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| 02:41 Uhr

Amerikaner lieben die alte Scheune

Hier präsentiert Birgit Pattoka per Computer einen Teil ihrer Ehrengeschenke. Die von ihr in schlichten Farben bemalten gläsernen "Tanzstiefel" wurden zum jüngsten Folklorefestival "Lausitz" ausgegeben.
Hier präsentiert Birgit Pattoka per Computer einen Teil ihrer Ehrengeschenke. Die von ihr in schlichten Farben bemalten gläsernen "Tanzstiefel" wurden zum jüngsten Folklorefestival "Lausitz" ausgegeben. FOTO: trt1
Bergen. Mehr als 1500 Menschen haben in den vergangenen zwölf Monaten die Schrotholzscheune von Volkskünstlerin Birgit Pattoka in Bergen besucht. Die Gäste kommen inzwischen von überall auf der Welt her. Torsten Richter-Zippack / trt1

Mittlerweile scheint sich das alte Bauwerk aus dem Jahr 1768 bis in die Vereinigten Staaten herumgesprochen zu haben. Denn zum ersten Mal begrüßte Birgit Pattoka Gäste aus dem US-Bundesstaat Maryland. "Die Leute waren hier in der Region zu Besuch. Auf unsere Scheune sind sie sehr wahrscheinlich durch die gute Werbung fürs Seenland aufmerksam geworden. Und die Amerikaner waren hellauf begeistert", erzählt sie. Darüber hinaus hätten Gäste aus der Schweiz, den Niederlanden sowie aus Tschechien das knarrende Gebälk betreten und besichtigt.

Längst rollen auch Reisebusse auf dem Bergener Anger vor. "Zum Glück ist die offizielle Bushaltestelle nur 50 Meter von unserem Eingang entfernt", sagt Birgit Pattoka. Im neuen Jahr seien auch schon zwei größere Gruppen angereist. Diese wollten ursprünglich ganz gemütlich per Kremser die Schrotholzscheune ansteuern. In einem Fall habe allerdings das Zugpferd den Dienst versagt.

Gläserne Tanzstiefel

Darüber hinaus war die Volkskünstlerin in den vergangenen zwölf Monaten keineswegs untätig. Im Gegenteil: Für das Folklorefestival "Lausitz" durfte Birgit Pattoka sage und schreibe 30 Ehrengeschenke bemalen. Und zwar gläserne Tanzstiefel mit dem Symbol der traditionsreichen Veranstaltung, deren nächste Auflage es im Jahr 2017 geben wird. Zudem habe die versierte Glasmalerin die Edition "Kleine Glöckchen" für den Aufbau des Turms an das Martin-Luther-King-Haus in Hoyerswerda gestaltet. Nicht zuletzt war die Schrotholzscheune Ziel eines kroatischen Fernsehteams, das dort für seinen neuen Dokumentarspielfilm zu Krabat drehte. Bislang habe die Volkskünstlerin noch keine Info, ob der Streifen inzwischen vollendet sei. Auf jeden Fall, so sagt sie, steige die Spannung Tag für Tag.

Was das Jahr 2016 in der Schrotholzscheune bringt? Zunächst natürlich die traditionellen Eier- und Glasmalkurse während der Passions- und Osterzeit. Anmeldungen würden bereits jetzt entgegengenommen. Jeder könne sich in dieser so typischen Lausitzer Kunst ausprobieren. Über das Osterfest sei jeden Tag ein anderer Volkskünstler und Ostereiermaler in der alten Scheune vor Ort. Und am Gründonnerstag, 24. März, stehe die mittlerweile 17. Andacht im Plan.

Kein Nagel im Gebälk

Ein Höhepunkt im Kalender ist jedes Jahr auch die sorbische Vogelhochzeit. "Meine Mutter Anna flechtet trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch immer die Buchsbaumranke selbst", sagt Birgit Pattoka stolz. Das fertige Geflecht schmückt dann den "Künstlerbaum", der eine Wand der Scheune bedeckt. Übrigens, so erinnert sich Pattoka, hätten früher die Waldarbeiter bis zur Vogelhochzeit das beste Bauholz in den heimischen Wäldern geschlagen. Nach dem Fest steige dann allmählich neuer Lebenssaft in die Bäume, ein erster Hauch von Frühling sozusagen.

An der alten Schrotholzscheune, für deren Bau nicht ein einziger Nagel verwandt wurde, müsse immer wieder repariert und saniert werden. Es wäre zudem an der Zeit, die mächtigen Holzbohlen mal wieder mit Leinöl einzustreichen, um diese zu schützen. Doch mangele es bislang an der entsprechenden Zeit. Darüber hinaus stehe 2016 noch ein kleines Jubiläum ins Haus. Sind doch schließlich nunmehr bereits 85 Jahre vergangen, als Birgit Pattokas Großvater die Eiche neben die Scheune pflanzte. "Manche Leute denken, der Baum wäre bereits mehrere hundert Jahre alt", weiß die Volkskünstlerin aus Erfahrung. Dabei stehe er erst seit 1931 dort.

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch. Und zwar das Taubenhaus direkt vor Scheune und Eiche. Das stehe schon seit dem vergangenen Jahr leer. Dem letzten Versuch, dort neue Tauben anzusiedeln, habe ein Greifvogel ein schnelles Ende bereitet. Ob sich die Familie dennoch neue Tiere anschaffen wird, sei derzeit völlig offen. "Es tut immer so weh, wenn die kleinen Tiere dann von Raubvögeln geschlagen werden", lautet Birgit Pattokas nachvollziehbare Begründung.