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8800 Kilometer bis zur Schule

Elisa Matz zeigt eine Karte des südlichen Afrika. Unten im Zentrum sind die südafrikanischen Metropolen Johannesburg und Pretoria. Östlich davon liegt Swasiland. Dort macht sie im kommenden Jahr ihren Abschluss.
Elisa Matz zeigt eine Karte des südlichen Afrika. Unten im Zentrum sind die südafrikanischen Metropolen Johannesburg und Pretoria. Östlich davon liegt Swasiland. Dort macht sie im kommenden Jahr ihren Abschluss. FOTO: Sascha Klein
Lauta. Heute um 15.30 Uhr startet Elisa Matz wieder Richtung Schule, nach einem Monat Ferien im heimischen Lauta. Sascha Klein

Koffer, Reiserucksack und Handgepäck stehen bereit. Für die 19-Jährige ist der Weg doch ein Stückchen weiter als für die meisten anderen in ihrem Alter. Ihre Route sieht an diesem 2. September so aus: Mit dem Auto zum Flughafen Berlin-Schönefeld, verabschieden von ihren Eltern, rein in den Flieger. Landen und umsteigen in Kairo, dann weiterfliegen bis Johannesburg. In Südafrika angekommen, setzt sich die 19-Jährige dann noch für rund vier Stunden in ihren Schulbus. Das Ziel: ihr College in der Nähe von Mbabane, der Hauptstadt von Swasiland. Insgesamt wird sie rund 8800 Kilometer bis zum Waterford Kamhlaba College unterwegs sein.

Elisa Matz will im November 2018 in Swasiland ihren internationalen Abschluss machen. Der zähle zwar nur unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland, aber öffne Türen in vielen anderen Ländern, erzählt sie. Ein Auswahlverfahren der Organisation United World College hat sie ans andere Ende der Welt gebracht. Eigentlich hatte sie sich für Norwegen oder Costa Rica interessiert. "Jetzt bin ich aber froh, dass ich in Swasiland angekommen bin", sagt sie. Die Schule sei sehr westlich und liberal, sagt die junge Frau. Schüler aus 60 Ländern lernen dort, auf einem abgeschotteten Gelände. Etwa 75 Prozent der Schüler stammen aus Afrika. Die Jugendlichen leben in Hostels auf dem Gelände, Elisa Matz teilt sich ein Zimmer mit einer jungen Frau aus dem US-Bundesstaat North Carolina. Unterhalten wird sich in Englisch.

Im ersten Augenblick klingt das Leben in Swasiland nach wenig Zuckerschlecken: Das Land gehört zu den ärmsten der Welt, nirgends gibt es eine höhere Rate von Aids-Infizierten. Das Land wird von einem absolutistischen Herrscher regiert: König Mswati III. Er soll bis zu 15 Ehefrauen und etwa 30 Kinder haben. Swasiland gilt als klassisches Entwicklungsland.

Doch Elisa Matz sieht nach sieben Monaten Swasiland das Land aus anderen, eigenen Augen: "Die Leute sind hier sehr offen. Man nimmt sich mehr Zeit. Es ist nicht so schnelllebig wie bei uns." Die fehlende Infrastruktur bei Bus und Bahn gleichen die Menschen in Swasiland mit Minibus-Taxis aus. Die sozialen Unterschiede seien jedoch deutlich zu sehen. Die Schere zwischen Arm und Reich sei immens. In Sachen Kriminalität hat die 19-Jährige noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Regelmäßig sei sie mit Mitschülern am Wochenende in den wenigen Clubs in der Hauptstadt Mbabane. "Allein abends rausgehen ist aber nicht die beste Option", sagt sie.

Den Monat zu Hause hat die Lautaerin genossen. "Auf Döner und Mate hatte ich mich gefreut. Und auf den vollen Kühlschrank. Hotel Mama eben", sagt sie und lacht. Natürlich hat sie Freunde getroffen. Einige haben in diesem Sommer Abitur gemacht, andere sind schon fernab der Heimat beim Studium. Und auch Elisa Matz bekommt wieder Fernweh: "Ich freue mich auf meine Freunde dort. Viele waren auch bei ihren Familien."

Bis auf Weiteres erreicht sie ihre Lieben nur noch per Internet. Wann Elisa Matz zum nächsten Mal die 8800 Kilometer fliegt, ist jedoch schon absehbar: "Mein Vater hat sich gewünscht, dass ich Weihnachten zu Hause bin", sagt sie.

Zum Thema:
Wer sich für den Schulweg über ein internationales College bei der Organisation United World College interessiert, kann sich für die Studienjahre 2018 bis 2020 bis zum 31. Oktober 2017 bewerben. Mehr gibt es auf der Homepage: uwc.de/bewerbung/