. „Das lief doch prima“, meint sie. Seit fünf Jahren spielt Luise Gitarre. Sie besucht das Lessing-Gymnasium, natürlich wegen seines musischen Schwerpunktes.

Am späten Samstagnachmittag erfährt sie, wie sie abgeschnitten hat: 21 Punkte, erster Preis. Dafür gibt es auch eine Urkunde. Diesen Wettbewerb wird die 13-jährige Hoyerswerdaerin in guter Erinnerung behalten.