Entstand ein wirkliches Abbild, ein Zerrbild oder handelte man wie die böse Stiefmutter im Märchen mit der Frage “Spiegelein, Spiegelein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?„

Diese Haltungen fanden sehr verschiedene Antworten, zumal die Kritik Westdeutschlands nicht so souverän war, wie es oft erschien. Diese Texten geht die junge Literaturwissenschaftlerin Maria Reinhardt seit einigen Jahren an der Universität Leipzig im Zusammenhang mit ihrer Dissertation nach. Sie wählte Brigitte Reimann, Hermann Kant als Beispiele. Die unbefangene, fröhliche und wissensdurstige, junge Frau reiht sich damit in den Kreis junger Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern ein, die die Brigitte Reimann-Begegnungsstätte in Hoyerswerda immer wieder zu Forschungsarbeiten aufsuchen, um die dort zusammengetragenen und behüteten Schätze zu nutzen. Maria Reinhardt besuchte bereits mehrfach die Reimann-Begegnungsstätte und fand dort Aussagen zu Büchern und deren Hintergründen, die in anderen Sammlungen nicht so leicht zu finden sind.

Brigitte Reimann lenkte den Blick der Forscherin auf Hoyerswerda, daher nahm sie mit ihren Freunden und ihren Leipziger Lehrern an Brigitte-Reimann-Spaziergängen durch die Stadt teil. Maria Reinhardt hat zufälligerweise auch einen persönlichen Bezug zur einstigen Hoyerswerdaerin: Sie arbeitete ein Jahr lang im Goethe-Institut in Astana, der Hauptstadt Kasachstans. Diesen Ort, der damals Selinograd hieß, besuchte Brigitte Reimann 1964 bei ihrer Reise durch Sibirien. Sie erzählt davon in dem Buch “Das grüne Licht der Steppen„, das immer wieder mit seiner Frische, seiner Realitätsnähe, seinen Porträts und seinem Erzählstil fasziniert. Von diesem Zufall wird Maria Reinhardt berichten und vor allem vom Wandel Mittelasiens.

Zu diesem Abend vielfältiger Betrachtensweisen von Zeiten und Orten sind alle Reise-, Geschichts- wie Literaturfreunde herzlich eingeladen.

Martin Schmidt