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| 20:00 Uhr

Festspiele in Schwarzkollm
Krabat und die Elemente der Macht

 Bereits zum achten Mal wird die Krabatmühle in diesem Jahr die Kulisse der Krabat-Festspiele sein. 12 000 Besucher werden erwartet.
Bereits zum achten Mal wird die Krabatmühle in diesem Jahr die Kulisse der Krabat-Festspiele sein. 12 000 Besucher werden erwartet. FOTO: LR / Anja Hummel
Schwarzkollm. Für die achte Auflage der Festspiele an der Krabatmühle halten die Macher einige Neuheiten parat. Erstmals kommen 12 000 Zuschauer. Von Catrin Würz

„Das gesamte Ensemble hat schon wieder diese typische ,Mühlenbräune’ auf der Haut“, scherzt Festspielleiter Alexander Siebecke angesichts der Hitzewelle seit dem Wochenende. Aber auch ohne „Sonne satt“ und täglich 30 Grad Außentemperatur hat die Vorbereitung der diesjährigen Krabat-Festspiele in Schwarzkollm natürlich längst die heiße Phase erreicht. Seit einer Woche wird täglich vor Ort im Schwarzkollmer Koselbruch für die neue Inszenierung „Krabat – Die Elemente der Macht“ geprobt. Jeweils am Vormittag mit den Profi-Schauspielern wie Steffen Urban, der August den Starken verkörpert, und Peter Splitt als der Schwarze Müller. Am Abend finden sich dann die Laiendarsteller aus Schwarzkollm und den umliegenden Dörfern an der Mühle ein. Sie proben nach der Arbeit in ihrer Freizeit noch ihren Part für die Gemeinschaftsszenen. Denn das Markenzeichen dieser Sommertheater-Inszenierung vor der Kulisse der Schwarzen Mühle ist ja das Motto „Ein Dorf spielt Theater“. Produzentin Doris Siebecke drückt es so aus: „Wenn wir als Produktionsteam aus Dresden hier anreisen, ist das immer ein bisschen wie nach Hause kommen“, freut sie sich. Die Herzlichkeit, der Enthusiasmus und die eigene Kreatitivät, die zahlreiche Schwarzkollmer in das Gesamtwerk mit einbringen, sei auch nach sieben Jahren immer wieder beeindruckend. Vor und hinter den Kulissen tragen bis zu 300 Menschen zum Gelingen der Aufführung bei – sozusagen vom Schmalzstullenschmieren bis zur Feuerwehraufsicht. 70 Menschen sind unmittelbar an dem Theaterstück beteiligt. „Für uns ist das unser ,Schwarzkollmer Volksensemble’“, ergänzt Doris Siebecke, die den Begriff Kleindarsteller gar nicht mag.

In knapp drei Wochen ist nun also Premiere. Dann muss alles sitzen: das Stück, die Musik, Ton und Lichteffekte. Von der ersten Vorstellung am 3. Juli bis zum letzten „Vorhang“ am 21. Juli werden diesmal sogar 12 000 Zuschauer statt wie bisher immer 9000 die Neuauflage der Krabat-Festspiele in Schwarzkollm erleben. Weil in den vergangenen Jahren die Kartennachfrage fast auf das Dreifache von der tatsächlichen Kapazität anwuchs, haben sich die Festspielmacher zusammen mit der Krabat-Mühlen gGmbH Gedanken gemacht, wie man mehr Besucherplätze schaffen kann. Die letzten beiden Sitzreihen wurden für eine bessere Sicht erhöht, so dass nun die Besucherplätze auf 750 pro Vorstellung aufgestockt werden können. Zwar reicht das immer noch nicht, um die Ticketnachfrage zu befriedigen. Im Januar waren innerhalb nur weniger Stunden alle Karten für die 2019er Aufführungen vergriffen. Erstmals gibt es in diesem Jahr aber eine spezielle Zusatzveranstaltung nur für die Schwarzkollmer Einwohner und ihre Familien. Sie findet am Dienstag, dem 9. Juli, statt – als ein kleines Dankeschön für den Ort, der an seiner Mühle zweieinhalb Wochen lang den Ausnahmezustand erlebt.

