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16 000 Euro für Zinzendorfs Stammsitz

Während das Haupthaus des Berthelsdorfer Schlosskomplexes bereits fertig saniert ist, muss an die Nebengebäude noch Hand angelegt werden.
Während das Haupthaus des Berthelsdorfer Schlosskomplexes bereits fertig saniert ist, muss an die Nebengebäude noch Hand angelegt werden. FOTO: DSD/Marie-Luise Preiss
Berthelsdorf. Bei der Sanierung des Zinzendorf-Schlosses in Berthelsdorf (Stadt Herrnhut) kann ein neuer Abschnitt in Angriff genommen werden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat weitere 16 000 Euro für die Instandsetzung des Gebäudekomplexes bereitgestellt. Es bildet die Keimzelle der Herrnhuter Brüderunität. Uwe Menschner / ume1

Spielen kann süchtig machen. Vor jeder Lotto-Ziehung flimmert diese Warnung über den Bildschirm. Die Spielleidenschaft der Deutschen hat aber auch positive Effekte: So profitiert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) von den Einnahmen der "Glücksspirale", der Rentenlotterie des Deutschen Lotto- und Totoblocks. Fast eine halbe Milliarde Euro flossen seit 1991 aus dieser nie versiegenden Quelle in die verschiedensten Denkmalschutzprojekte.

Mehr als 100 000 Euro stellte die DSD seit 2003 dem Freundeskreis Zinzendorf-Schloss Berthelsdorf zur Verfügung, der sich den Erhalt und die Wiedernutzbarmachung des historischen Gebäudes zur Aufgabe gemacht hat. "Die langjährige Sanierung und Restaurierung ist insgesamt gut gelungen und zeigt in vielen Details überzeugende denkmalpflegerische Leistungen", resümiert der Vorsitzende des DSD-Ortskuratoriums Zittau, Dr. Thorsten Pietschmann. Was jetzt noch fehlen würde, seien "Restarbeiten im Inneren."

Um diese erledigen zu können, erhält der Freundeskreis 16 000 Euro von der Denkmalschutzstiftung. "Das Geld soll zur Aufarbeitung der Fenster, Türen und Tore im Erdgeschoss des Speichers dienen", präzisiert Andreas Taesler, Pfarrer und Vorsitzender des Freundeskreises. Der Speicher als Nebengelass bildet - nachdem die Arbeiten am Hauptgebäude des Schlosses weitgehend abgeschlossen sind - ohnehin den Schwerpunkt der gegenwärtigen Bemühungen: "Schon im letzten Jahr wurde der Turm des Speichergebäudes erneuert und strahlt in sauberem Weiß. Auch die alten Glocken läuten wieder im Takt der Zeit. Die Sanierung der Fassade des Speichers ist abgeschlossen. Jetzt geht es an den Innenausbau, entstehen soll ein Konzertsaal", berichtet Andreas Taesler. Beim Speicher handelt es sich um ein 1800 errichtetes und zuletzt als Rinderstall genutztes Gebäude mit charakteristischen Gewölbedecken, der nach seiner Sanierung quasi das "kulturelle Zentrum" des Schlosskomplexes bilden soll.

Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und Pottendorf, Begründer der "Herrnhuter", hatte das Anwesen in Berthelsdorf 1721 von seiner Großmutter, Landvögtin Henriette Katharina von Gersdorf, gekauft. Er bewohnte das von ihm 1721/22 neu errichtete Schloss bis 1727. Vier Jahrzehnte Leerstand zu DDR-Zeiten und nach der Wende ließen den Gebäudekomplex nahezu verfallen. Fehlende Wasserableitungen hatten zu starker Durchfeuchtung geführt, die wiederum Deckeneinbrüche verursachten. Die Treppen waren teils zerstört. Der 1998 gegründete Freundeskreis hat dem Verfall ein Ende gesetzt und den Schlosskomplex von der Ruine wieder in ein Schmuckstück verwandelt.