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Amerikanische Faulbrut bedroht Bienenvölker in der Lausitz

In den komplett sanierten Bienenständen von Imker Dieter Adam ist alles in Ordnung. Keine Spur mehr von Faulbrut-Sporen. Doch bei einem anderen Imker aus Hoyerswerda ist die tückische Bienenkrankheit jetzt ausgebrochen. Das Landratsamt hat sofort einen Sperrbezirk erlassen.
In den komplett sanierten Bienenständen von Imker Dieter Adam ist alles in Ordnung. Keine Spur mehr von Faulbrut-Sporen. Doch bei einem anderen Imker aus Hoyerswerda ist die tückische Bienenkrankheit jetzt ausgebrochen. Das Landratsamt hat sofort einen Sperrbezirk erlassen. FOTO: cw
Hoyerswerda. Ein gefährliches und hoch ansteckendes Bakterium bedroht die Honigbienen im Raum Hoyerswerda. Bei einem Berufsimker mit einer hohen Zahl von Bienenvölkern hat das Landratsamt jetzt den Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut festgestellt. Catrin Würz

Bei den Veterinären und Bienenexperten in der Region gehen deshalb nun alle Alarmglocken an: Die Tierseuche ist zwar absolut unschädlich für den Menschen, denn die Erreger befallen nur die Brut der Bienen, bilden in abgestorbenen Larven ihre Sporen. Diese werden von hier aus im gesamten Bienenvolk verteilt und reichern sich an. Und das kann im schlimmsten Fall die Bienenvölker schwächen und in Größenordnungen vernichten. "Das wäre fatal. Deshalb haben wir jetzt Gegenmaßnahmen eingeleitet", sagt Dr. Frithjof Koithan, amtlicher Tierarzt im Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt des Landkreises Bautzen. Rund um die festgestellte Ausbruchstelle im Osten des Stadtgebietes Hoyerswerda hat das Amt einen Sperrbezirk ausgewiesen. Betroffen sind zum Beispiel die Wohnkomplexe IV bis VII in der Neustadt, die Ortslage Zeißig, aber auch eine unbebaute Fläche östlich der Schwarzen Elster. Innerhalb dieses Bezirkes müssen Imker ihre Bienenvölker amtstierärztlich untersuchen lassen und dürfen Bienenstände, Gerätschaften und Zubehör nicht mehr aus oder in den Sperrbezirk bringen. Davon betroffen ist zwar zunächst nur eine Handvoll Imker. Doch die Gefahr der Ansteckung anderer Bienenvölker schwebt wie ein Damoklesschwert über den Züchtern. Und ein großes Bienensterben würde spätestens im nächsten Frühjahr auch Landwirte, Obstbauern und Gärtner arg treffen. "Deshalb ist es besonders wichtig, dass sich alle Imker aus dem nahen Umfeld jetzt bei uns melden", so der Fachtierarzt. Empfohlen werden prophylaktische mikrobiologische Proben.

Als eine Gefahr, mit der nicht zu spaßen ist, sieht auch Dieter Adam den Ausbruch der Bienenkrankheit. Der 73-Jährige ist seit über fünf Jahrzehnten Imker aus Leidenschaft und hat in dieser Zeit schon einiges erlebt. Er weiß, dass die Faulbrut eine uralte Bienenkrankheit ist, deren Erreger momentan auch in Sachsen wieder häufiger vorkommen. So sind in Dresden momentan riesige Faulbrut-Sperrbezirke erlassen worden.

Vor ein paar Monaten waren auch bei Dieter Adams damals 15 Bienenvölkern Sporen der Faulbrut aufgetaucht - ohne dass allerdings die Krankheit zum Ausbruch kam. Der erfahrene Züchter, der seit vielen Jahren als Bienenseuchen-Sachverständiger Ansprechpartner für Imker in der Region ist, handelte unverzüglich: Alle Bienenstände wurden sofort komplett auseinandergenommen, mit heißer Natronlauge desinfiziert und die Waben, Wachs und Futterkränze wurden in der Müllverbrennung vernichtet. "Das ist mir wirklich schwergefallen und war sehr viel Arbeit. Aber es half ja nichts", sagt Dieter Adam heute lächelnd. Seine Bienenvölker wurden mithilfe eines offenen Kunstschwarmverfahrens in die gründlich gereinigten Kästen umgesetzt - und mussten danach mit Bienenfleiß erneut den Bau von Waben beginnen.

Die Sanierung ist erfolgreich gewesen. Heute sind bei Dieter Adams Tieren alle Spuren der Krankheit wieder verschwunden. "Das haben die mikrobiologischen Labortests ergeben", sagt der 73-Jährige, der auch Mitglied im Imkerverein Hoyerswerda ist. Gut 30 Bienenzüchter gehören diesem Verein an, die in der Stadt Hoyerswerda und im Umland mehr als 300 Bienenvölker halten.

Dass die Imker im Notfall zusammenstehen und sich gegenseitig helfen, weiß Dieter Adam auch. Im aktuellen Faulbrut-Fall gab es bereits erste Hilfsaktionen, wurde die Sanierung der Bienenstände mit gebündelter Fachkompetenz gestartet. Deshalb hat auch Tierarzt Frithjof Koithan Hoffnung, dass die Region Hoyerswerda vielleicht doch mit wenigen Verlusten glimpflich davonkommt.