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Abi-Bestnote 1,0 öffnet viele Türen

Hofft vor dem Abschied auf einen schönen Sommer mit Freunden: Sarah Ernst.
Hofft vor dem Abschied auf einen schönen Sommer mit Freunden: Sarah Ernst. FOTO: Hummel
Hoyerswerda. Die Schulzeit hinter sich und das ganze Leben vor sich – das haben mehr als 400 junge Menschen, die dieser Tage zehn oder zwölf Jahre Schule geschafft haben. An vier Gymnasien und sechs Oberschulen der Region Hoyerswerda wurden bereits oder werden noch die Abschlusszeugnisse überreicht. Catrin Würz und Anja Hummel

Damit stehen die jungen Frauen und Männer vor dem Start in einen neuen Lebensabschnitt - der Wahl des Berufes, von Ausbildung und Studium.

Zwei Abiturientinnen haben dafür die allerbesten Voraussetzungen, die man nur haben kann Denn sie gehen mit der Bestnote von 1,0 vom Gymnasium ab. Eine Traumnote, die viele Türen öffnet.

Das weiß auch Sarah Ernst. Die 18- Jährige hat ihr Abitur an der Christlichen Schule Johanneum abgelegt. Dass sie zum Schluss die Bestnote auf ihrem Zeugnis zu stehen hat, ist einem grandiosen Endspurt zu verdanken. "Ich war zwar immer schon eine gute Schülerin. Aber 1,0 war nicht unbedingt vorprogrammiert. Doch die Prüfungen sind einfach super gelaufen", freut sich die junge Frau, die in ihrer Freizeit in einem Akkordeonorchester mitspielt. Acht Jahre lang war sie aus ihrem brandenburgischen Heimatort Peickwitz jeden Tag an die freie christliche Schule in Hoyerswerda zum Lernen gekommen. "Schon meine beiden älteren Brüder waren am Johanneum. Das hat mir so gefallen, dass ich unbedingt auch hierher wollte", erinnert sie sich. Die familiäre Atmosphäre an der Schule, die tollen Shakespeare-Aufführungen der English Drama Group und der neu aus der Taufe gehobene Schulball waren Dinge, an die sie sicher noch in vielen Jahren gern zurückdenkt.

Was Sarah mit ihrem Bestnoten-Abitur nun anstellen will, ist indes noch gar nicht klar. "Diese Note ist zwar schön. Aber ich werde damit trotzdem nicht auf Krampf etwas ganz anderes machen, als ich es sowieso vorhatte. Ich will bleiben, wer ich bin", erzählt sie.

Das Sprachen lernen liegt der 18-Jährigen besonders: Englisch, Französisch und Spanisch beherrscht sie ziemlich gut. In ihrem künftigen Beruf möchte sie trotzdem eine andere Richtung einschlagen - etwas Soziales tun, das mit Menschen zu tun hat. Deshalb schickt die 18-Jährige ihre Bewerbungen im Bereich Medizin/Gesundheit ab. Ob am Ende ein Medizin- oder vielleicht ein Psychologie-Studium das Richtige ist, will die Abiturientin erst nach dem Sommer entscheiden.

Und auf den freut sie sich nach der anstrengenden Prüfungszeit schon besonders. "Ich will viel Zeit mit meinen Freunden aus der Schule verbringen", sagt sie. Ein Trip an die Nordsee sei geplant, aber einfach auch gemeinsame Erlebnisse hier in der Heimat. Bevor die Wege der Freunde in alle Himmelsrichtungen auseinander gehen.

Dass Sarah eines Tages in die Lausitz zurückkehrt, hält sie für gut möglich. "Sicher will ich jetzt erst einmal in die Welt hinaus. Doch ich kann mir auch vorstellen, irgendwann einmal wieder hier zufrieden und erfüllt zu leben."

Ein scheinbar ganz einfaches Geheimrezept für das Lernen hat Sophie-Charlotte Diehr: "Ich habe einfach sehr viel im Unterricht mitgearbeitet, das hat mir beim Lernen extrem geholfen", erzählt die 18-Jährige aus Wittichenau bescheiden. Simpel wie es klingen mag, hat ihr diese Strategie - und sicherlich auch ein paar gute "Lerngene"- zum besten Abi ihres Jahrganges am Léon-Foucault-Gymnasium Hoyerswerda verholfen. Einen glatten 1,0-Abschluss hat die hübsche junge Frau hingelegt, "Besonders Fleiß und Engagement zeichnen Sophie-Charlotte aus. Es verging keine Stunde ohne Dialog mit ihr", schwärmt Tutorin Kerstin Sellner von ihrem Schützling. Sophie-Charlottes Lieblingsfächer: Deutsch, Französisch und Mathe. "Viele haben gesagt, dass die Prüfungszeit super anstrengend wird. Aber ich fand es sehr entspannt. So wie die vergangenen zwölf Jahre", erzählt die Natur- und Sportliebhaberin, die noch in diesem Jahr für ein Medizinstudium nach Dresden oder Leipzig gehen möchte. Bewusst hat sie sich gegen ein Jahr Auszeit fürs Reisen entschieden. "Nach einer langen Pause ist es bestimmt schwieriger, wieder in den Lernrhythmus zu kommen. Ich möchte erstmal durcharbeiten", sagt sie entschieden. Die Chancen, dass sie dann in die Heimat zurückkehrt, sind groß. "Ich bin eher ein Landei und Wittichenau ist die perfekte Kleinstadt für mich", schwärmt Sophie-Charlotte. "Ich kann mir vorstellen, hier später als Kinderärztin zu arbeiten."

Während die Jahrgangsbeste nach den Lobeshymnen ihrer Lehrer in ihrem blau-weißen Kleid mit Blumen in der Hand vor der Tür der ihr so vertrauten Schule steht, kommt schließlich doch ein wenig Wehmut auf. "Ich bin schon immer sehr gerne in die Schule gegangen", resümiert sie mit Tränen in den Augen. "Das alles hier wird mir sehr fehlen. Besonders meine Freunde, die ich jetzt nicht mehr jeden Tag sehen werde." Langweilig wird ihr bis zum Studienbeginn im Herbst sicher trotzdem nicht. Geplant hat die zukünftige Ärztin nun erst einmal ein Praktikum im Klinikum Niederlausitz.