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Akzente im mehrmonatigen Kampf

Die Belegschaft der Zookultur steht füreinander ein. Am Aktions-Karfreitag am Zoo wie auch beim Streik der Bibliothek am Samstag mischten sich die Kollegien von Zoo, Bibliothek, Musik- und Volkshochschule.
Die Belegschaft der Zookultur steht füreinander ein. Am Aktions-Karfreitag am Zoo wie auch beim Streik der Bibliothek am Samstag mischten sich die Kollegien von Zoo, Bibliothek, Musik- und Volkshochschule. FOTO: Mandy Decker/mdr1
Hoyerswerda. Mit einer Protestaktion am Karfreitag am Zoo und einem Streik in der Bibliothek am Samstag haben Mitarbeitern der Zoo, Kultur und Bildung gGmbH die Öffentlichkeit auf ihren seit Monaten anhaltenden Kampf um Gleichstellung der Belegschaft aufmerksam gemacht. Die Verhandlungspartner signalisieren Gesprächswillen, doch die Stimmung ist eisig. Mandy Decker

Warteschlange am Karfreitag am Zooeingang. Eine Gruppe warm verpackter Gestalten vor dem Kassenhäuschen hält den Besuchern mit klammen Händen bunte Plakate entgegen: "Die Stadt spart auf unsere Kosten" und "Wir sind nicht das Sparschwein der Stadt" ist darauf zu lesen. "Wir nutzen die traditionellen Führungen, um die Besucher mit einem Aktionstag, den die Mitarbeiter in ihrer Freizeit durchführen, auf unsere Situation aufmerksam zu machen", erklärt Gewerkschaftssekretär Detlef Heuke. Die Angestellten der Zookultur und Verdi kämpfen seit Monaten für einen einheitlichen Haustarif für alle Mitarbeiter von Zoo, Bibliothek, Musik- und Volkshochschule auf Basis des Tarifvertrages Öffentlicher Dienst (TvöD) 2012. Eine sukzessive Anhebung soll die Gehälter bis zum Jahr 2018 auf die Vorgaben des TvöD von 2015 bringen. Der letzte Vorschlag der Arbeitgeber aber hat nach Aussage des Gewerkschafters insbesondere für die Zootierpfleger den Verzicht auf die Jahresendprämie und die leistungsorientierte Bezahlung vorgesehen. Ausgleichen sollte die Kürzung eine Gesundheitsprämie, die das Arbeiten ohne krankheitsbedingte Fehlzeiten mit je 1000 Euro pro Halbjahr belohnen würde.

Die Forderung stößt bei der Belegschaft auf völliges Unverständnis. "Ich bin in meiner Freizeit hier, weil ich solidarisch mit den Zoo-Mitarbeitern bin", sagt die stellvertretende Musikschulleiterin Antje Neumann. Sie sei zwar auf der bessergestellten Seite, halte eine Angleichung aber für notwendig und möglich. "Ich habe das Gefühl, dass es sich gerade festkeilt", sagt Antje Neumann über die Verhandlungen. Die Gesundheitsprämie nennt sie "sozial ungerecht".

Eigentlich sei diese Prämie nicht als Bestrafung der Kranken, sondern als Belohnung für die Mitarbeiter gedacht gewesen, die sich für die Tiere aufopfern, kommentiert Zookultur-Personalreferent und Verwaltungsleiter Felix Pal den Vorschlag. Die Prämie sei eine von vielen Ideen, um wieder Ansatzpunkte für Gespräche zu finden. Sie sei allerdings sofort als nicht zielführend eingestuft und verworfen worden.

Pal spricht von einer schwierigen Situation für alle Beteiligten. Die Zuschüsse von Stadt und Kulturraum stünden fest. Der Zuschuss der Stadt, der schon in seiner Existenz und Höhe von zwei Millionen Euro überhaupt zu begrüßen und als Zuspruch der Stadträte zu bewerten sei, decke noch nicht einmal die Personalkosten. "Der Wille, dem Personal etwas Gutes zu tun, ist da", betont Pal. Als nächster Schritt sei ein informeller Termin zwischen Zookultur-Geschäftsführer Arthur Kusber und einer Verdi-Mitarbeiterin vereinbart.

Offiziell habe die Niederlegung der Gesundheitsprämie ihn noch nicht erreicht, sagt Detlef Heuke. Auch eineinhalb Monate nach den letzten Gesprächen sei ihm kein Schriftstück derartigen Inhalts unter die Augen gekommen. Zwar sei ein Mitarbeiter der Geschäftsleitung während der Aktion am Freitagmorgen zu ihm gekommen und hätte sich in dieser Form geäußert. Doch Tarifverhandlungen seien eine seriöse Angelegenheit, deren Partner verlässlich agieren sollten. Das angebotene Unter-vier-Augen-Gespräch werde Verdi wahrnehmen, weil man jede Gelegenheit zum Gespräch im Sinne einer vertrauensbildenden Maßnahme nutzen möchte. Mündliche Deals ohne Einbeziehung der Belegschaft aber würden nicht eingegangen. Sollte sich ein neues Angebot abzeichnen, würden die Arbeitskämpfe sofort niedergelegt. Im anderen Fall sei man aber auch zu einer Ausdehnung auf das gesamte Unternehmen bereit.

Unverständnis äußerte der Gewerkschaftssekretär auch über das Verhalten der Stadtverwaltung. "Bisher gab es keinerlei Statement von den politischen Entscheidungsträgern", klagt Detlef Heuke in Richtung Rathaus, wo man "auf Tauchstation gegangen" sei. Dabei sei doch die Stadt die "Mutter der Gesellschaft" und die Motivation der Mitarbeiter direkt an ihre Reaktion gekoppelt. Zwar sei den Auszubildenden die geforderte Angleichung an den TvöD 2011 und damit 33 Prozent Lohnerhöhung gewährt und mittlerweile auch umgesetzt worden, räumt Heuke ein. Dennoch enthalte das zuletzt vorgelegte Angebotspaket inakzeptablen Inhalt. Und ganz besonders eben für die Mitarbeiter im Zoo. Ihre Osterführung ist inzwischen beendet.