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Ältestenrat in Hoyerswerda gewählt

Die Mitglieder des neuen Ältestenrates – links Michel Domanja und Silvia Stephan.
Die Mitglieder des neuen Ältestenrates – links Michel Domanja und Silvia Stephan. FOTO: Reinhard Hoffmann/rhf1
Hoyerswerda. Die Initiative "Serbski Sejm" (Sorbisches Parlament) hat am Samstag im Schloss Hoyerswerda feierlich den sorbisch/wendischen Ältestenrat (Rada Starostow) als überparteiliches Symbol des sorbischen/wendischen Volkes berufen. Zu ihnen gehören Michel Domanja aus dem Wittichenauer Ortsteil Hoske und Silvia Stephan aus Schwarzkollm. Reinhard Hoffmann / rhf1

Seit sechs Jahren bemühen sich Aktivisten der Initiativgruppe "Serbski Sejm" um ein demokratisch legitimiertes Parlament als Vertretung der gesamten sorbisch/wendischen Bevölkerung auf Augenhöhe mit den Landtagen in Sachsen und Brandenburg sowie für Deutschland. Die Initiatoren haben eine Petition zur seiner Unterstützung Sejm eingerichtet, die bislang von mehr als 800 Menschen aus allen Teilen der sorbischen und wendischen Gemeinschaft unterzeichnet wurde. Die Petition wird weitergeführt und ihre Unterzeichner stellen sich im Internet vor.

Aus Befürwortern hat die Initiative Persönlichkeiten ausgewählt und sie als Kandidaten für einen Ältestenrat, den "Rada Starostow", vorgeschlagen. Ende 2016 traf sich die Initiative mit den Kandidaten und besprach mit ihnen die Möglichkeiten zur Schaffung einer legitimierten sorbisch/wendischen Volksvertretung. Diese Konsultationen und auch die Namen der Kandidaten wurden nicht öffentlich geführt, weil einige Kandidaten "Druck von außerhalb verspürten", hieß es.

Am Samstag hat sich nun der Ältestenrat öffentlich im Schloss Hoyerswerda konstituiert. Berufen wurden 20 Vertreter aus Cottbus, Crostwitz, Dresden, Dissen, Hoske/Wittichenau, Leipzig, Panschwitz-Kuckau, Ralbitz und Rohne. Dem Ältestenrat gehören Protestanten, Katholiken und konfessionslose Menschen an. Unter ihnen sind Mitglieder von CDU, den Linken und der SPD. Sie alle eint der Wunsch, eine neue demokratische Vertretung des sorbischen/wendischen Volkes in beiden Teilen der Lausitz aufzubauen.

Neue Impulse für sorbische Kultur

In seiner Festansprache betonte Prof. Klaus Thielemann als einer der Ältesten: "In der uns bekannten Geschichte hatten die Sorben niemals einen Sejm (Parlament/d.R.). Wir betreten Neuland. Neue Impulse für die Erhaltung und Festigung der sorbisch/ wendischen Kultur werden umso erfolgreicher sein, je besser es gelingt, sie im deutschen Umfeld der Bevölkerung der Nieder- und Oberlausitz zu koordinieren." In festlicher Atmosphäre erhielten die Mitglieder eine Urkunde und erklärten ihre Mitwirkung im Ältestenrat.

Rat begleitet Parlamentsgründung

Der Rat sei als unabhängiges Gremium zur Begleitung der Vorbereitung des Sorbischen Parlamentes geschaffen worden, erklärte der oberlausitzer Sprecher der Initiative "Serbski Sejm", Dr. Martin Walde. Der nächste Schritt sind die Wahlen zu einem Vorparlament, um später ein beschlussfähiges Parlament zu etablieren. Hannes-Wilhelm Kell, niederlausitzer Sprecher der Initiative, sagte auf Nachfrage, dass damit nach Ostern begonnen werden solle.

In den Festansprachen und bei Gesprächen mit den Ältesten wurden viele Erwartungen ausgesprochen. In Brandenburg hatten 2015 etwa 1200 Menschen in einer Briefwahl für einen "Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden" in Potsdam gestimmt, der heute eine legitimierte sowie von Land und Bund anerkannte Institution ist. Ein ähnliches Wahlverfahren schwebt den Initiatoren für den Serbski Sejm für Sachsen und auf Bundesebene vor.

Während sich in Brandenburg die Domowina für die Direktwahl des Rates für wendische-sorbische Angelegenheiten eingesetzt und dafür geworben hatte, steht der Bundesvorstandes der Domowina in Bautzen dem Anliegen zur Bildung eines eigenständigen Parlamentes allerdings bislang ablehnend gegenüber. Im Landtag in Dresden wurden die Protagonisten des Sejm zur Klärung "innersorbischer Anliegen" auf die Domowina, den sächsischen Sorbenrat und sorbische Vereine verwiesen. In der Bevölkerung kommen die aufgeworfenen Fragen selten an oder man steht ihnen skeptisch gegenüber. Die Mehrzahl der Sorben/Wenden erwartet von beiden Seiten eine Aussöhnung, um gemeinsam einen neuen Weg zu finden.

Derweil haben sich Kommunalpolitiker der Lausitzrunde - einem Bündnis für die Strukturentwicklung der Lausitz - als Symbol die sorbischen Farben Blau, Rot und Weiß und darauf die Wappen von Brandenburg und Sachsen gegeben. Einer sorbisch/wendischen Modellregion Lausitz mit einem eigenständigen Serbski Sejm als Parlament dürfte die Aufmerksamkeit gewiss sein.

www.serbski-sejm.de