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Abschied von Oberschule am Stadtrand

Die Polizeihochschule (am linken Bildrand) will sich im Zuge ihres Wachstums die bisherige Oberschule einverleiben.
Die Polizeihochschule (am linken Bildrand) will sich im Zuge ihres Wachstums die bisherige Oberschule einverleiben. FOTO: ume
Rothenburg. Bei der Entscheidung trafen verschiedene Philosophien aufeinander; einerseits die Überzeugung, dass eine Schule ins Stadtzentrum gehört; andererseits die Auffassung, dass Grund- und Oberschule in ihrer räumlichen Lage deutlich voneinander getrennt sein sollten. Sonst könnte es zu Spannungen kommen. Uwe Menschner

Diese Meinung hatte im Vorfeld der Stadtratssitzung auch Bürgermeisterin Heike Böhm (SPD) vertreten und dabei auf Erfahrungen aus der Vergangenheit verwiesen: "Schon in den 1990er-Jahren gab es an der Uhsmannsdorfer- und an der Jahnstraße zwischen den Schülern der damals noch dort ansässigen beiden Schulen täglich soziale Konflikte, die eine große Unruhe erzeugten."

Erst mit dem nach einem Stadtratsbeschluss erfolgten Umzug der Oberschule sei ab dem Schuljahr 2005/06 Ruhe eingekehrt. Beide Schulen hätten ihre persönlichen und fachlichen Beziehungen seither verbessert. "Für die Stadt Rothenburg als Schulträger ist es wichtig, diesen hohen Wert, der den Grundbedürfnissen unserer beiden Schulgemeinschaften entspricht, zu erhalten", betonte die Bürgermeisterin. Sollte die Oberschule zurück ins Zentrum ziehen, müsse man davon ausgehen, dass die Konflikte wieder aufleben, und das in verschärfter Form: "Grund- und Oberschule sind Ganztagsschulen mit ständigem pädagogischen Betrieb. Das Problem der fehlenden räumlichen Trennung wird zu einem Ganztagsproblem."

Dem stand völlig konträr die Auffassung einer Gruppe von Rothenburger Bürgern um Steffen Schlafke und Robert Eichler entgegen, die vehement für einen zentrumsnahen Standort plädierten: "Eine Schule sollte sich zur Stadt hin öffnen und ein Bestandteil von ihr sein."

Bei einem Standort in der Nähe des bisherigen wäre dies "absolut nicht der Fall." Das Leben der Kinder und Jugendlichen würde sich dann getrennt von dem der Stadt abspielen: "Rothenburg braucht aber Bewegung durch junge Leute." Eine neue Schule, so argumentieren sie, könne neben ihrer eigentlichen Funktion auch als städtischer Treffpunkt dienen. Auf einen genauen Standort legt sich die Gruppe nicht fest, die darauf drängt, anstelle von möglichen Konflikten eher die Synergien zwischen den beiden Schulen hervorzuheben. Diesen Argumenten schloss sich letztendlich eine Mehrheit von zehn gegenüber vier Stadträten an.

Schon eine von einem Löbauer Planungsbüro unlängst vorgestellte Machbarkeitsstudie hatte tendenziell eher der innerstädtischen Variante den Vorzug gegeben, und dies unter Verweis auf vom Freistaat Sachsen aufgestellte Prämissen: "Man geht heute bei Schulneubauten weg von abgeschotteten Insellösungen und hin zu pulsierenden Knotenpunkten", so Planerin Heike Augustin.

Auch das Prinzip "Kurze Wege für kurze Beine" bleibe bei der zentrumsfernen Variante unberücksichtigt. Nach dem eindeutigen Votum können nunmehr die Anforderungen an den Neubau formuliert, der Kostenrahmen abgesteckt und die Grobplanung aufgenommen werden. Dabei sollen auch mögliche Konfliktpotenziale bereits im Vorfeld ausgeräumt werden. Der Neubau der Rothenburger Oberschule ist erforderlich, weil die Polizeihochschule im Zuge ihrer geplanten Erweiterung (RUNDSCHAU berichtete) auch das Areal des bisherigen Standortes beanspruchen möchte.

Ein möglicher Bürgerentscheid ist nach dem Stadtratsbeschluss vom Tisch. Diesen hatten Befürworter des zentrumsnahen Standortes für den Fall eines anderslautenden Votums ins Spiel gebracht. Abgestimmt wird aber am 24. September (parallel zur Bundestagswahl) dennoch - nämlich darüber, ob das Sommerfest künftig traditionsgemäß vier oder wie in diesem Jahr erstmals nur drei Tage dauern soll. Die kommunalpolitisch interessanten Themen jedenfalls gehen den Rothenburgern so schnell nicht aus.