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Geschichte
Als von Bautzen der Frieden ausging

Die Ortenburg – damals sah sie freilich noch völlig anders aus – war Schauplatz des Friedensschlusses.
Die Ortenburg – damals sah sie freilich noch völlig anders aus – war Schauplatz des Friedensschlusses. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Im Jahr 1018 beendete der Frieden von Bautzen den Krieg zwischen Franken und Polen. Die Stadt will dies zwei Jahre lang würdigen. Von Uwe Menschner

Seit mehr als 70 Jahren lebt die Oberlausitz im Frieden. Geschichtlich betrachtet, stellt dies einen außerordentlich langen Zeitraum dar. Denn in den eineinhalb Jahrtausenden seit der Besiedlung der Region war Krieg eher der Normalzustand als die Ausnahme.

„Dabei darf man sich den Krieg vor 1000 Jahren nicht so vorstellen, wie er heutzutage geführt wird“, erklärt der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD). Vielmehr bildeten die kämpferischen Handlungen damals eine unregelmäßige, aber stetige Abfolge kleiner Scharmützel: „Das Zeitalter der großen Schlachten war noch nicht angebrochen.“

Dennoch – oder gerade deshalb – litt die einfache Landbevölkerung unter den grausamen und ohne jede Rücksicht geführten Menschenschlächtereien. Umso größer muss das Aufatmen gewesen sein, als der ostfränkische König Heinrich II. und sein polnischer „Kollege“ Boleslaw Chrobry am 30. Januar 1018 vereinbarten, sich fortan nicht mehr zu befehden. Dass ihre Siedlungen künftig zum Königreich Polen gehören sollten, dürfte für die Bauern und Handwerker eher von untergeordneter Bedeutung gewesen sein.

13 Jahre hielt der im damaligen Budissin geschlossene Friede, für jene Epoche eine lange Zeitspanne und heute Grund genug, ihn als bedeutendes historisches Ereignis zu würdigen. „Als Bautzen im Jahre 1002 erstmals urkundlich erwähnt wurde, geschah dies infolge von kriegerischen Handlungen und wurde 1000 Jahre später groß gefeiert“, so Alexander Ahrens. „Die Notiz in derselben Chronik des Thietmar von Merseburg 16 Jahre später markiert den Abschluss dieses Krieges und sollte daher zumindest Anlass zum Innehalten bieten“, sagt der Oberbürgermeister. Zumal ja der Frieden gerade heutzutage oftmals leichtfertig aufs Spiel gesetzt werde: „Nicht nur im Verhältnis zwischen Staaten, sondern auch zwischen einzelnen Menschen oder Menschengruppen.“

Und deshalb will die Stadt Bautzen die beiden kommenden Jahre ganz in das Zeichen des „Friedens zu Bautzen“ stellen. Den Rahmen dafür bildet das Europäische Kulturerbe-Jahr 2018, das auch den Zugriff auf entsprechende Fördermittel der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien ermöglicht. Sie steuert die Hälfte des Gesamtbudgets von 195 000 Euro bei. Die andere Hälfte kommt unter anderem vom Kulturraum, vom sächsischen Innenministerium, von der Euroregion, aus Eigenmitteln der Stadt und von privaten Sponsoren.

Ebenso bunt und vielfältig liest sich die Liste der Mitwirkenden: Dazu zählen unter anderem das Sorbische Institut, die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, die Universität Jelenia Gora und der Tourismusverein. Die Koordination übernimmt der Steinhaus-Verein, dessen Geschäftsführer Torsten Wiegel auch schon einige Höhepunkte benennen kann: „Den Auftakt bildet eine Festveranstaltung am 30. Januar 2018, 18 Uhr, im Burgtheater. Am 1. September 2018 wollen der Tourismus- und der Mittelalterverein in einem öffentlichen Event Szenen aus der Zeit des Friedensschlusses nachstellen. Ein Abenteuerspiel auf der Basis von Geocaching richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche.“

Dass der Frieden zu Bautzen im nationalen Gedächtnis der Polen weitaus tiefer verankert ist als in dem der Deutschen, weiß Dr. Susanne Hose vom Sorbischen Institut: „Die polnische Geschichtsschreibung sieht in ihm das erste Erwachen eines panslawischen Bewusstseins, das durch die Unterstützung Boleslaws durch die sorbischen Stämme der Lusizer und Milzener markiert wird.“ Ob die historischen Tatsachen dies rechtfertigen, bleibt nach Auffassung der Völkerkundlerin fraglich. Zumindest jedoch bildete der Frieden zu Bautzen einen der wenigen geschichtlichen Anlässe, bei dem die Polen dem später übermächtigen Nachbarn auf Augenhöhe begegnen und diesem die Bedingungen diktieren konnten.