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101 Fahrer kämpfen an der "steilen Hölle"

Hier quälte sich Matthias Stierholz mit seiner "Simi" den Hang hinauf.
Hier quälte sich Matthias Stierholz mit seiner "Simi" den Hang hinauf. FOTO: amz1
Geierswalde. Auf dem Koschendamm am Geierswalder See ist am Wochenende so richtig die Post abgegangen. Denn 101 Fahrer wollten mit ihren Simson-Mopeds die "steile Hölle", einen extra präparierten Hang hoch über dem See, bezwingen. amz1

Mancher schaffte auf der rund 55 Meter langen Strecke zwar nur die ersten zehn Meter, aber letztendlich stand der Spaß im Vordergrund. Erst vor zwei Monaten sei entschieden worden, überhaupt die elfte Auflage des Steilhangrennens durchzuführen, berichtet Organisationschef Tobias Kempe.

"Wir", damit meint der Geierswalder den örtlichen Jugendklub, "sind diesmal relativ spät aus der Hüfte gekommen." Doch dann sei alles ziemlich schnell gegangen: die Erlaubnis bei der Bergbausaniererin LMBV einholen, weitere Genehmigungen beantragen und nicht zuletzt die Logistik organisieren. Die Werbung sei indes recht klein gehalten worden. "Ein Hinweis auf unserer Facebook-Seite hat gereicht, und die Fahrer meldeten sich bei uns", berichtet Kempe. Tatsächlich sind in diesem Jahr 101 Starter dabei, wesentlich mehr seien kaum mehr händelbar. Die weiteste Anreise mit 780 Kilometern habe indes ein Simson-Fahrer aus der Schweiz nach Geierswalde gewagt. Allerdings stamme der junge Mann ursprünglich aus der Bierstadt Radeberg. Aus der Nähe von Wolfsburg, allerdings noch in Sachsen-Anhalt, kommt Matthias Stierholz. Der 30-jährige VW-Zulieferer schafft es mit seiner 29 Jahre alten "Simi" fast die "steile Hölle" hinauf. Erst bei gut 43 Metern geht der Maschine die Puste aus. Stierholz strahlt über seinen Erfolg. "Wenn wir hier mal in der Ecke sind, wird öfter geübt", erklärt der Sachsen-Anhaltiner.

Er und sein sechsköpfiges Team seien schon das dritte oder vierte Mal beim Steilhangrennen dabei. "Wir schätzen das lockere Flair und die netten Leute", begründet Stierholz seine Intention. Besonderer Hingucker an seinem Moped ist indes der knallrote Feuerlöscher. Dieser sollte im Brandfall aber keineswegs eingesetzt werden. "Darin befindet sich nämlich mein Tank", erklärt der 30-Jährige. Darüber hinaus sorgen manche Starter auf ihre eigene Art für Furore und kreischende Zuschauer. Beispielsweise ein junger Mann, den alle "Seppl" rufen, der aber seinen eigentlichen Namen nicht verraten will. Aufs Moped steigt er im Schweinskostüm. "Seppl" hat zwar nicht mal 15 Meter mit seiner Simson geschafft, doch dafür springt er volle Kanne in das extra von mehreren Feuerwehren präparierte Wasserloch mitten auf der Bahn. "Man muss manchmal eben ein Schwein sei", lautet die logische Begründung. Aus Geierswalde ist Lokalmatador Ludwig Hoffmann am Start. Der 22-jährige Autoverkäufer fungiert gleichzeitig als Ansprechpartner im Organisationsbüro. "Mein Team und ich verkaufen Buttons, Käppis, kümmern uns um die Rennorganisation und betreuen die Fahrer", erzählt Hoffmann. Für die finalen Läufe hätten seine Weiten allerdings nicht gereicht. "Aber der Spaß steht ohnehin im Vordergrund." Vor Ort ist auch der Geierswalder Ortsvorsteher Roland Sängerlaub. Allerdings nicht auf einem Moped, sondern mit seiner Kamera. "Alle Achtung, was die Jungs hier wieder auf die Beine gestellt haben", lobt der Kommunalpolitiker. Allerdings geht Sängerlaub nicht davon aus, dass es das Rennen in seiner jetzigen Form noch in einigen Jahren geben wird. "Denn der Koschendamm soll ja bebaut werden. Vielleicht könnte man eine Veranstaltung auf die Beine stellen, bei der direkt das Wasser einbezogen wird. Ich habe da schon mit den Jungs gesprochen, die sind sehr kreativ." Insgesamt gesehen ist die elfte Auflage des Steilhangrennens wieder ein riesiger Erfolg. Protagonist Andreas Reiche spricht von rund 6000 Besuchern an den drei Tagen.