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| 06:51 Uhr

Hobby: Amateurfunk
Die Welt zu Gast in Weißkollm

 Er hat die Welt in der Hand: Per Funk ist Helmut Hänsch aus Weißkollm mal mit Argentinien, mal mit Australien verbunden. Zurzeit funkt er mit der digitalen Betriebsart FT 8. Dabei empfängt der 67-Jährige nur Signale anderer Funker und spricht selbst nicht mit ihnen.
Er hat die Welt in der Hand: Per Funk ist Helmut Hänsch aus Weißkollm mal mit Argentinien, mal mit Australien verbunden. Zurzeit funkt er mit der digitalen Betriebsart FT 8. Dabei empfängt der 67-Jährige nur Signale anderer Funker und spricht selbst nicht mit ihnen. FOTO: LR / Sascha Klein
Amateurfunker Helmut Hänsch aus Weißkollm nimmt Verbindung in die einsamsten Ecken der Erde auf. Sein Hoyerswerdaer Ortsverein steht zurzeit vor schweren Zeiten. Von Sascha Klein

DL5DSM“ sucht Kontakt in alle Welt. Und „DL5DSM“ hat Kontakt in alle Welt. „Letztens bin ich nachts für ein, zwei Stunden wach gewesen. Da habe ich Kontakt mit jemandem aus Argentinien, den USA, Costa Rica und von Lampedusa gehabt“.

„DL5DSM“ – das ist Helmut Hänsch (67) aus Weißkollm. Der Amateurfunker ist über den Äther auch den weit entfernten Punkten dieser Erde für wenige Minuten ganz nah. Sein Funkgerät ist quasi Tag und Nacht auf Empfang.

Rund 20 Amateurfunker in Hoyerswerda

Helmut Hänsch ist einer von rund 20 lizensierten Funkamateuren im Raum Hoyerswerda. Der Weißkollmer ist Chef der DARC-Ortsgruppe Hoyerswerda. Zum Funken gekommen ist er in den 60er-Jahren. Da sein Vater interessiert am Radio-Basteln war, hat auch Sohn Helmut mitgebaut. Irgendwann war der erste Funkempfänger fertig – das Tor zur weiten Welt in der teils engen DDR.

 Funker Helmut Hänsch; Karte aus Madeira
Funker Helmut Hänsch; Karte aus Madeira FOTO: LR / Sascha Klein

„Man konnte schon mit Leuten im Westen funken“, sagt der 67-Jährige rückblickend. „Wegen der Stasi musste man nur aufpassen, was man sagt.“ Bei der GST gab es die Nachrichtenausbildung, bei der Armee ist Hänsch – natürlich – Funker geworden. Als Kraftwerkselektriker hat er am alten und am neuen Kraftwerk in Schwarze Pumpe gearbeitet – insgesamt 45 Jahre lang. Dem Hobby Amateurfunk ist er stets treu geblieben.

Hoyerswerdaer Amateurfunker sammeln Länder

Funkamateure funken aber nicht nur des Funkens willen. Irgendwie ist es auch ein dauerhafter Wettbewerb. Manche sammeln Briefmarken, andere heutzutage Sammelkarten von Fußballern oder Star-Wars-Helden: Helmut Hänsch sammelt Länder.

 Funker Helmut Hänsch; Karte aus Madeira
Funker Helmut Hänsch; Karte aus Madeira FOTO: LR / Sascha Klein

Beim DXCC-Diplom, dem bekanntesten aller Amateurfunker-Diplome, muss Kontakt in 340 Länder aufgenommen werden.

Moment: 340? Gibt es nicht nur knapp 200 Staaten? Bei den Funkern werden auch bestimmte Teilgebiete oder spezielle Inseln dazu gezählt. Inseln wie Bouvet: Diese Insel im Südatlantik, 4200 Kilometer von Feuerland und 2500 Kilometer vom Kap der Guten Hoffnung entfernt, ist wie Goldstaub für Amateurfunker.

Denn: Dort ist niemand. Und wenn dort jemand ist, dann wollen Tausende gleichzeitig mit ihm Kontakt aufnehmen. „Ich muss also nicht dort gewesen sein, sondern nur mit jemandem gefunkt haben, der dort ist“, sagt Hänsch.

