Von Rita Seyfert

1961 flog der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum. Acht Jahre später setzte der US-amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mann seinen Fuß auf den Mond. Zu diesem Zeitpunkt war das öffentliche Interesse für die Astronomie längst geweckt.

In der ehemaligen DDR war die Wissenschaft von den Gestirnen ein Pflichtfach. Himmelskunde stand alle 14 Tage auf dem Stundenplan. Auch Otto Weyh, der damalige Direktor der zehnten Oberschule in Hoyerswerda, setzte sich für ein Planetarium ein – erfolgreich. Im Rahmen vom nationalen Aufbauwerk bekam er den Zuschlag. Das nun denkmalgeschützte Haus feiert diesen Monat sein 50. Jubiläum.

1967 wurde der Grundstein gelegt; und am 7. Oktober 1969, zum Jahrestag der ehemaligen DDR, die Schlüssel übergeben. Derjenige, der das Planetarium damals plante, ist Dietmar Swart (78). „Ich habe das Gebäude entworfen, gezeichnet und die Statik berechnet“, erzählt er. Das Bauamt segnete alles ab.

Eigentlich war Dietmar Swart in der Schule als Mathe- und Physiklehrer angestellt. Doch der diplomierte Gewerbelehrer für Bauwesen bekam eine Ausnahmegenehmigung. Mehr als 2000 Stunden flossen in die Projektierung, Bauleitung und Ausführung. Als Belohnung bekam Dietmar Swart später die Ernst-Moritz-Arndt-Medaille.

„Dann haben wir das Ding mit freiwilligen Helfern gebaut“, erzählt er. Umliegende Betriebe wie die Tagebaue Welzow, Spreetal und Schwarze Pumpe stellten die Kräne oder sponserten Materialien. Wichtig sei gewesen, dass eine gleichmäßige Halbkugel als Projektionsraum entsteht. Dies konnte über eine Stahlkonstruktion vom Stahlbaubetrieb in Halle realisiert werden, die mit Ziegeln ausgefacht und verputzt wurde. Zum Schluss wurden die Symbole der zwölf Tierkreiszeichen in Graffito-Technik auf die Außenwand gemalt.

Heute, 50 Jahre später, wird das Planetarium immer noch genutzt. Wie Volker Möckel (62), Physiklehrer am Léon-Foucault-Gymnasium, bestätigt, werden der Astronomie in der neunten Klasse an Oberschulen 14 Unterrichtsstunden gewidmet, und in der zehnten Klasse an Gymnasien 18 Stunden. Und dabei sei das visuelle Erleben des Sternenhimmels immer ein Höhepunkt bei den Schülern.

Allerdings ist die Zukunft des Planetariums ungewiss. Der DDR-Bau befindet sich auf dem Gelände der Oberschule am Planetarium. Das gerade erst begonnene Schuljahr könnte hier das letzte sein. Denn sobald die Sanierungsarbeiten am ehemaligen Zuse-Gymnasium abgeschlossen sind, ziehen die Schüler ab September 2020 in die Neue Oberschule um.

Wie die Stadt bestätigt, sei derzeit noch unklar, ob und inwiefern das Schulgebäude weiter genutzt oder abgerissen wird. Ein Fortbestehen des Planetariums würde man aber in jedem Fall begrüßen. Gespräche mit dem Astronomischen Verein Hoyerswerda laufen. Dessen Leiter Peter Lindner (56) sucht bereits gemeinsam mit der Stadt nach einer Lösung.

Momentan läuft die Medienversorgung des Planetariums samt Heizung und Strom über die Schule. Auch deren Toiletten dürfen die Planetariumsbesucher nutzen. Sollte die Schule abgerissen werden, könnte ein Anbau mit Vortragsraum und eigenen Sanitäranlagen eine Option sein. Darin könnte auch das Teleskop eine neue Bleibe finden, und dann mit barrierefreiem Zugang. Zurzeit befindet sich das Linsenfernrohr in der holzvertäfelten Kuppel auf dem Schuldach. Der Weg dorthin führt allerdings über eine Einhängeleiter. Deswegen wurde die Sternwarte schon seit Jahren nicht mehr genutzt.

Vorstellbar sei aber auch, dass das Planetarium an einen anderen Standort umzieht, beispielsweise auf das Gelände der Oberschule am Stadtrand, die ab kommendem Jahr zur Grundschule umgebaut werden soll. Das hätte den Vorteil, dass immer ein Hausmeister vor Ort wäre.