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Als in Wiednitz noch ein Schloss stand

Wenn Ortschronist Siegfried Förster die Flurkarte von Wiednitz vor sich hat, denkt er immer an das Schloss von damals.
Wenn Ortschronist Siegfried Förster die Flurkarte von Wiednitz vor sich hat, denkt er immer an das Schloss von damals. FOTO: hir1
Wiednitz/Bernsdorf. Am 20. Mai wird sich Wiednitz mit seinem Schlosspark am 4. Tag der Parks und Gärten in der Region des Dresdner Heidebogens beteiligen. Der Wiednitzer Ortschronist Siegfried Förster kann anhand seiner Unterlagen viel über Entstehung, Betreibung, Niedergang, Verfall, und Wiederbelebung des Schlossgartens erzählen. hir1

So ist der Schlosspark eng mit dem Rittergut verbunden. Von 1534 bis 1945 war das Gut in den Händen von 23 Besitzern. Bis 1730 befand sich das Rittergut in der Nähe der heutigen freiwilligen Feuerwehr. Die dahinterliegenden Gebäude gehörten auch dazu. Kriegsrat Johann Heinrich Simones fand Herrenhaus und Gut nicht mehr attraktiv und zeitgemäß. Er baute von 1730 bis 1735 ein Schloss. Es lag von Bernsdorf kommend auf der linken Seite des Ortseinganges. Vor dem Schloss wurde ein Obstgarten angelegt. Heute befindet sich dort der öffentliche Kinderspielplatz. Hinter dem Schloss legte Simones einen Park an. Er erweiterte den Großteich und entwässerte das Sumpfgebiet.

Siegfried Förster erinnert sich noch an seine Kindheit. "Als Buben von neun Jahren haben wir im Schloss vor Kriegsende noch Räuber und Gendarm gespielt." Auch eine Poliklinik sollte das Schloss mal werden, wenn es nach dem Willen des letzten Besitzers Josef Häring gegangen wäre. Doch der praktizierende Arzt aus Bernsdorf flüchtete vor Kriegsende in den Westen. Mit der Bodenreform von 1946 wurden Teile des Parks gerodet und zu Feldern. Im gleichen Jahr wurde das Schloss abgerissen. Auf der ehemaligen Schlossinsel wurde eine Entenmastanlage errichtet.

Es hält sich jedoch die Sage, dass mit dem Schlossbau auch ein unterirdischer Gang vom Schloss bis Bernsdorf gebaut worden sei. Vor etwa 20 Jahren wurde einmal der alte Graben gereinigt. Dabei wurden Mauerreste gefunden. Sofort kochte die Sage vom "Geistersteg" wieder hoch. Der damalige Bürgermeister Gottfried Jurisch vermutete, dass diese Ziegelsteinmauerreste auf Teile des Ganges hinweisen. Er ging seinen Vermutungen nach. 1992 wurde der Schlosspark erneuert: Neuanpflanzungen, Aufstellen von Bänken, Anlegen von Wegen. 1994 entstand im Park eine Freilichtbühne. Am 20. Mai wird es im Wiednitzer Schlosspark nun wieder Führungen geben - als Erinnerung soll ein Baum gepflanzt werden.