Von Anja Hummel

Bis heute ist die Enttäuschung nicht verflogen. Ende September hat der Hoyerswerdaer Stadtrat völlig unerwartet beschlossen: Die Kita „Sonnenblume“ in der Neustadt soll im Sommer 2019 geschlossen werden. Eltern, Erzieher und Träger wurden damit vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Grund für die Schließung: Weil es in der Stadt zu viele Kita-Plätze gibt, musste die „schwächste“ Einrichtung dran glauben. Hoyerswerdas Bürgermeister Thomas Delling zufolge hat die „Sonnenblume“ den größten Sanierungsbedarf aller Kitas in der Stadt.

Kurz nach der überraschenden Entscheidung kündigte Falk Stirner, Geschäftsführer des Trägerwerks Soziale Dienste (TWSD) an: „Wir werden den Beschluss anfechten.“ Erst am Tag der Beschlussfassung ist der Träger offiziell über die Schließungspläne informiert worden. Gesagt, getan: Der Träger hat den Widerspruch eingereicht und um eine erneute Entscheidung gebeten – allerdings ohne Erfolg. Die offizielle Begründung des Hoyerswerdaer Oberbürgermeisters Stefan Skora: Der Verwaltungsakt ist nicht anfechtbar.

Ein harter Rückschlag, nicht nur für den Träger. „Aber wir sind weiterhin optimistisch, sonst würden wir uns jetzt nicht so einen Kopf machen“, sagt Robert Ratzing vom Elternrat der Kita. Denn für sie hat sich der Plan von der Kita-Rettung längst nicht erledigt. „Wir wollen ein Bürgerbegehren erreichen“, kündigt Ratzing an, dessen dreijährige Tochter die Sonnenschein-Kita besucht. Mit dem Bürgerbegehren könnten sie den Kita-Beschluss noch einmal auf die Tagesordnung des Stadtrates bringen. Ihr Ziel: Die Kita soll erhalten bleiben, schließlich steht sie „im kinderreichsten Wohnkomplex in absolut zentraler Lage“, so Ratzing. Was der Elternrat nun vorhat: mindestens 1700 Unterschriften sammeln. So viele müssen es sein, um ein Bürgerbegehren zu erreichen. Allerdings muss die Aktion erst schriftlich bei der Stadtverwaltung beantragt werden. Bereits in der vergangenen Stadtratssitzung hat der Elternratsvertreter 260 Unterschriften vorgelegt. Die sind allerdings ungültig.

Der Antrag, der nun durch den Elternrat so schnell wie möglich abgeschickt werden muss, ist nicht ganz ohne. „Wir sollen darin auch schriftlich darlegen, wodurch der Erhalt der Kita finanziell ausgeglichen werden kann.“ Eine mögliche Maßnahme: Eine andere Kita muss schließen. „Natürlich wollen wir, dass gar keine Kita geschlossen wird“, so Ratzing. Aber die Ergebnisse der Kita-Hort-Analyse machen deutlich, dass zweifelsohne Plätze abgebaut werden müssen (siehe Infobox). Jetzt muss der Elternrat aber vor allem eins sein: schnell. „Für die Gegenentscheidung gibt es eine dreimonatige Frist“, erklärt Robert Ratzing. Sprich: Bis zum 27. Dezember muss die Aktion genehmigt sein. Auch die Unterschriften müssen der Stadtverwaltung bis dahin vorliegen. „Wir müssen das schnellstmöglich durchziehen. Für Weihnachten planen wir unter anderem Unterschiftenaktionen im Lausitzcenter“, kündigt der Hoyerswerdaer an.

Auch der Träger äußert sich positiv zur Sammelaktion: „Wir unterstützen die Elterninitiativen, sie sind mit uns abgestimmt“, sagt TWSD-Geschäftsführer Falk Stirner. „Wir kämpfen, dass die Einrichtung weiter erhalten bleibt.“ In den vergangenen Jahren wurden bereits zwei andere Hoyerswerdaer Kitas unter TWSD-Trägerschaft geschlossen. Aktuell ist der Träger im Austausch mit der Stadt. „Es gibt aus meiner Sicht noch eine Menge Gesprächsbedarf“, so der TWSD-Chef.

Robert Ratzing bleibt indes weiterhin guter Dinge. „Aber enttäuscht und wütend über die Art und Weise sind wir immer noch.“ Schließlich haben Elternschaft und Kita-Personal vom geplanten Aus der Sonnenblume im September über die Presse erfahren. Vorsorglich hat sich der Vater bereits in mehren Kitas erkundigt. Schon jetzt sagt er: „Es wird schwierig, die Kinder woanders unterzubekommen. Besonders als geschlossene Gruppe, wie von der Stadt in Aussicht gestellt.“ Nicht zuletzt deshalb soll die Sonnenblume nicht kampflos zum Abriss freigegeben werden.