| 02:39 Uhr

Alte Hoyerswerdaer Geschichten locken viele Neugierige an

Elke Roschmann (l.) und Renate Kerber (am Laptop) führten die Besucher mit alten Fotos ins Hoyerswerda von früher.
Elke Roschmann (l.) und Renate Kerber (am Laptop) führten die Besucher mit alten Fotos ins Hoyerswerda von früher. FOTO: dcz1
Hoyerswerda. Historische Fotoaufnahmen vom alten Hoyerswerda haben in dieser Woche für Begeisterung gesorgt. Innerhalb der Veranstaltungsreihe "Dienstags im Stadtmuseums" standen diesmal nämlich die historische Altstadt im Mittelpunkt und wie sehr sie sich in den vergangenen hundert Jahren verändert hat. Katrin Demczenko/dcz1

Die Gesellschaft für Heimatkunde hatte die Veranstaltung im Schlosssaal, zu der mehr als 120 Besucher gekommen waren, organisiert. Zwei ihrer Mitglieder, die 80-jährige Renate Kerber und Elke Roschmann, die auch Mitarbeiterin des Stadtmuseums ist, waren die Referentinnen.

Renate Kerber ist. gebürtige Hoyerswerdaerin und wohnte 25 Jahre in der Spremberger Straße, in der es Mitte des 20. Jahrhunderts viele Geschäfte gab. Wegen mangelnder Werterhaltung mussten die meisten Häuser Anfang der 1980er-Jahre abgerissen werden, was auch auf die Bebauung der Grünstraße zutraf. Heute gibt es in dem Bereich viele neue Gebäude, zu denen das Altenpflegeheim "Goldener Stern" gehört. Es hat seinen Namen von der Gaststätte übernommen, die sich einst an diesem Standort befunden hat, sagte die Hobbyhistorikerin Renate Kerber.

Schulen sind noch da

Mit Hilfe in vielen Jahrzehnten selbst fotografierten Aufnahmen und anderen Quellen berichtete sie über das Leben in der Stadt mit ihren damals reichlich 7000 Einwohnern und 22 Brücken. Es gab eine Mühle etwa dort, wo heute das Hotel "Zur Mühle" steht, mehrere Gasthäuser, Schuhmacherwerkstätten und eine Apotheke am Markt. Die Kinder besuchten ab 1913 zwei Schulen in der Schulstraße, deren Gebäude immer noch genutzt werden. Im heutigen Bürgerzentrum Braugasse 1 legte 1927 der spätere Computererfinder Konrad Zuse sein Abitur ab, denn es war das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Real-Reformgymnasium.

Schwimmen im Elsterarm

Mehrere Kirchen, zwei Kaufhäuser, das Krankenhaus in der Frentzelstraße, das heute Wohnhaus ist, und von 1935 bis 1991 ein Freibad sorgten damals für Lebensqualität, erzählte die Hobbyhistorikerin. Ihre Mutter habe aber das Schwimmen Anfang des Jahrhunderts noch in einem der die Stadt durchziehenden Elsterarme erlernt.

Renate Kerber konnte anhand der Fotos genau erklären, dass sich zum Beispiel die Druckerei Lapstich in jenem Haus befunden hat, das heute die Gaststätte "Moijto" nutzt. Der dortige Elsterarm sei erst in den 1950er-Jahren verrohrt worden, denn vom Tischler Rasch sei überliefert, dass er Anfang dieses Jahrzehnts noch per Kahn eine Hochzeit in Neuwiese besucht hat. Diese Geschichte wie auch jene über der Drogerie Röhricht erzählte Elke Roschmann. Die Drogerie gehörte zu der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Ostseite des Marktes und hatte schon in den 1920er- Jahren eine Benzinzapfsäule, der später andere Tankstellen folgten.

Die Museumsmitarbeiterin berichtete auch, dass das Hoyerswerdaer Elektrizitätswerk von Otto Zschiedrich im Jahre 1903 mit einer Jugendstilfassade erbaut und zur DDR-Zeit neu verputzt wurde. Das Museum hat eine Portalfigur des Gebäudes in Besitz nehmen können, wo sie sich immer noch befindet. Das Haus wurde 1999 abgerissen.