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| 01:02 Uhr

Angst vor Baum-Riesen

Klein Partwitz.. Nicht das Laub, mit dem auch die Anwohner im Wohngebiet Klein Partwitz in jedem Herbst viel Mühe haben, ist Grund für massive Beschwerden über die Platanen-Allee. Vielmehr betrachten die Häusler-Besitzer hier als Wurzel des Übels, dass das Grün sich naturgemäß zu wahren Baum-Riesen entwickelt. Von Kathleen Weser

Wildwuchs wegen mangelnder Pflege kritisiert die Gemeinschaft. Denn einige Baumkronen haben sich so ausladend entwickelt, dass Hausbesitzer bei jedem Sturm um ihr Eigentum bangen.
Bernd Sobioch, in der vergangenen Legislatur der Ortsvorsteher des Dorfes, hatte die Sorge schon an das Fachamt der Elsterheide-Verwaltung herangetragen. Gefahren gehen von dem Groß-Grün nicht aus, ist sich Bauamtsleiter Reiner Zschiesche nach wie vor sicher. „Die Bäume sind Bestandteil der genehmigten Satzung für das Wohngebiet und können nicht einfach entfernt werden“ , erklärt er grundsätzlich. Die Gemeinde ist im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht aufgefordert, den Zustand des Wuchses ständig im Auge zu haben. „Es besteht kein Anlass, an den Platanen wuchs-regulierende Maßnahmen zu veranlassen“ , betont Reiner Zschiesche. Die Bäume würden sicher stehen und seien gänzlich ungefährlich.
Leicht verwundert hat der aktuelle Ortsvorsteher, Siegfried Rasper, in die alten Protokolle geschaut. Das Bürger-Problem war ihm neu. Obwohl ihm versichert wird, dass der Platanen-Streit schon länger schwelt. Doch fündig wurde er (noch) nicht. Aber Siegfried Rasper erinnert sich gut daran: „Im dritten Bauabschnitt für die geplante Umsiedlung der Bürger von Proschim, deren Häuser dem fortschreitenden Tagebau weichen sollten, hat die Kohle die Platanen nach dem Willen der Leute pflanzen lassen. Der Ortschaftsrat hat diesem Wunsch selbstverständlich entsprochen.“ Der Vorsteher räumt aber ein: „Welche Ausmaße die Bäume erreichen können, haben wir damals freilich auch nicht gewusst. Ich bin dafür, dass wir uns fachmännischen Rat einholen.“
Der Vorschlag liegt auch Bürgermeister Dietmar Koark auf der Zunge. „Ich sehe mich außer Stande, Gefahren definitiv auszuschließen“ , erklärt er. „Die Verwaltung wird einen Spezialisten befragen.“
Jörg Hassemeier, Inhaber der Baumschule Kmetsch in Hoyerswerda, kann sich nicht vorstellen, dass von „normal und nicht extrem krumm gewachsenen“ Platanen in dem Alter, das die Klein Partwitzer Allee hat, Gefahren ausgehen. Die Bäume werden in hiesigen Breitengraden bis zu dreißig, in ihrer Heimatregion bis 45 Meter hoch, sind aber standsicher, so sie auch genug Platz haben, betont der Experte.

Hintergrund Die Platane, der Landesbaum Griechenlands
  Platanen sind riesige Bäume mit einer sehr charakteristischen Borke, die in Platten abblättert und dadurch dem Stamm und den Ästen ein geflecktes Aussehen verleiht. Die Blätter sind Ahorn ähnlich.

Der Landesbaum Griechenlands wächst vorwiegend an Stellen mit ausreichender Wasserversorgung, zum Beispiel an Bachläufen. Recht beliebt ist die Platane in Alleen und als einzelner Schattenspender. Die Platane hat sich zum idealen Großstadtbaum entwickelt, weil sie sich auch als unempfindlich gegen Bodenverdichtung und Verschmutzung der Luft mit unterschiedlichen Schadstoffen erwiesen hat. Gleichzeitig ist sie sehr standfest und trotzt starken Stürmen.

Die Bezeichnung Platane leitet sich vom griechischen plat∆s (deutsch: flach) ab. Das bezieht sich auf den breiten Wuchs und die großflächigen Blätter. Der Baum ist kein Flachwurzler.