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| 01:33 Uhr

18-Stunden-Treppenlauf: „In jedem von uns steckt viel mehr, als man vielleicht meint“

Radebeul. Einen Tag lang eine Treppe hoch- und runterzulaufen, wer macht so etwas? Jährlich im April treffen sich solche „Verrückten“ in Radebeul am Spitzhaus. Dieses Gebäude interessiert sie allerdings weniger, vielmehr ist die Treppe nach unten ins Tal quer durch den Weinberg ihr Ziel. no

Die Treppe hat genau 397 Stufen und diese gilt es, insgesamt 100-mal hoch- und wieder runterzulaufen. Wer das geschafft hat, zählt zur illustren Gemeinschaft derer, die eine Höhe von 8 848 Metern bewältigt haben, so hoch wie der höchste Berg der Erde, der Mount Everest im Himalaya. Oberhalb der Treppe steht das Gipfelkreuz, genauso wie auf dem legendären Gipfel, und jeder kann lesen, wer es seit 2005 geschafft hat, die Distanz binnen 24 Stunden zu schaffen. 50 Männer und sechs Frauen, darunter Starter aus der Schweiz, Luxemburg, Österreich, Israel und den USA, stellten sich 2011 dieser Herausforderung. Einer davon war Thomas Kummer (41) aus Hoyerswerda. Über 50 Marathons hat er schon absolviert. Die Vorbereitung auf die „Treppe“ war eine neue sportliche Erfahrung. Bis zum Start war es ein langer und harter Weg, denn für solch ein Vorhaben musste hart trainiert werden. Seit Januar war jeder Sonntag dem Training an der Treppe vorbehalten. Egal, wie das Wetter gerade war, vier bis fünf Stunden musste gelaufen werden. Da gehörte schon Enthusiasmus, Selbstdisziplin und ein gehöriger Schuss Idealismus dazu. Akribische Vorbereitung bedeutete aber auch, den Lauf selbst so genau wie möglich vorzudenken. Das betraf die Bekleidung genauso wie die Verpflegung. Da hat Kummer nichts dem Zufall überlassen. Vor einer Woche war es dann so weit. Die ersten Runden liefen wie am Schnürchen. Es war trotzdem wichtig, in der Euphorie nicht zu übertouren. Mit dem Einbruch der Dunkelheit begann die komplizierteste Phase. Es wurde zunehmend kälter und es galt, den gefundenen Rhythmus beizubehalten. Die Treppe hoch mit gleichmäßigem Schritt, das lockere Laufen zum Wendepunkt, die regelmäßige Aufnahme von Verpflegung und wieder die Treppe hinab im leichten Laufschritt. Schon bald war sich Kummer sicher, das schaffst du, das Training zahlt sich aus. In keiner Phase gab es Zweifel am letztendlichen Erreichen des Ziels. Ständig lag er im Bereich des fünften bis achten Gesamtplatzes. Gegen 1 Uhr war die Hälfte geschafft und mit Anbruch der Helligkeit waren schon 80 Runden absolviert. Jetzt galt es nur noch durchzukommen, zunehmend machte sich ein Glücksgefühl in Anbetracht des nahenden Zieles breit, und der innere Schweinehund hatte immer weniger zu melden. Schließlich nach insgesamt 18:08:53 h war es vollbracht. Unter dem Beifall der zahlreich anwesenden Zuschauer war auch der letzte Anstieg gemeistert und Thomas Kummer konnte sich als Neuling in der Ultra-Läufergilde im Ziel über einen hervorragenden siebenten Platz freuen. Insgesamt ist er 79 400 Stufen gestiegen und hat zwei Marathons (84 km) zurückgelegt. „Es war ein wunderbares Erlebnis, fantastisch die Organisation, das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Sportlern einmalig. Beim Zieldurchlauf sind mir die Tränen gekommen. Das vergisst man ein Leben lang nicht. Und ich weiß wieder einmal, dass in jedem von uns viel mehr steckt, als man vielleicht meint“, so Kummer voller Emotionen unmittelbar danach. Sein besonderer Dank gilt seinen Freunden, Bekannten, Mitstreitern seiner Renntierlaufgruppe sowie dem Verein „Kraft & Figur“ für die Unterstützung.

Jetzt ist es amtlich, sein Name wird am Gipfelkreuz oberhalb der Treppe angeschlagen.