ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:40 Uhr

60 Pferdestärken unterm Hintern

Daumen hoch: RUNDSCHAU-Volontär Steven Wiesner hat seine erste Jetski-Fahrt überlebt. Die Betreiber Daniel Ahrens und Dirk Lehmann (kl. Foto) freuen sich auf weitere Gäste.
Daumen hoch: RUNDSCHAU-Volontär Steven Wiesner hat seine erste Jetski-Fahrt überlebt. Die Betreiber Daniel Ahrens und Dirk Lehmann (kl. Foto) freuen sich auf weitere Gäste. FOTO: Ahrens
Elsterheide. Die RUNDSCHAU hat den Geheimtipp des Sommers getestet: eine Jetski-Fahrt auf dem Partwitzer See. Von der Reise zum womöglich lässigsten Arbeitsplatz der Lausitz. Steven Wiesner

Es ist ein knalliger Sommertag. Einer der Marke Postkarten-Panorama. Das ist dann aber auch schon die einzige Voraussetzung, die ich für meinen bevorstehenden Termin am Partwitzer See mitbringe. Denn in wenigen Minuten werde ich zum ersten Mal in meinem Leben auf ein Jetski steigen. Ohne Vorkenntnisse auf einem Motorrad. Ohne Erfahrungen beim Motocross. Und ohne jeglichen Kontakt mit einem Quad. Motorsport-jungfräulicher hat sich hier bei Dirk Lehmann (47) und Daniel Ahrens (36) wahrscheinlich noch nie jemand vorgestellt.

Die beiden Freunde aus Hoyerswerda haben die "Jetski-Base" in diesem Jahr von einem anderen Betreiber übernommen. Ihre Anlage genießt Alleinstellungsmerkmal in der Region. Der Partwitzer See ist laut Wikipedia sogar das einzige deutsche Binnengewässer, auf dem die Wassermotorräder um die Wette cruisen dürfen. "Der See ist nur für Jetskis zugelassen", erklärt Dirk. "Das ist das große Plus, das wir haben. Auch einen Rennkurs, wie wir ihn haben, gibt es nur vier, fünf Mal in Deutschland." Den darf man zwar nur mit einem Sportbootführerschein anfahren, doch es gibt auch einen Schnupperparcours. Für Jetski-Flöten wie mich. Man wird bei den ersten Fahrversuchen auch nicht von anderen gestört. Auf dem gesamten See dürfen wegen der Lärmemission nicht mehr als sechs Jetskis gleichzeitig fahren.

Nach ein bisschen Theorie und dem "Umschlüppern", wie Dirk erfrischend nonchalant sagt, geht's ans Gerät. Ich habe keinen Grund unruhig zu werden - bis mich Daniel ins Vertrauen zieht, wie viele PS gleich unter meinem Hintern Stimmung machen. "Unsere Leih-Jetskis haben bis zu 90 PS. Anfänger bekommen 60-PS-Maschinen. Damit kannst du 80 km/h fahren." Einen Teufel werde ich tun.

Barfuß, mit Badehose und Schwimmweste schwinge ich mich auf den Wellen-Boliden. "Je schneller du fährst, desto stabiler liegt das Jetski im Wasser", sagt Daniel. Wie bedauerlich. Da habe ich wohl eine recht instabile Fahrt vor mir.

Mit einem Knopfdruck ist der Motor gestartet. Solange ich kein Gas gebe, tuckert das Jetski mit 5 km/h über den See. Mein rechter Zeigefinger bestimmt, ob und wie viel ich beschleunige. Der Bordcomputer zeigt mir meine Geschwindigkeit an. In meinem Fall will er mich wohl nur verhöhnen.

Dabei ist so ein Jetski kein Hexenwerk, die Funktionsweise sogar recht simpel. Der Motor ist für den Antrieb zuständig, zudem befindet sich im Frontbereich eine Turbine, die das Wasser anzieht und hinten rausspritzt. Diesen Strahl benötigt man, um nach links und rechts lenken zu können. "Selbst wenn du vom Jetski fällst, gibt es nichts, was dir wehtun kann", beruhigt mich Daniel. "Der Strahl kann dich höchstens kitzeln." Natürlich aber ist so ein Jetski immer noch ein Kfz und damit sind andernorts schon Unfälle gebaut worden. Was auch daran liegen könnte, dass dieses schöne Gerät zu den wenigen gehört, die nicht bremsen können.

Die ersten Meter sind stotterig. "Es macht nichts ohne dich", sagt Daniel, der neben mir herfährt. Ich habe zwar eher das Gefühl, auf einer Rodeo-Maschine zu sitzen, die mich unbedingt im Wasser sehen will, aber warum soll er lügen? Ich warte darauf, dass der Spaß, über das Wasser zu peitschen, die Angst, in der Upps-Pannenshow zu landen, vertreibt. Doch Respekt habe ich weiterhin. Zumal man die Geschwindigkeit drei mal so schnell wahrnimmt wie auf der Straße. Während ich mit dem Auto in einer 30er-Zone fast einschlafe, wirken 30 Stundenkilometer auf dem Jetski wie eine Adrenalinspritze.

Nach der ersten Einheit liegt mein Spitzenwert bei 40 km/h. Doch Dirk gibt mir relativ schnell zu verstehen, ob ich stolz darauf sein kann oder nicht. Mit einem fast schon beleidigten Blick schickt er mich erneut aufs Wasser. Und siehe da. Ich werde von Minute zu Minute, von Boje zu Boje besser. Selbst 90-Grad-Kurven sind kein Problem. Am Ende stehen 60 km/h zu Buche. Mensch Stevi, denke ich! Vielleicht bist du ja doch ein Naturtalent? Bestimmt bin ich bald gut genug für deutsche Meisterschaften. Und vielleicht gibt es ja auch eine Jetski-Nationalmannschaft?

Jedenfalls haben Dirk und Daniel den womöglich lässigsten Arbeitsplatz der ganzen Lausitz. Das Wasser ist azurblau, der Strand Balsam für die Füße, Musik ertönt, die Bar hält Cocktails bereit. Auf den Touristen-Boom müssen die beiden zwar noch warten. "Es ist eine Nische. Und das wird es bleiben", sagt Daniel. Auch wenn die "Jetski-Base" in Zukunft zum Spreetaler See umziehen muss, der extra für Wassersport angelegt wird. Ein Geheimtipp, der viel Spaß verspricht, ist es aber allemal. Man sollte nur eines vermeiden: vorher Zeit und Geld in die Föhnfrisur investieren. Bringt nix. Glauben Sie mir.

Zum Thema:
Von Mai bis September ist die "Jetski-Base" am Partwitzer See geöffnet. Samstags und sonntags (8 bis 20 Uhr) können Fortgeschrittene, die ihr eigenes Jetski mitbringen, gegen eine Tagesgebühr von 20 Euro auf dem See fahren. Anfänger können sich ein Jetski ausleihen (Kaution: 150 Euro), verschiedene Fahrzeiten und auch einen Fahrtechnikkurs buchen (149 Euro). 15 Minuten kosten 59 Euro, 30 Minuten kosten 115 Euro. Kontakt: Am See 5, 02979 Elsterheide, Mobiltelefon: 0177 7225401. Internet: www.jetski-base.de .