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| 17:53 Uhr

Unser Dorf hat Zukunft
180 Minuten Werbung für Bluno

Brot und Salz zur Begrüßung, das gab es für die Mitglieder der Bewertungskommission in Bluno.
Brot und Salz zur Begrüßung, das gab es für die Mitglieder der Bewertungskommission in Bluno. FOTO: Rainer Könen
Bluno. Sächsischer Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“: Bewertungskommission schaut sich Bluno an. Von Rainer Könen

Ein unruhiger Blick zur Uhr. Wo bleibt die Jury? Sie müsste doch längst da sein. Blunos Ortsvorsteher Udo Zippack wirkt nervös. Zwei Mitglieder der Bewertungskommission für Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ waren bereits am Sonntag ins Seenland gefahren, hatten in Senftenberg übernachtet, trafen pünktlich ein. Und die anderen acht? „Stehen vermutlich noch im Stau bei Dresden“, sagt Ines Senftleben. Die Architektin gehört zu der Jury, die sich in diesen Tagen die für den 10. Sächsischen Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ qualifizierten Orte, 13 sind es, genau anschauen. Darunter auch Bluno.

Noch einmal schaut Zippack auf seine Uhr. Eigentlich wollte er um halb zehn Uhr mit seiner Präsentation im Feuerwehr-Gerätehaus starten. Es ist nun schon 9.40 Uhr. Der minutiös festgelegte Zeitplan, die Vorstellung der Vereine – „jeder hat ein paar Minuten“ – scheint durcheinander zu geraten. Doch dann, endlich, trifft der Kleinbus mit der Jury ein. Erleichterung.

Es gibt für die Gäste Brot und Salz von in sorbischer Tracht gekleideten Kindern, die Kleinen des Kindergartens singen ein munteres Liedchen. Dann startet der auf 180 Minuten festgelegte „Werbeblock“, witzelt ein Bewohner.  So viel Zeit ist, um die Bewertungskommission von den Vorzügen des Ortes zu überzeugen.
Toll. Interessant. Lebendig. Großartig. Markus Thieme leitet die Kommission eine geraume Weile. Er weiß, dass bei Ortsbesichtigungen jedes Mal eine Welle von positiv-besetzten Adjektiven über die  Kommission niedergeht. „Man stellt halt seinen Ort möglichst optimal dar“, so Thieme. Das sei völlig okay, man wisse das schon einzuordnen.

Nachdem sich Feuerwehr, Spielmannszug, Senioren und Jugend bei Kaffee, Kuchen und Kanapees vorgestellt haben, geht es nach draußen, wo der Kommission ein „spannendes Besichtigungsprogramm“, so Zippack, geboten werden soll.

Das Besichtigungsprogramm ist streng getaktet, strategisch gezielt ausgewählt. Mit einem Kleinbus geht es ins Gewerbegebiet Bluno-Sabrodt zur dortigen Gießerei. Man will zeigen, dass man in Bluno nach vorne schaut, ein starkes und für die Zukunft gerüstetes Dorf ist. Im Gewerbegebiet erfährt die Jury, dass in dem Unternehmen rund 350 Menschen arbeiten.

Weiter geht es zum Bluno-Damm, wo ein Mitarbeiter der Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) erklärt, wie Sabrodter und Blunoer Südsee die Landschaft einmal prägen werden. „In 30 Jahren wird das Leben hier richtig Spaß machen“, findet Elsterheides Bürgermeister Dietmar Koark, der die Kommission begleitet. Und meint damit die künftigen Freizeitmöglichkeiten, die Bewohner und Touristen haben werden.

Aber natürlich macht das Leben in dem derzeit 427 Einwohner zählenden Bluno jetzt schon eine Menge Spaß. Das hiesige Vereinsleben ist intakt, belebt die Dorfgemeinschaft, das haben Thieme und seine Kollegen an diesem Vormittag erfahren. Und es ist in Bluno „gemütlich“. Dass erfahren die Jurymitglieder im Laufe der dreistündigen Besichtigungstour häufiger von Bewohnern.
Welche Chancen rechnet sich Bluno, das zum fünften Mal bei diesem Wettbewerb mitmacht, eigentlich aus? Für Elsterheides Bürgermeister wie für den Ortsvorsteher zählt nur eines: Mitmachen, dabei sein. So eine Teilnahme, steht für den Bürgermeister fest, fördere auf jeden Fall das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Früher lag bei diesen Wettbewerben das Hauptaugenmerk auf blühenden Blumenkübeln und schön gestalteten Bushäuschen. Das äußere Erscheinungsbild spielt zwar auch heute eine Rolle, doch viele bunte Stiefmütterchen sind längst keine Garantie mehr für eine gute Platzierung. „Das soziale und kulturelle Leben, die wirtschaftliche Entwicklung“, das, so Ines Senftleben, seien Aspekte, die heutzutage im Vordergrund bei den Bewertungsrunden stünden, mit denen ein Ort wie Bluno bei der Jury punkten kann.

Der Rastwanderplatz im Ortskern, der neu geschaffene Spielplatz, das wird besonders aufmerksam bei der Kommission registriert. Die verlorene Zeit hat man mittlerweile wieder reinholen können, noch eine Stippvisite zum Sportplatz, wo Uwe Zitschke kurz in die Vereinsgeschichte des LSV Bluno 74 eintaucht, dann geht es zurück in den Ort. Ein kurzer Blick noch ins Neubaugebiet. Als die Gruppe die drei Gedenksteine erreicht, die im Dorfzentrum an die Toten der beiden Weltkriege erinnern, an deutsche wie auch sowjetische Gefallene, klicken die Fotoapparate der Kommission. „Drei verschiedene Mahnmale auf einer Stelle“, dies, so Horst Noack, sei in Sachsen wohl einzigartig.
Auch in Bluno hält man sich daran, das Beste erst am Ende zu präsentieren: Die evangelische Fachwerkkirche, die 1673 eingeweiht wurde. „Mit der wird ja auch zumeist unser Ort in Verbindung gebracht“, so Udo Zippack. Drinnen gibt es weitere Infos zum Gotteshaus, zu den Sanierungsarbeiten an diesem historischen Gebäude.
Als die Kommission sich am Mittag zur nächsten Ortsbesichtigung, es geht nach Kreba-Neudorf, aufmacht, fällt bei den Blunoer Verantwortlichen die Anspannung ab. Geschafft. Nun heißt es warten. Am 22. Juni werden die Blunoer wissen, wie ihr Ort bei der Jury angekommen ist. In dem bei Zwickau gelegenen Ort Stangengrün werden die Gewinner präsentiert, wird feststehen, welche sächsischen Gemeinden sich für die nächste Ebene qualifiziert haben. Wäre toll, wenn Bluno den Bundeswettbewerb erreichen könnte. Das gab es noch nie für den Elsterheider Ortsteil.