Amateurfunker hat mit allen 340 Punkten der Erde „gearbeitet“

Natürlich hat Helmut Hänsch im Rahmen seines Funkerlebens schon mit allen 340 Punkten der Erde „gearbeitet“. Arbeiten: Das ist Funkerlatein. Denn für die Funker ist jeder Kontakt Arbeit. Man spricht nicht miteinander, man arbeitet.

Der 67-Jährige hat auch schon anderen Funkern geholfen, ihre Weltkarte der Funkkontakte vollzubekommen. Zum Beispiel in Blasket Island: Die kleine Insel an der Westküste Irlands ist ein Paradies für alle Naturfreunde. Helmut Hänsch hat dort seine Funkausrüstung ausgepackt und vom Vormittag bis in den späten Nachmittag „gearbeitet“.

Zum Lohn bekommt jeder, mit dem Hänsch ein paar Worte gewechselt hat, eine kleine Karte. Darauf steht, wann und wo der Kontakt gewesen ist. Das ist der Beweis fürs Diplom.

Das Amateurfunken ist eine Sache für sich

Helmut Hänsch hat einen ganzen Karton voller Kärtchen aus aller Welt. Auch seine Frau Karin teilt das Funker-Hobby, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. „Das Spannende ist, auf einen Unbekannten zu treffen und mit ihm zu funken“, sagt Karin Hänsch.

„Das ist nicht vergleichbar mit Telefonieren oder WhatsApp-Schreiben“, sagt sie. Das Funken ist eine Sache für sich. Mit einigen der einst Unbekannten haben sich inzwischen echte Freundschaften entwickelt.

Hoyerswerdaer Ortsverein vor schweren Zeiten

Der Hoyerswerdaer Ortsverein, der im Deutschen Amateur Radio Club (DARC) organisiert ist, steht zurzeit vor schweren Zeiten. Der Verein verfügt noch über eine Clubstation in der Hoyerswerdaer Schill-Straße. Sie soll im Sommer vermutlich aufgegeben werden, weil sie kaum noch jemand nutzt. Die Mitglieder verfügen über eigene Technik.

Die gemeinsamen Treffen werden weniger. Auch, weil das Durchschnittsalter der Amateurfunker immer höher wird. Nachwuchs ist nicht in Sicht. Am 18. April jährt sich der Weltamateurfunktag. Helmut Hänsch wünscht sich interessierte Jugendliche, die die Funk-Tradition weiter pflegen.

Funktechnik bei Urlauben im Ausland dabei

Für den Weißkollmer gehört das Funken zu jedem Tag des Lebens dazu – auch im Urlaub: „Wenn wir in Deutschland unterwegs sind, bleibt die Technik zu Hause“, sagt Hänsch. „Das hat keinen Reiz für mich.“

Aber im Ausland: Da muss die Funktechnik dabei sein – wie für andere ein gutes Buch und die Badehose. Der 67-Jährige schultert dann rund 20 Kilogramm: Koax-Kabel, Antennendraht, Angelrute zum Draht festmachen, Antennen-Analyser, Antennen-Tuner, Funkgerät. Für viele Länder gibt es eine internationale Vereinbarung, dass Amateure dort ohne Genehmigung funken dürfen – oder besser: arbeiten.

Also funkt Helmut Hänsch mit Menschen aus aller Welt. Die bekommen dann später eine Karte mit der Bestätigung. Andere verschicken Urlaubskarten, der Weißkollmer einen Standortnachweis.

Auch Helmut Hänsch hat noch eine Herausforderung: das IOTA-Diplom. Es bedeutet „Islands on the Air“. „Gesammelt“ werden müssen Funkkontakte zu teils unbewohnten Inseln zwischen Kapstadt und dem Nordkap.

1200 verschiedene Inseln gibt es in dieser Wertung. Der Weißkollmer ist bei gut 1000. Ob er das schafft? Möglich ist alles. Wichtig ist, dass nicht nur „DL5DSM“ im heimischen Weißkollm auf Empfang bleibt, sondern auch irgendjemand am anderen Ende der Welt.