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| 17:32 Uhr

Dorfchronik ist der Bestseller bei der 600-Jahr-Feier in Koblenz
Im Traktoren-Shuttle zu Höfen getuckert

 Trecker-Shuttle in Koblenz: Gotthard Krahl beförderte nicht nur Besucher, sondern auch eine Musikkapelle durch den Ort. Die Rundfahrt über die Höfe von Koblenz dauerte eine knappe Stunde.
Trecker-Shuttle in Koblenz: Gotthard Krahl beförderte nicht nur Besucher, sondern auch eine Musikkapelle durch den Ort. Die Rundfahrt über die Höfe von Koblenz dauerte eine knappe Stunde. FOTO: Rainer Könen
Koblenz. 180 Seiten starke Dorfchronik von Koblenz ist Bestseller bei der  600-Jahr-Feier. Plätze im Traktoren-Shuttle sind heiß begehrt. Von Rainer Könen

Die Erleichterung ist Ingrid Miersch deutlich anzusehen. Am Ende ist es doch noch ziemlich knapp geworden. Sozusagen auf den letzten Drücker waren die Kartons aus der polnischen Druckerei in der vergangenen Woche in Koblenz eingetroffen.
Kurz vor dem großen Ereignis, dem man  in dem Lohsaer Ortsteil schon seit geraumer Zeit entgegengefiebert hatte. So hatte sich die 70-jährige Ingrid Miersch gefreut, als sie am Samstag, pünktlich zum Auftakt der 600-Jahr-Feier von Koblenz, die ersten Exemplare der Dorfchronik verkaufen konnte. 250 Exemplare habe man drucken lassen, erzählt die Ortschronistin. Die Bücher gingen an diesem Vormittag in Krahl`s Saal fast weg wie die sprichwörtlichen Semmeln beim Bäcker.
Zur 600-Jahr-Feier öffneten auch  13 Höfe. Die Besucher konnten sich zwischen Oldtimern, antiker Feuerwehrtechnik, Traktoren und bei Schmiedevorführung umschauen. Verköstigt wurden sie ausgiebigst mit Deftigem und Süßem.

Der 350-Seelen-Ort gerät einmal im Jahr in der Region in den Focus der Treckerfreunde. Dann, wenn die örtlichen Schlepperfreunde zu ihrem alljährlichen Treff einladen. Nun, auch an diesem Samstag tuckerte es auf den kleinen Straßen im Dorfzentrum mächtig. Besonders laut war es im Hof Numero elf, auf Theka´s Bauernhof. Dort wurde ein alter LanzBulldog-Traktor öffentlichkeitswirksam gestartet. Per Traktoren-Shuttle konnten sich die Besucher durch den Lohsaer Ortsteil zuckeln lassen. Alle Höfe wurden dabei angesteuert. Eine knappe Stunde dauerte eine solche Rundfahrt. „Unser Shuttledienst kommt prima an“, meint Gotthard Krahl, der Mitglied bei den örtlichen Schlepperfreunden ist. Die 25 Sitzplätze seines Anhängers, so der Koblenzer, seien bei den Touren durchs Dorf fast immer alle besetzt.
Eröffnet wurden die 600-Jahr-Feierlichkeiten am Samstagvormittag mit einem Gottesdienst in Krahl´s Saal. Im Anschluss daran zog es viele weiter zur Ausstellungseröffnung. Wollte man doch wissen, was sich so alles in 600 Jahren in Koblenz ereignet hat. Eine Menge Bilder haben die Chronik-Schreiber von den Einwohnern erhalten, erzählt Ortschronistin Ingrid Miersch. Zu sehen waren auch historische Urkunden, Auszüge aus Kirchenregistern. Vor den Schautafeln wurde es zeitweise unübersichtlich, so groß war das Gedränge. Für Ortschronistin Miersch und ihre Mitstreiter ein Zeichen, dass sich die Arbeit an der Dorfchronik in den vergangenen drei Jahren gelohnt hat. Eine Chronik, die so manch aufschlussreiches Detail bereithält. Wer hätte gedacht, dass die Leibeigenschaft in Koblenz erst um 1840 abgeschafft wurde oder dass das Braunkohleunternehmen „Eintracht“ 1911 Gemeindeland kaufte, um dort später Kohle abbauen zu können. Während Ingrid Miersch die Koblenzer Geschichte, das Exemplar für sieben Euro, unters Volk brachte, animierte das sommerliche Wetter die Besucher dazu, es sich in den umliegenden Höfen gemütlich zu machen.

 Der Groß Särchener Rico Kliemand mit einem seiner aus einer alten Gasflasche hergestellten Werkstatthelfer.
Der Groß Särchener Rico Kliemand mit einem seiner aus einer alten Gasflasche hergestellten Werkstatthelfer. FOTO: Rainer Könen

In einem zeigte Rico Kliemand, was man alles aus alten Gasflaschen herstellen kann. Der Groß Särchener, der sich in seiner Freizeit auf Schrottplätzen tummelt, gestaltet alte Gasflaschen zu Gebrauchsgegenständen um, etwa zu kunstvoll-gestalteten Grillgeräten,
Wer wollte, der konnte an diesem Samstag überdies hoch hinaus, um den Ort und die Umgebung aus luftiger Höhe zu betrachten. Etwas, wofür die Besucher geduldig anstanden. Für zwei Euro wurde man mittels Kran auf eine Höhe von rund 60 Metern hoch gehievt.
Am Ende des Tages sah man in Koblenz eine Menge zufriedener Gesichter. Diese Jubiläumsfeier, so hörte man überall im Ort, war eine runde Sache. Stimmt. Und die Dorfchronik, sie war, wenn man so sagen kann, ein Bestseller. Vermutlich dürfte nun ein Großteil der Haushalte in Koblenz über ein Exemplar verfügen. Was vor allem diejenigen freut, die an dem rund 180 Seiten starken Werk mitgewirkt haben.
Somit steht fest: In Sachen Ortsgeschichte ist man in Koblenz nun voll im Bilde. Dank der 600-Jahr-Feier.

 Von einer Aussichtskanzel aus konnten Festbesucher die Region aus 60 Metern Höhe bestaunen. Ortsvorsteher Jens Kieschnick half beim Einsteigen.
Von einer Aussichtskanzel aus konnten Festbesucher die Region aus 60 Metern Höhe bestaunen. Ortsvorsteher Jens Kieschnick half beim Einsteigen. FOTO: Rainer Könen
 Trecker-Shuttle in Koblenz: Gotthard Krahl beförderte nicht nur Besucher, sondern auch eine Musikkapelle durch den Ort. Die Rundfahrt über die Höfe von Koblenz dauerte eine knappe Stunde.
Trecker-Shuttle in Koblenz: Gotthard Krahl beförderte nicht nur Besucher, sondern auch eine Musikkapelle durch den Ort. Die Rundfahrt über die Höfe von Koblenz dauerte eine knappe Stunde. FOTO: Rainer Könen
 Der Groß Särchener Rico Kliemand mit einem seiner aus einer alten Gasflasche hergestellten Werkstatthelfer.
Der Groß Särchener Rico Kliemand mit einem seiner aus einer alten Gasflasche hergestellten Werkstatthelfer. FOTO: Rainer Könen
 Von einer Aussichtskanzel aus konnten Festbesucher die Region aus 60 Metern Höhe bestaunen. Ortsvorsteher Jens Kieschnick half beim Einsteigen.
Von einer Aussichtskanzel aus konnten Festbesucher die Region aus 60 Metern Höhe bestaunen. Ortsvorsteher Jens Kieschnick half beim Einsteigen. FOTO: Rainer Könen