Die Geschichte rund um den guten sorbischen Zauberer Krabat, die in diesem Jahr von den Festspielmachern erzählt wird, ist wie immer noch ein bisschen geheim. „Wir können aber schon verraten, dass es diesmal um Macht geht. Ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit“, findet Michael Kuhn. Der Dresdener Schauspieler und Dramaturg, der in Hoyerswerda geboren wurde, hat nun schon im zweiten Jahr gemeinsam mit Alexander Siebecke das Drehbuch für die Krabat-Festspiele geschrieben, führt Regie und spielt auch eine kleine Rolle selbst. Der 40-Jährige verrät, dass das neue Stück etwa drei Jahre nach jener Zeit ansetzt, in der die 2018er-Inszenierung „Die Dunkelheit des Lichts“ mit dem Sieg über den Schwarzen Müller endete. Krabat will eigentlich nur in Frieden und ohne Zauberei mit seiner Hanka im Dorf leben. Doch der Gevatter durchkreuzt diese Pläne, bringt den Schwarzen Müller aus dem Schattenreich zurück samt einem Rudel Schattenwölfe – und der Kampf um den Sieg des Guten gegen das Böse beginnt erneut. Das Zauberbuch Koraktor spielt dabei freilich wieder eine wichtige Rolle. Sorbische Traditionen und Bräuche werden aufgegriffen, und erstmals kommen auch die Weißkollmer als Pendant zu den Schwarzkollmern vor. Das alles ist eingebettet in noch mehr musikalische Szenen und noch aufwändigere Kostüme als in den Vorjahren. Man darf gespannt sein.

Und wer spielt den Krabat? Die Antwort auf diese wichtige Frage bleibt Festspielleiter Alexander Siebecke nicht schuldig: „Wir freuen uns, Anton Fuchs wieder dafür gewonnen zu haben.“ Der heute 19-Jährige Anton Fuchs hat gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Richard seit vielen Jahren bei den Festspielen einen festen Platz. Im vergangenen Jahr verkörperten die Brüder den guten und den dunklen Krabat. Richard Fuchs hat inzwischen das Studium an einer Musicalschule in Sulzbach-Rosenberg aufgenommen. Er kann wegen anderer Verpflichtungen in diesem Jahr nicht bei den Krabat-Festspielen dabei sein. Sein Bruder Anton, der eine medizinische Laufbahn anstrebt, ist diesmal der „alleinige“ Krabat und muss die vier Elemente der Erde suchen, um sie mit dem Geist der Vernunft zu vereinen. An seiner Seite spielt und singt die 16-jährige Vivian Fischer aus Bröthen die Hanka. Die hübsche Lessing-Gymnasiastin hat schon im vergangenen Jahr ihr großes Bühnentalent als Hanka bewiesen. Von den Fischers macht übrigens fast die ganze Familie beim Krabat-Spektakel mit. Vivians Schwester Bonnie stehe ebenso auf der Bühne wie der Papa Ralf Fischer.

Neu in diesem Jahr ist ein Veranstaltungsformat, das an drei Sonntagen im Juli jeweils vormittags am Festspielort erprobt werden soll. Unter dem Titel „Zwischen Frühstück und Tafelspitz – eine Audienz in höchst gütlicher Form für den Pöbel“ wird am 7. Juli, 14. Juli und 21. Juli zu einer Audienz mit Seiner Majestät August dem Starken an die Krabat-Mühle gebeten. „Dort wird Seine Majestät illustre Gäste begrüßen, seine Muse singen lassen, Jogi Löw empfangen und auch das Geheimnis des Meißener Fummel-Hugo lüften. Höchst unterhaltsam wird das Ganze, und am Ende wird köstlicher Tafelspitz mit Meerrettichsoße gereicht“, schildert Intendant Peter Siebecke das Programm. Bis zu 300 Karten pro Veranstaltung können ausgegeben werden. Die Begrenzung ergibt sich aus dem Zwang, dass für eine Schlechtwetter-Varian-
te einzig die Mühlenscheune zur Verfügung steht. „Und wer sehen will, wie August der Starke seinem Namen gerecht wird und ein Hufeisen verbiegt, sollte sich das nicht entgehen lassen“, so Peter Siebecke.

 Sie spielen in diesem den Krabat und seine Hanka: Anton Fuchs (19) und die Lessing-Gymnasiastin Vivian Fischer (16).
Sie spielen in diesem den Krabat und seine Hanka: Anton Fuchs (19) und die Lessing-Gymnasiastin Vivian Fischer (16). FOTO: Krabat-Festspiele / privat
 Schwarzkollm: Krabatfestspiele 2018 - Blick auf die Bühne.
Schwarzkollm: Krabatfestspiele 2018 - Blick auf die Bühne. FOTO: LR / Anja Hummel
 Schwarzkollm: Premiere der Krabatfestspiele: Die Fuchs-Zwillinge gemeinsam mit ?
Schwarzkollm: Premiere der Krabatfestspiele: Die Fuchs-Zwillinge gemeinsam mit ? FOTO: LR / Anja Hummel
 Sie spielen in diesem den Krabat und seine Hanka: Anton Fuchs (19) und die Lessing-Gymnasiastin Vivian Fischer (16).
Sie spielen in diesem den Krabat und seine Hanka: Anton Fuchs (19) und die Lessing-Gymnasiastin Vivian Fischer (16). FOTO: Krabat-Festspiele / privat