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40 000 Euro für Erhalt eines Wahrzeichens

Die Dampflok vor dem Bautzener Bahnhof braucht nach fast 30 Jahren dringend einen neuen Standort.
Die Dampflok vor dem Bautzener Bahnhof braucht nach fast 30 Jahren dringend einen neuen Standort. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Bautzen. Für die Zukunft der historischen Dampflok vor dem Bautzener Bahnhof zeichnet sich eine Lösung ab. Weil das Gebäude zum Verwaltungssitz umgebaut wird, muss sie verschwinden. Uwe Menschner / ume1

Alte Wasserkunst, Reichenturm, Ortenburg . . . Bautzen besitzt viele Wahrzeichen. In letzter Zeit wird auch ein Objekt immer öfter zu dieser Kategorie gezählt, das jahrelang ein eher wenig beachtetes Dasein fristete und höchstens einem Fachpublikum als Anziehungspunkt diente: Die alte Dampflok am Bautzener Bahnhof. Viele Jahre hatte die mit der Seriennummer 52 8056/5 versehene Zugmaschine im hiesigen Bahnbetriebswerk treue Dienste geleistet und sollte Ende der 80er Jahre verschrottet werden. Doch Bautzener Eisenbahner überführten sie 1988 auf ein ungenutztes Gleisstück in Nähe des Bahnhofs, wo sie bis heute steht.

Anfang der 90er-Jahre erregte die Lok schon einmal besondere Aufmerksamkeit, als sie ein Liebhaber aus den alten Bundesländern in seine Heimat "entführen" wollte. Jetzt freilich droht ihr weitaus größere Gefahr: "Im Zuge der geplanten Sanierung des Bahnhofes durch einen privaten Investor ist die Lok im Weg und muss weg", berichtet Heinrich Schleppers.

Der Bautzener CDU-Stadtrat engagiert sich seit Monaten dafür, dass das technische Denkmal einen neuen Platz bekommt und erhalten bleiben kann. Ursprünglich gar nicht aus eigenem Antrieb, sondern "weil ich darum gebeten wurde", hat sich der Bautzener Kommunalpolitiker in die Aufgabe verbissen und ist der möglichen Lösung recht nahe gekommen.

"Es besteht die Möglichkeit, dass die historische Dampflok auf die Packhofstraße auf der Südseite des Bahnhofs umziehen kann", berichtet Schleppers. Etwa 40 000 Euro würde es kosten, den 136 Tonnen schweren Koloss per Tieflader den knappen Kilometer über die Tzschirner- und die Neusalzaer Straße zurücklegen zu lassen.

Die Frage der Finanzierung ist schon fast geklärt: "Dank des Spendenaufrufs eines jungen Bautzeners, der als Administrator der Facebook-Gruppe ,Freunde von Bautzen' fungiert, haben wir etwa 10 000 Euro eingeworben", so Schleppers. Unter anderem habe ein Zwölfjähriger sein Sparschwein geschlachtet und 50 Euro gespendet. Zuwendungen kamen auch aus Hoyerswerda, wohin ihre Touren die 52 8056/5 oft geführt hatten. Überhaupt war sie vor ihrer Bautzener Zeit im Bezirk Cottbus stationiert, konkret in Cottbus, Lübbenau und Elsterwerda. Weitere 10 000 Euro hat die Drews & Lucas GbR zugesagt, die den Bahnhof erworben hat und zum Verwaltungssitz für das Landratsamt umbauen will (RUNDSCHAU berichtete). "Auch die Energie- und Wasserwerke Bautzen wollen sich mit einer größeren Summe beteiligen", sagt Heinrich Schleppers. Er räumt allerdings auch ein: "Wenn ich gewusst hätte, worauf ich mich hier einlasse, hätte ich wahrscheinlich die Finger davon gelassen." Privat ein 40 000 Euro-Projekt zu stemmen sei "nicht ohne." In trockenen Tüchern ist das Vorhaben auch noch nicht: "Es muss noch geklärt werden, ob die Brücke, auf der die Neusalzaer Straße die Bahnanlagen überquert, die Last von mehr als 100 Tonnen überhaupt aushält." Falls nicht, dürfte das Umzugsprojekt gestorben sein, denn eine gangbare Alternativroute gibt es nicht. Steht die Lok erst an ihrem neuen Standort, dann wollen sich die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde um ihren Erhalt kümmern; auch die Stadt Bautzen hat bereits Unterstützung zugesagt.

Zum Thema:
Heinrich Schleppers und seine Mitstreiter freuen sich nach wie vor über Spenden in jeglicher Höhe. Die IBAN des Spendenkontos lautet DE88 8505 0100 3000 040810, Stichwort: "Denkmal 52 8056." Quittungen werden auf Wunsch ausgestellt.