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| 02:40 Uhr

16-Jährige bringt gern Schwung in die Dinge

Die Entscheidungsfindung im Hoyerswerdaer Rathaus und Ratssaal könnten nach dem Geschmack der Jugendstadtratsvorsitzenden Marija Skvoznikova durchaus etwas zügiger vonstattengehen.
Die Entscheidungsfindung im Hoyerswerdaer Rathaus und Ratssaal könnten nach dem Geschmack der Jugendstadtratsvorsitzenden Marija Skvoznikova durchaus etwas zügiger vonstattengehen. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Sie haben im zu Ende gegangenen Jahr für positive Schlagzeilen gesorgt – oder auch ganz im Stillen ein großartiges Vorhaben zu Ende gebracht, mutige Entscheidungen getroffen oder tolle Erfolge erzielt. Die RUNDSCHAU stellt solche "Menschen 2016" vor. Heute: Jugendstadtratsvorsitzende Marija Skvoznikova. Mandy Fürst / mft1

Nach zweijähriger Orientierungszeit hat Marija Skvoznikova im Oktober 2016 den Vorsitz des Jugendstadtrates ihrer Heimatstadt übernommen. Seither kämpft die Zehntklässlerin vom Leon-Foucault-Gymnasium um Anerkennung, Mitsprache und die richtige Zielstellung für das jüngste Komitee von Hoyerswerda.

Marija schlendert selten entspannt durch die Kulturfabrik. Sie kommt nicht umhin, eine der weißen Kugeln anzuschubsen, die auf der Galerie hängen. Sie bringt gerne Schwung in Dinge, die an seidenen Fäden baumeln. Egal, ob sie gerade den Melchior im Krippenspiel des Martin-Luther-King-Hauses oder Mathe-Nachhilfe für Mitschüler gibt. Ob sie ein neues Stück auf der Gitarre übt, mit den Kollegen der Schülerfirma ein Projekt organisiert oder für den Jugendstadtrat ihrer Heimatstadt Hoyerswerda unterwegs ist - in jeder Stunde ihres Tages scheint es Marija um Ergebnisse zu gehen. Aber sie möchte nicht nur etwas bewegen. Sie möchte Ziellinien queren. Für sich selbst oder für andere. Neuerdings ist das Mädchen, das zwischen den Feiertagen 16. Geburtstag feierte, auch noch beratende Bürgerin im Schul-, Kultur- und Sozialausschuss und im neu bestellten Ausschuss für Stadtentwicklung.

Vieles dauert ihr zu lange

Obwohl ihre Freizeit immer schmaler wird, geht ihr vieles nicht schnell genug voran. Kaum ein Tag ist seit ihrer Wahl zur Vorsitzenden des Jugendstadtrates vergangen, an dem sie nicht in einer Stadtrats- oder Fraktionssitzung, bei der Wirtschaftsförderung, der Zusak, der Wohnungsgesellschaft, in der Medienwerkstatt der Kulturfabrik oder an sonst irgendeiner Stelle in Hoyerswerda bei Menschen saß, von denen sie sich Unterstützung für den Jugendstadtrat erhofft. Allerorts wurden ihr Interesse, Verständnis und Unterstützungswillen signalisiert. Für Marija aber zählen nur zeitnahe Ergebnisse. Die Sitze in den Ausschüssen beispielsweise seien eigentlich eine Idee ihres Vorgängers Christian Völker-Kieschnick gewesen, räumt Marija ein. Aber die Entscheidung habe, wie so viele andere, ein halbes Jahr im Rathaus festgehangen, bis ihr eigentlichen Initiator wegen des Abschlusses der Berufsausbildung seinen Schülerstatus und somit den Platz im Jugendstadtrat verloren hatte. Für solche Verzögerungen bringt Marija wenig Verständnis und Geduld auf.

Ihr sonstiger Eindruck von der kommunalen Politik? Sie könne sich kaum vorstellen, einmal in der Verwaltung zu arbeiten, stellt Marija nachdenklich fest. Die Mitarbeiter würden ziemlich unter Beobachtung und in der Kritik durch die Stadträte stehen. Sie habe sich das ganze System doch mehr als ein Miteinander vorgestellt, sagt die Schülerin. Besonders freut sie, dass nun fast jede Stadtratsfraktion eine Begleitperson für die Mitglieder des Jugendstadtrates zugesagt hat. Die betreffenden Stadträte werden für die nächste Sitzung am 16. Januar eingeladen.

Videoreihe über Hierbleiber

Im Januar wird auch der Leitfaden für die geplante Videoreihe entstehen. In zehn bis 15 Kurzfilmen sollen Protagonisten aus unterschiedlichen Lebensbereichen das Hierbleiben aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Jugendliche und Pädagogen, Unternehmer, Politiker und Kulturschaffende bekommen die Gelegenheit, vor der Kamera zu erzählen, warum sie in Hoyerswerda geblieben oder hierher zurückgekehrt sind. Für dieses Projekt haben Marija und ihre Mitstreiter schon einige Unterstützer gewinnen können.

Sie 16-Jährige ist gespannt auf das, was die Protagonisten zu diesem Thema erzählen werden. Sie selbst ist erst vor sechs Jahren aus Kasachstan nach Hoyerswerda gekommen. Das ruhige Städtchen mit den vielen Möglichkeiten ist ihr ans Herz gewachsen. Marija ist gern in ihrer Schule, der Kirchengemeinde, der Musikschule und natürlich in der Kulturfabrik aktiv.

Die junge Frau setzt ganz bewusst Prioritäten. Und das sollten auch die anderen Jugendstadträte tun, findet sie. "Ich brauche Jugendliche, die auch wollen", mahnt sie ihre Mitstreiter an. Sie sehe sich weder als Veranstalterin noch als Zusammenhalterin der Gruppe. Für einige Vertreter, die überhaupt nicht zu den Sitzungen kommen, hat sie keinerlei Verständnis. Um diesem so anhaltenden wie ärgerlichen Phänomen entgegenzuwirken, steht ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste der Jugendstadtratsvorsitzenden. Marija möchte 2017 mit den Vertrauenslehrern der Schulen ins Gespräch kommen. Sie möchte ihnen einen besseren Einblick in die Arbeit des Jugendstadtrates vermitteln, damit die Pädagogen in ihren Schulen die richtigen Schüler ansprechen. So wie ihr Vertrauenslehrer es getan hat.

Und dann würde sie noch den Oberbürgermeister gern mal persönlich fragen, was er eigentlich vom Jugendstadtrat hält. Vielleicht ergibt sich ja 2017 auch dafür eine Gelegenheit.