Von Rita Seyfert

Lena (15) aus Mohorn will später mal zur Bundeswehr. „Vielleicht Soldatin werden“, sagt sie. Ihr Kompagnon Ian (15) aus Bad Gottleuba, mit dem das Mädchen gerade im Wassertrupp einen Löschangriff trainiert, hat auch schon konkrete Berufswünsche. „Berufsfeuerwehrmann“, will er werden, wie er sagt.

Lena und Ian sind zwei der insgesamt 113 Jugendlichen, darunter 84 Jungen und 29 Mädchen, die derzeit für die Abnahme der Leistungsspange der Deutschen Jugendfeuerwehr trainieren. Die Auszeichnung ist das höchste Leistungsabzeichen, das Mitglieder der Jugendfeuerwehr überhaupt bekommen können. In Sachsen wird diese Ehrung jährlich nur etwa 200 Mal vergeben.

Vom Löschangriff über Staffellauf bis zum Kugelstoßen üben die 15- bis 16-jährigen auf dem Gelände ihrer großen Brüder und Schwestern, der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Nardt. Die Ausbildungsstätte der Freiwilligen und Berufsfeuerwehren wurde vom 8. bis 13. Juli zur Landes-Jugendfeuerwehrschule umfunktioniert.

Und wer weiß, vermutlich wird der eine oder andere der jungen Leute eines Tages hierher zurückkehren. Laut Georg Seitz (55), Sprecher vom Landesfeuerwehrverband, gehören die Heranwachsenden schon jetzt zu den Besten: „Das ist unsere Elite“, sagt er. „Die wollen Feuerwehr.“ Nicht „normale Feuerwehrmänner“, sondern Gruppenführer, Wehrleiter oder Maschinisten würden hier heranreifen. Viele seien später auch alles.

Dass die Jungen und Mädchen die erforderliche Punktzahl für das Leistungsabzeichen erwerben, daran hat Georg Seitz keinen Zweifel. „Spätestens am zweiten Tag sitzt die Technik“, sagt er. An den Manövern gebe es nichts zu kritisieren. „Jetzt geht es nur noch um Schnelligkeit.“ Und natürlich um Kameradschaft und Miteinander. „Die Leistungsspange gibt’s entweder für alle oder keinen.“ Denn nicht die Leistung des Individuums zählt, sondern das Gesamtergebnis aller Teilnehmer einer Gruppe.

Immer neun Mädchen und Jungen trainieren in einem der zwölf Teams. Eine der insgesamt fünf Übungen ist Kugelstoßen. „Schließlich müssen Feuerwehrmänner auch sportlich sein“, erklärt Georg Seitz. Ein Atemschutzgerät wiegt immerhin 15 Kilogramm. Unterwegs beim Einsatz in die fünfte Etage tragen die Kameraden inklusive Schutzanzug mitunter 20 Kilo am Leib.

Die Metallkugel ist zum Glück etwas leichter. Die Mädchen müssen drei Kilo stoßen, die Jungen vier Kilo. Gewertet wird die Leistung des Teams. Die einzelnen Wurfstrecken werden unterm Strich addiert. 54 Meter weit muss die Kugel fliegen, damit das Team einen Punkt kassiert. Teams, die weiter werfen, bekommen mehr Punkte. Maximal vier pro Übung sind drin.

Auch beim 1500-Meter-Staffellauf geht es um die Leistung der Gruppe. Jeder darf sich seine Strecke selber einteilen. Manche sprinten 400 Meter, andere nur hundert. Für einen Punkt darf die Stoppuhr am Ende nicht mehr als vier Minuten und zehn Sekunden anzeigen. Schnellere Teams sammeln natürlich auch mehr Punkte ein.

Neben dem theoretischen Teil unter anderem über feuerwehrtechnisches Grundwissen stehen auch spezifische Feuerwehr-Übungen auf dem Programm. Beim Löschangriff muss die Mannschaft in Wasser-, Angriffs- und Schlauchtrupps zeigen, wie sie schnell und effektiv gegen Rauch und Feuer vorgeht. Und bei der Schnelligkeitsübung geht’s darum, acht C-Schläuche in mindestens 70 Sekunden ohne Drehungen zu kuppeln.

Wer hier drei Tage übt, der komme auch durch und erreiche die nötigen zehn Punkte, so Georg Seitz. Er ist sich sicher, dass die Mädels und Jungs später stolz sein werden, dass sie das Ding hier gemacht haben. Denn die silbern funkelnde Leistungsspange der Deutschen Jugendfeuerwehr ist eine der wenigen Auszeichnungen, die man auch als Erwachsener noch an seine Dienstausgehuniform klickt.