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Abschied eines Freundes

Mit Gerhard Lampa verlieren Hoyerswerda und der Kunstverein einen inspirierenden und aufmerksamen Begleiter und Förderer. Foto: privat
Mit Gerhard Lampa verlieren Hoyerswerda und der Kunstverein einen inspirierenden und aufmerksamen Begleiter und Förderer. Foto: privat FOTO: privat
Hoyerswerda. Die Nachricht kam, obwohl befürchtet, unvermittelt nach einem Briefwechsel: Der Maler Professor Gerhart Lampa starb am Mittwoch vergangener Woche. Jahrzehnte verbanden diesen Freund des Hoyerswerdaer Kunstvereins und Förderer Lausitzer Kultur mit seinen vielen Gesprächspartnern in unserer Stadt. Seit den Siebzigerjahren begleitete der Maler die Kleine Galerie im Kulturbund-Klub WK VII, begeisterte sich stets für neue Ideen und orientierte bis zuletzt auf die kulturelle Zusammenarbeit in unserer Region. Von Martin Schmidt

Gerhart Lampa wurde 1940 in Magdeburg geboren, absolvierte eine Lehre als Gebrauchswerber und Lithograph. Sein Traum, Flieger zu werden, endete nach einem schweren Unfall, in seinen Träumen aber fliege er häufig, erzählte er gern. Seine Bilder lassen dies ahnen.

Da sein Mutter Lehrerin in Hoyerswerda war, führte ihn sein Weg von 1960 bis 1963 als Autokranfahrer auf die Großbaustelle Schwarze Pumpe und in den dortigen Mal- und Zeichen-Zirkel. Der Tätigkeit als Bühnenbildassistent am Theater Cottbus folgte ein Studium der Kunsterziehung in Dresden. 1970 übernahm er die Nachfolge des Malers Günther Wendt als Museumsdirektor in Senftenberg und studiert dafür Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin. Seit 1980 arbeitete er freischaffend in Senftenberg, danach als Malsaal-Vorstand am dortigen Theater und als Honorar-Professor für Gestaltung an der Fachhochschule Senftenberg.

Die Kleine Galerie Hoyerswerda präsentierte im Jahr 1983 seine Arbeiten im Kulturbund-Klub WK VII. „Meine Bilder zwischen den Ausstellungen von Marc Chagall, Alberto Giacometti aus Paris und Anatoli Kaplan aus Leningrad zu zeigen, war die schönste und schwierigste Herausforderung für mich als Maler. Das konnte man damals nur in Hoyerswerda erleben“, erinnerte er sich voller Freude kurz vor seinem Tod.

Seine Freude an den Arbeiten der Hoyerswerdaer Schüler im Wettbewerb „Brief an Franziska Linkerhand“ vor zwei Jahren bleibt unvergessen. In seiner Hilfsbereitschaft und seiner Ermutigung für junge, schöpferische Menschen bleibt er uns Vorbild.

Sein bildnerisches Werk konzentriert sich früh auf die Eingriffe in die Landschaft durch die Tagebaue in unserer Region, dazu fügt er Ansichten der Lausitz, ihre weiten Wiesen- und Heideflächen, der hohe Himmel darüber. Die Lieblingsmotive seiner frühen Bilder sind Bäumen, Porträts seiner Zeitgenossen, Sportszenen, Kippen der Tagebaue. Jene frühen Bilder kennzeichnet unruhige Pinselführung, starkes Mischen von Farben, um der sich ändernden Landschaft , den kahlen, ungestalteten Sand-Halden gerecht zu werden.

Seine Farben grau, schwarz, braun wechseln jedoch auf den Ansichten jüngster Jahre zu großen Flächen leuchtend gelb blühender Felder, wandernder Menschen durch hellbraune, sanft hüglige Gefilde, die sich unter weitem, meist dunklem, aber nicht schwerem Himmel bis an den Horizont erstrecken.

Ein Gedicht seiner Partners Volker Braun auf der Baustelle Schwarze Pumpe aus jener Zeit liebte der Maler besonders: „Morgen werde ich aus deiner Wolke steigen/ und dich in den Himmel weiterschwimmen lassen,/deinen Brüsten noch mal winken, wenn der Wind sie freigibt,/ und den Kopf wegdrehn, eh deine Tränen kommen.“

Unser Freund Gerhart Lampa wird den Kunstfreunden in unserer Stadt sehr fehlen.