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| 01:48 Uhr

Alte Hüte amüsieren die Schlossbesucher

Kleiner Spaß am Rande: Museumschefin Sigrun Jeck (.) setzte den Besuchern am Dienstag während der Schlossführung alte Hüte auf. Sie gehörten Günter Peters, einem ihrer Vorgänger. Foto: Silke Richter
Kleiner Spaß am Rande: Museumschefin Sigrun Jeck (.) setzte den Besuchern am Dienstag während der Schlossführung alte Hüte auf. Sie gehörten Günter Peters, einem ihrer Vorgänger. Foto: Silke Richter FOTO: Silke Richter
Hoyerswerda. Hans-Joachim Miertschink aus Tübingen hätte seinen Urlaubstag mit hochsommerlichen Temperaturen auch ganz anders verbringen können. „Wir machen hier Ferien. Auf dem Programm stand heute Baden fahren oder Schlossführung. Wir haben uns einstimmig für letzteres entschieden“, meinte der Ex-Hoyerswerdaer, der die Wahl wahrlich nicht bereut hat. Von Silke Richter

Denn das Besondere an dieser Veranstaltung war, dass die 20 Besucher Einblicke hinter sonst verschlossene Türen bekamen. „Wir wollen Ihnen die ganze Wahrheit über das älteste Gebäude der Stadt preisgeben“, sagte Museumschefin Sigrun Jeck. Nach einer visuellen Präsentation wurde es aber erst so richtig spannend. Klar und deutlich prangte am Treppenaufgang zum Dachboden das rot-weiße Schild: „Betreten für Besucher verboten“ – eine Warnung, die an diesem Tag gewollt außer acht gelassen wurde.

Panoramablick über Altstadt

Für das Emporkraxeln der ersten knarrenden Stufen und Stiegen wartete bereits am Aufgang die erste Belohnung: ein faszinierender Panoramablick über die Hoyerswerdaer Altstadt aus einem der Fenster direkt unterm Dach. „Ist ja cool“, entfuhr es der kleinen Henriette, die wenig später nicht schlecht beim Anblick eines antiken Toilettenstuhls staunte, den aber keiner der Besucher auf die humorvolle Einladung von Sigrun Jeck ausprobieren wollte. Amüsant ging es weiter, als die Museumschefin Hüte von der Ehefrau Günter Peters', dem ehemaligen Museumschef und Begründer des Tiergartens, aus Kisten zauberte und zur Anprobe durchreichte. „Für ihn war es besonders wichtig, dass Schloss und Tiergarten zusammengehören“, so Sigrun Jeck über den verstorbenen Hoyerswerdaer. Wo die Besucher auch hinblickten, überall waren Schätze aus vergangener Zeit zu entdecken. Angefangen von Meißner Porzellan, Zinnfiguren über Helme und Bierhumpen bis hin zu historischen Dokumenten und Zeitungen – die Exponate sorgten für begeisterte Aha-Rufe. Und das nicht zuletzt deshalb, weil Sigrun Jeck es auf eine wunderbare Weise verstand, den Geschichten um den Burgherren Graf Hoyer von Vredeberg und die damalige Schlosseigentümerin und Herrscherin über Hoyerswerda, Ursula Katharina von Teschen, Leben einzuhauchen.

„Das ist ja der Wahnsinn“, platzte es aus Manfred Schneider heraus, beim Anblick der Gemäldegalerie, die unter anderem Werke des verstorbenen Hoyerswerdaer Malers Kurt Klinkert beinhaltet.

Tageslicht statt Keller

Jetzt musste Sigrun Jeck jedoch ein wenig drängeln, denn die Besucher konnten sich kaum von dem faszinieren Fundus auf dem Dachboden trennen. „Wir wollen ja auch noch in den Keller“, so die Museumschefin. Für die Besucher ging es tatsächlich über eine Treppe nach unten. Doch dann bekamen einige Gäste sogar etwas Angst, denn Sigrun Jeck versprach jetzt den Zutritt in einen stockfinsteren Raum. „Das ist gruselig“, meinte jetzt auch Charlotte, die nach der Hand ihrer Freundin tastete. Doch dann machte sich Erleichterung auf den Gesichtern der beiden Mädchen breit, denn die Besucher empfing helles Tageslicht. „Wie Sie jetzt sehen können, hat das Schloss gar keinen Keller, denn wir stehen sozusagen draußen zu ebener Erde.“ Henriette und Charlotte konnten dennoch nicht widerstehen, in einem „Kellerraum“ nach dem umstrittenen Geheimgang zu suchen. „Einige Hoyerswerdaer sind davon überzeugt, als Kinder in unterirdischen Gängen gespielt zu haben. Aber Untersuchungen haben keine Anhaltspunkte dazu gegeben“, so Sigrun Jeck.

Spätestens jetzt wurde dem letzten Besucher klar, welche Aufgaben die Museumsmitarbeiter leisten: Sammeln, Erforschen, Bewahren und Präsentieren. „Wir wollen versuchen, die Dinge zum Sprechen zu bringen“, so Sigrun Jeck. Fazit: Vollauf gelungen!