Von Anja Guhlan

Mit einer großen Jubiläumsparty ist am vergangenen Samstagabend der 25. Geburtstag der Kulturfabrik in Hoyerswerda begangen worden. Zwar nicht ganz so klassisch mit Geburtstagstorte und Geburtstagsständchen, dafür aber mit jeder Menge Filmrückblicken auf die vergangenen 25 Jahre und einer Präsentation der derzeitigen Angebote.

Es ist Samstagabend, 20 Uhr. Gäste trudeln so langsam im Bürgerzentrum Braugasse 1 ein. Umarmungen finden statt, Glückwünsche werden ausgesprochen und bei allen Gästen ist ein Lächeln im Gesicht zu sehen. Zur offiziellen Eröffnung der Geburtstagsfeier verzichten sowohl der Vereinsvorsitzende Jens-Uwe Röhl als auch der Geschäftsführer Uwe Proksch auf große Reden und lassen lieber von Hoyerswerdas Bürgermeister Thomas Delling ein Grußwort verlesen: Dabei reißt Delling noch mal kurz die Entstehungsgeschichte der Kufa an, wie alles im ehemaligen Jugendclub „Konrad Wolf“ in der Hufelandstraße, von allen nur „Laden“ genannt, anfing. Im „Laden“ trafen sich am 24. Oktober 1994, einem Montag, die Gründer des Vereins. Die Idee: Der Aufbau einer Kulturfabrik, bei der es um Soziokultur geht.

Mehrere Höhen und Tiefen musste der Verein fortan bestehen. „Die Worte Kufa und Abriss lagen meist dicht beieinander“, so Delling. So wanderte die Kufa von 1996 bis 1999 in das alte Ball- und Gesellschaftshaus am Markt. Da das Objekt bauphysikalisch gesehen nicht tragfähig war, folgte dann der Umzug in die „Zwischenbelegung“ am Rand der Stadt. In dem Provisorium sollte die Kufa eigentlich nur zwei bis drei Jahre bleiben, bis zur fertigen Sanierung des Gebäudes am Markt. Doch daraus wurden ganze 16 Jahre. Das sind exakt 64 Prozent der Existenzdauer des Vereins. Delling erinnert sich, dass die Forderungen immer lauter wurden und zitiert sogar Karl Marx. „Eine Idee oder Theorie wird zur materiellen Gewalt, wenn die Masse sie ergreift“.

Die Stadt erhielt 2010 den Förderbescheid für Sanierung und Umbau des Gebäudes in der Altstadt – und 2015 erfolgte dann der ersehnte Umzug in das neue Bürgerzentrum in der Braugasse. „Wir als Stadt haben die Idee immer unterstützt, auch finanziell. Doch das, was ihr daraus gemacht habt, ist im Vergleich nicht messbar“, hebt Delling am Ende seiner Rede die Leistung der Kufa-„Macher“ hervor und bedankt sich bei Uwe Proksch und Jens-Uwe Röhl mit einem Händeschütteln.

Den ganzen Abend lang folgen Auftritte der Trommelgruppe „Drumtastic“ und der Tanzkompagnie der Kufa. Auch der vor einigen Jahren gebildete Bürgerchor, der zum Jubiläum wegen einer Konzertreise leider nicht anwesend sein kann, ist dann mit einer Videogrußbotschaft und dem Song „Ein Hoch auf uns“ dann doch irgendwie dabei.

 Und genau das ist das Thema dieses Abend: Die Kufa präsentiert in allen verfügbaren Räumen zahlreiche Angebote und feiert sich damit selbst. Im Bandprobenraum erklingen laute und leise Konzerte, in der Hausmeisterwerkstatt trägt Kufa-Mitglied Christian Völker-Kieschnick Lieder von Gundermann stilvoll vor, im Theaterboden werden theatralische Szenenauschnitte gezeigt, im Medienraum flimmern Kufa-Filme non-stop und im Kunstraum werden literarische Texte vorgetragen. Die Angebote sind vielfältig. Und genau das mögen so viele.

„Die Kufa ist quasi mein zweites Zuhause“, bestätigt die Hoyerswerdaerin Barbara Peschke, die fast jede Woche zu einer Veranstaltung hierher kommt. Auch Anke Küttner aus Hoyerswerda meint: „Die Kufa ist Kultur um die Ecke, eine Bereicherung für die Stadt und immer wieder Anlaufpunkt für verschiedenste Interessen.“ Sie wünscht der Kufa für die Zukunft viele weitere tolle Ideen. Auch die 20-jährige Vanessa Ulbricht kommt regelmäßig in die Kufa. Sie wünscht dem Verein reichlich Nachwuchs, „der sich genauso engagiert wie einst die Gründungsmitglieder“.

Von den Gründungsmitgliedern sind auch einige bei der Geburtstagssause dabei: So zum Beispiel auch Katja Schuppert. Die gebürtige Hoyerswerdaerin, die mittlerweile in Dresden wohnt, bezeichnet sich zwar nicht als sehr aktives Mitglied, aber „mental bin ich immer noch hier dabei“. Sie findet, dass die Kufa das gesellschaftliche Leben in der Stadt bereichert hat, auch Biografien geprägt hat und sich trotz Hürden immer wieder neu aufgestellt hat. Sie wünscht der Kufa vor allem finanzielle Sicherheit für die Zukunft.

 Hans-Joachim Donath als weiteres Gründungsmitglied wünscht sich, „dass die Kufa ihre Stärke behält – und zwar Raum und Möglichkeit für jedermann zu geben“. Denn die Kufa will nach eigenen Angaben nicht nur Türen öffnen, sondern auch Möglichkeiten. Ideen sollen hier Wirklichkeit werden können: Hier kann man sowohl konsumieren als auch produzieren, sich anregen lassen oder selbst anstiften, beobachten oder sich einmischen. Nur eines kann man in der Kufa nicht: Nichts tun.