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Anker sollen Schlossmauern schützen

Ronny Kluge von der beauftragten Stuck- und Sanierungsfirma Behrendt & Petzold aus Glauchau trägt an der Außenfassade neuen Trassputz auf.
Ronny Kluge von der beauftragten Stuck- und Sanierungsfirma Behrendt & Petzold aus Glauchau trägt an der Außenfassade neuen Trassputz auf. FOTO: cw
Hoyerswerda. Frei liegendes Mauerwerk, Gerüste und Baumaschinen, Schutt und Schmutz, der sich bei Bohrungen und beim Putz abklopfen nunmal nicht vermeiden lässt – im denkmalgeschützten Schloss Hoyerswerda sieht es derzeit aus wie auf allen großen Baustellen: ein bisschen chaotisch und jedenfalls nicht für den öffentlichen Besucherverkehr geeignet. Kerstin Noack, Prokuristin der ZooKultur und Leiterin des Stadtmuseums, nimmt die Zustände relativ gelassen: "Wir haben ja gewusst, was auf uns zukommt", sagt sie. Catrin Würz

Seit Ende März laufen im historischen Stadtschloss von Hoyerswerda die umfangreichen Sanierungs- und Standsicherungsarbeiten im Barockteil des Gebäudes für rund 1,2 Millionen Euro.

Bis Mitte Juni war zwar noch parallel zu den Bauarbeiten der Besuch von Teilen des Museums möglich - doch seit dem 12. Juni musste nun auch noch das "ErlebnisReich" geschlossen werden. Grund sind umfassende Bohrungen in den Wänden des Treppenhauses. Dabei wurden und werden noch weiterhin Zug- und Spannanker gesetzt, um die Schlossmauern vor weiteren Setzungserscheinungen zu schützen. Besucher müssen deshalb vorerst draußen bleiben. "Aber wir hoffen, diesen Museumsbereich noch vor dem Ende der Ferien wieder zugänglich machen zu können", sagt Kerstin Noack. So ist jedenfalls der Plan.

Allerdings ist der Bauablauf in den vergangenen Wochen gerade etwas ins Wanken gekommen. "Wir liegen etwas im Zeitverzug", bestätigt Museumschefin Kerstin Noack. Grund: Ein so großes Bauvorhaben wie das denkmalgeschützte Schloss ist nicht vor bösen Überraschungen gefeit. "Leitungsschächte, die nicht im Plan eingezeichnet waren, oder Fensterbänke, die mit Bauschaum statt mit Mauerwerk ausgefüllt waren - manches war so nicht zu erwarten", erkärt Kerstin Noack. Zwar gibt es über die letzte Schloss-Sanierung in den 1990er-Jahren eine ganze Reihe Papier und Planungsunterlagen. Diese bilden die vorgefundene Realität aber leider nicht genau ab. Und so sorgten beschädigte Versorgungsleitungen und ein zwischendrin defekter Fahrstuhl für Mehraufwand. Auch eine in den Neunzigern eingebaute Trockenleitung für den Brandschutz und den Feuerwehreinsatz im Notfall bereitet den heutigen Bauarbeitern Kopfschmerzen. Zu viele Hohlräume gibt es in dieser Mauer, die ebenfalls von einem Ringanker gesichert werden müsste. Und dann ist da ja auch noch für jede abweichende Entscheidung die Zustimmung der Denkmalschutzbehörde einzuholen. Etwas, das zumindest Zeit kostet.

Trotz der kleinen Widrigkeiten hält das Museumsteam am großen Ziel fest: Ab Oktober soll im ersten Obergeschoss des Barockanbaus der zweite Teil der neu konzipierten Ständigen Ausstellung - das neue "LehrReich" - aufgebaut werden. Am Feinschliff für diesen neuen Ausstellungsbereich wird schon seit Monaten gefeilt. Inhalt, Texte und Bilder werden momentan mit dem beauftragten Büro für den Ausstellungsbau abgestimmt. Von Oktober bis Dezember soll der neue Museumsbereich im Wesentlichen aufgebaut werden. Mit der Eröffnung wird im Januar oder Februar 2018 gerechnet.

Das neue "LehrReich" ist der nunmehr zweite von insgesamt vier neu konzipierten Bereichen der Daueraustellung. Es wird die Zeit ab 1945, den Aufbau der Wohnstadt Hoyerswerda für das Gaskombinat Schwarze Pumpe und die Entwicklung bis in die Gegenwart abbilden. Ähnlich wie beim "ErlebnisReich" sind interaktive und crossmediale Präsentationen geplant - zum Beispiel abrufbare Zeitzeugen-Schilderungen ebenso wie Erkundungen an digitalen Stationen.

Zum Thema:
Die Sanierung des denkmalgeschützten historischen Schlosses Hoyerswerda wird insgesamt 1,24 Millionen Euro kosten. Vorgesehen ist der Einbau neuer Doppelkastenfenster im Barockteil des Gebäudes sowie auch im Renaissance-Teil. Neben den Ring ankern, die das weitere Absetzen des Mauerwerkes stoppen sollen, bekommt das Schloss am Barockanbau und im Bereich des Treppenhauses einen neuen Außenfassadenputz.