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750 Jahre Hoyerswerda
Alte Gemäuer neu gesichert

Hoyerswerda. Das Hoyerswerdaer Schloss ist in den 90er-Jahren saniert worden. Die Bauingenieurin erinnert sich.

Hoyerswerda ist ohne sein ältestes Bauwerk, das Schloss, im Jahr seines 750jährigen Bestehens nicht vorstellbar.

Zum Ende der DDR-Zeit glich das Gebäude allerdings eher einer Ruine, erinnerte sich die Bauingenieurin und Innenarchitektin Renate Großmann. Notwendige Sanierungen fanden damals wegen fehlender hochwertiger Baustoffe nicht statt. Das Dach war undicht und das zweite Obergeschoss baupolizeilich gesperrt. 1990 konnte aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse die neue Stadtverwaltung endlich Sicherungsmaßnahmen durchführen, erzählte Renate Großmann, die damals bei der Lausitzer Bauunion arbeitete.

Viele Schwierigkeiten gab es vor allem anfangs. „Wir mussten uns umstellen, denn der Aufbau sozialistischer Neubauten war etwas anderes als die denkmalgerechte Sanierung eines Schlosses“, sagte die heute 81-jährige Bauingenieurin. Pläne und Grundrisse des Gebäudes, das aus einem Renaissance- und einem Barockteil besteht, fehlten und mussten neu angefertigt werden. Dazu kam, dass an die veränderte Situation im wiedervereinigten Deutschland angepasste Arbeitsstrukturen und Baugesetze gerade erst entstanden. Da war der verlässliche Kontakt zu Prof. Dr.-Ing. Gerhard Glaser, dem Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege Dresden, Gold wert.

Im Schloss wurde zuerst nicht tragende Wände kleiner Büroräume entfernt und die ursprüngliche Raumaufteilung wiederhergestellt, erzählte Renate Großmann. So entstand auch unter Beachtung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte das Kaminzimmer, wie es die Reichgräfin Ursula Katharina von Teschen gehabt haben könnte. 1992 verfügte der Hoyerswerdaer Bürgermeister Armin Ahrendt einen Baustopp und verlangte ein neues Nutzungskonzept für das Schloss. Er überlegte sogar, das Gebäude für 1 DM einem Investor aus den Altbundesländern zu übergeben. „Das wäre furchtbar gewesen“, so noch heute die Meinung der Innenarchitektin. 1995 gingen die Bauarbeiten aber weiter, Der Schlosssaal im Erdgeschoss und die damals ungenutzten Räume dahinter wurden saniert, wobei es Überraschungen gab. Im Saal konnten fünf alte Fensternischen, zwei im Bogenbereich und drei zum Hof hin wieder geöffnet werden, wovon der Raum profitierte. Hinter dem Saal im heutigen Foyer, wo sich noch zwei natürlich nicht mehr genutzte Gefängniszellen befanden, wurde nach dem Entfernen einer Zwischendecke ein herrliches Kreuzgewölbe gefunden. Das Vereinszimmer im Erdgeschoss hat auch so ein Gewölbe und im Wehrgang, der diese Räume verbindet, wurden zwei alte Nischen mit Fenstern wiederhergerichtet, die jetzt hölzerne Sitzbänke enthalten.

Insgesamt war Renate Großmann gern an der Schlosssanierung beteiligt und freut sich, dass das Gebäude noch öffentlich genutzt wird.

(dcz)