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| 02:40 Uhr

Alte Chronik und neuer Backofen

Martina Petschick zeigt die Kullmann-Chronik. Hier ist die Hoyerswerdaer Johanneskirche vor und nach ihrer Renovierung abgebildet.
Martina Petschick zeigt die Kullmann-Chronik. Hier ist die Hoyerswerdaer Johanneskirche vor und nach ihrer Renovierung abgebildet. FOTO: trt1
Tätzschwitz. Mit gleich zwei Paukenschlägen sind die Tätzschwitzer in die neue Saison ihrer Schul- und Heimatstube gestartet. Ein neuer Backofen ist im Entstehen und eine uralte originale Hoyerswerdsche Chronik wurde aufgetrieben. Torsten Richter-Zippack / trt1

Da wäre zunächst die Baustelle direkt vor dem historischen Ensemble in der Ortsmitte. Dort entsteht, so erklärt Martina Petschick, Leiterin des Vereins "Schul- und Heimatstube Tätzschwitz", ein neuer Backofen. Das Fundament wurde bereits gesetzt, die ersten Ziegel besorgt. Die Idee für dieses Projekt hatte indes Gerhard Schmaler. "Ich war mal in Stuttgart. Auf einem Hof stand ein alter Backofen. Der hat die Menschen miteinander verbunden. Das fand ich einfach herrlich", erzählt der Tätzschwitzer.

Seine Idee sei im Elsterdorf sofort auf Begeisterung gestoßen. Jetzt werde ordentlich rangeklotzt, damit am 2. Oktober die Inbetriebnahme erfolgen könne. Allerdings weder mit Brot noch Kuchen, sondern mit originaler Buchweizengrütze, wie Martina Petschick verrät. Der entsprechende Samen komme in Petschicks Garten nach den Eisheiligen in den Boden. Nach der herbstlichen Ernte werde dann die dicke Grütze hergestellt, früher ein weitverbreitetes Gericht in der mittleren Lausitz. Im Ofen solle das Gericht gegart werden. Und im kommenden Jahr, so planen die Tätzschwitzer, laufe ihr neuer Backofen richtig zu Höchstform auf. Brot, Kuchen und was es sonst noch so für Leckereien gibt, alles erhalte dort seine besondere geschmackliche Note. Ob es indes im Dorf noch einen originalen uralten Backofen gibt, haben die Heimatfreunde noch nicht herausgefunden. Nur so viel scheint festzustehen: Die Tätzschwitzer haben schon immer gern Buchweizengrütze gegessen. Früher, so weiß Martina Petschick, seien die Einheimischen deswegen zur Grützemühle ins benachbarte Schwarzkollm gereist.

Zur Saisoneröffnung wartet die Schul- und Heimatstube mit einem weiteren Knaller auf. Und zwar ist es der Vereinschefin gelungen, eine uralte originale Hoyerswerdsche Chronik zu besorgen. Das 102-seitige Werk von Kullmann, das die komplette Region beschreibt, wurde im Dezember 1851 veröffentlicht. "Das Buch stellte mir die Lautaerin Helga Mühl zur Verfügung", erzählt Martina Petschick. Es handele sich um ein Exemplar, das sich ursprünglich im Besitz der Geierswalder Familie Säuberlich befunden hatte. Kein Wunder, das das Werk einen sechsseitigen, handgeschriebenen Anhang mit spannenden Begebenheiten aus der Historie des heutigen Seenland-Dorfes enthält. Im kommenden Winter, so kündigt Petschick an, lade sie in die Heimatstube ein, um aus der Chronik vorzulesen. Erhältlich ist dort übrigens noch die aktuelle Chronik von Tätzschwitz, in bislang zwei Auflagen herausgegeben vom örtlichen Schul- und Heimatstubenverein. Ein Exemplar kostet 13 Euro.

Das nächste Mal offiziell geöffnet hat die Tätzschwitzer Heimatstube am 31. Juli. Dann gibt's im Innenhof ein Sommerkasperletheater. Ansonsten könne die Einrichtung auch nach Voranmeldung besichtigt werden (Tel. 035722 37831). Im vergangenen Jahr seien insgesamt zwischen 700 und 800 Besucher gezählt worden.