Immerhin sind an der Fachhochschule Lausitz erstmalig 14 Prozent aller Erstsemester ausländische Studenten. Das macht zwei Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt.
Auf dem Buffet sind Weintrauben, Orangen, Äpfel neben appetitlichen Häppchen aufgebaut. Die Musiker des internationalen Trios sitzen in gespannter Erwartung auf den Kanten ihrer Stühle. Nach und nach trudeln die Studenten ein. Die Neu-Senftenberger scheinen ein bisschen verlegen. Vertreter der Hochschule, der Städte Senftenberg und Cottbus und der Ausländerbehörde erwarten sie schon. Es ist zwar nur die Hälfte der neuen Studenten erschienen, die Begrüßungsrunde fällt deshalb nicht weniger herzlich aus.
Es ist feierlich, aber nicht zu sehr. Man kennt sich. Studienanfänger in deutschen Großstädten dürften die Senftenberger Studenten um die familiäre Atmosphäre, das leckere Buffet und die überaus herzliche Begrüßung beneiden. Bürgermeister Klaus-Jürgen Graßhoff hieß die Studenten mit einer kleinen Geschichte willkommen. Häufig verabschiede er Senftenbergs Gäste mit den Worten: „Wenn es Ihnen gefallen hat, sagen Sie es weiter, hat es Ihnen nicht gefallen, dann verschweigen Sie, wo Sie waren.“ Der Bürgermeister hoffe, dass die Studenten niemals verschweigen müssten, wo sie waren, sondern, im Gegenteil, den Ruf Senftenbergs in die Welt trügen.
Viele Begrüßungsworte mit dem Tenor „wir freuen uns, dass ihr da seid, wir sind für euch da, wenn ihr Hilfe braucht“ , hörten die Studenten im Verlauf des Abends. Aus persönlicher Sicht begrüßte der sudanesische Student Talal Khalil, der seit 2002 in Senftenberg studiert, die Neuankömmlinge. Er ist der studentische Beauftragte für die ausländischen Studenten. Khalil kann sich noch gut an die Gefühle in den ersten Wochen in der neuen Heimat erinnern. Und hat eine Menge praktische Ratschläge parat. So zum Beispiel, sich zunächst um das Deutsch-Zertifikat zu kümmern. „So schwer ist die deutsche Grammatik auch wieder nicht.“ Und nebenbei fordert er die Studenten auf: „Ihr seid kluge kreative Köpfe, bringt euch in das Leben hier ein, macht mit.“ Entspannt verabschiedet er sich mit dem Bergmannsgruß: „Glück auf!“
In den Gesichtern der überwiegend jungen Männer spiegelt sich tatsächlich eine Mischung aus Anspannung und verhaltener Neugier. Mit Interesse verfolgen sie die Reden und die musikalische Umrahmung des Abends. Und machen fleißig Fotos. Den elektronischen Medien sei Dank, werden einige Familien in Jordanien, Polen oder im Jemen in den nächsten Tagen digitale Fotos von einem Bläserkonzert aus Senftenberg in ihren E-Mails finden. Ein erster Schritt, den Ruf von Stadt und Hochschule in die Welt hinauszutragen.