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Bürger atmen auf
Abwasserstreit in Lohsa nimmt ein Ende

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Lohsa. Bürger atmen auf: Gemeinderat entscheidet sich für favorisierte Entsorgungsvariante - ohne Privatpumpen.

Von Anja Hummel

In der Praxis für Physiotherapie von Monika Jach in Groß Särchen rattert jeden Monat die Pumpe. Schuld daran ist ein Provisorium: Das ganze Abwasser wird in einem Ballon gesammelt. Und der ist viel zu schnell voll. „Das geht schon seit Ewigkeiten so“, ärgert sich Monika Jach. Schon vor 15 Jahren, erzählt sie, war die Rede von einem vernünftigen Abwasseranschluss. Für die 60-Jährige ergeben sich seit jeher nicht nur horrende Kosten, sondern auch jede Menge Arbeit.

Doch damit soll bald Schluss sein. Der Gemeinderat Lohsa hat in seiner jüngsten Sitzung einen Beschluss gefasst. Eine Freispiegelanlage mit öffentlichen Pumpen soll künftig das Abwasser aus Groß Särchen und Koblenz in die Kläranlage nach Bergen geleiten. Das bedeutet konkret: Die Gemeinde kümmert sich um alle notwendigen Leitungen, die im freien Gefälle verlegt werden. Es werden Pumpstationen errichtet, die das Abwasser zur nächsten Freispiegelanlage leiten. Das Zutun der Anwohner ist bei dieser Variante nicht gefragt. Das hätte aber passieren können, hätte sich der Gemeinderat für die zweite Option entschieden. Dann wären Anschaffung und Instandhaltung von Pumpen in die privaten Hände der Bürger gelegt worden. Die Mehrheit wollte damit aber nichts am Hut haben. So auch Monika Jach. „Ich will nach Feierabend einfach meine Ruhe haben und keine Pumpen warten“, sagt die 60-Jährige. Dass diese Meinung von den meisten betroffenen Bürgern vertreten wird, wurde auch an jenem entscheidungsfindenden Abend im Lohsaer Rathaus deutlich. Eine ältere Dame appellierte „an das Gewissen der Gemeinderäte“ und forderte die Freispiegelvariante für das Gemeinwohl aller. Damit war ihr der Applaus der Mitbürger sicher.

Dass die Abwasser-Diskussion das Gesprächsthema Nummer Eins unter den Groß Särchenern und Koblenzern ist, bleibt auch auf den Dorfstraßen nicht verborgen. „Die Stimmung ist schon negativ“, sagt Mareen Zschorlich, die im Blumengeschäft des Ortes arbeitet. An der Groß Särchener Hauptstraße gelegen, trifft sich hier die Bürgerschaft. „Viele beschweren sich einfach nur“, will sie nicht ins Detail gehen. Nicht ganz im Reinen mit der Abstimmung ist auch Dieter Rich. Dabei ist der Groß Särchener einer der wenigen, dessen Haushalt bereits am Abwassernetz angeschlossen ist. „Die Regelung an sich ist schon gut, aber dann wird ja alles noch teurer“, bemängelt der 80-Jährige. So ist er sich sicher, dass noch Proteste kommen werden.

Teurer wird es tatsächlich. Denn die Freispiegelvariante ist von allen anvisierten Möglichkeiten die kostenintensivste. „Für Planung und Tiefbauleistung fallen deutlich höhere Kosten an als für die andere Variante“, sagt Sven Koppen, Bauamtsleiter der Lohsaer Gemeinde. In Zahlen ausgedrückt, kostet die Freispiegel-Maßnahme die Gemeinde 1,9 Millionen Euro mehr als die Pumpenoption. Um das stemmen zu können, bemüht sich Lohsa nun um eine Kreditermächtigung beim Landkreis. Laufen diese Bemühungen aber ins Leere, hätte das höhere Gebühren zur Folge, erläutert Kämmerin Mandy Liepert. Andere Investitionen müssten hinten anstehen.

Für die Anwohner im Resterschließungsgebiet gehen mit dem Freispiegelsystem auf jeden Fall Mehrkosten einher. Fällig sind die Zahlung einer monatlichen Grundgebühr, die Entrichtung eines einmaligen Beitrages zur Erschließung des Grundstückes und zuguterletzt einer Mengengebühr pro Kubikmeter Abwasser. Letztere steigt von derzeit 3,80 Euro auf 5,08 Euro.

Physiotherapeutin Monika Jach ist das aber recht. „Das wird sich zwar erst in vielen Jahren rechnen, aber es ist die beste Lösung“, freut sie sich schon auf die Umsetzung. Trotzdem merkt sie kritisch an: „Es wurde zwar dafür gestimmt, aber beschlossene Sache ist es deshalb noch lange nicht.“ Passieren muss jedoch etwas. Denn spätestens bis Ende 2018 muss die Abwasseranlage auf dem neuen Stand sein. So will es der Gesetzgeber. „Wir haben jetzt schon eine Ausnahmegenehmigung“, so Bauamtsleiter Koppen. Kann Lohsa das Fristende nicht einhalten, gehen der Gemeinde unter anderem die Fördermittel flöten.