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| 16:21 Uhr

Lauta feiert zwei Jubiläen
100 Jahre oder 101? Die Gartenstadt feiert

Walter Blankenberg steht auf dem Kirchturm der Stadtkirche. Hinter ihm ist der Anger. Er will, gemeinsam mit seinen Mitstreitern vom Verein der Freunde der evangelischen Kirche Lauta-Stadt, vom 15. bis 17.Juni rund um die Kirche ein Festwochenende auf die Beine stellen.
Walter Blankenberg steht auf dem Kirchturm der Stadtkirche. Hinter ihm ist der Anger. Er will, gemeinsam mit seinen Mitstreitern vom Verein der Freunde der evangelischen Kirche Lauta-Stadt, vom 15. bis 17.Juni rund um die Kirche ein Festwochenende auf die Beine stellen. FOTO: LR / Sascha Klein
Lauta. Lauta feiert in diesem Jahr 100 Jahre Aluminiumproduktion und 100 Jahre Gartenstadt. Oder doch schon 101 Jahre? Drei Protagonisten setzen derzeit alles daran, dass die Werkssiedlung in Lauta Nord ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Von Sascha Klein

Walter Blankenberg steht auf dem Turm der Lautaer Stadtkirche und schaut herunter: In knapp zwei Wochen sollen dort unten möglichst viele Gäste zusammenkommen. Denn: Vom 15. bis 17. Juni begeht Lauta das Festwochenende anlässlich 100 Jahre Gartenstadt. Dann wollen die Vereinsmitglieder, möglichst in Garderobe der 1920er-Jahre über den Anger flanieren und Werbung für Lauta, ihren Verein und das Ambiente der einstigen Wohnsiedlung des Aluminiumswerkes machen.

Bis es allerdings soweit ist, haben die Mitglieder des Vereins Freunde der evangelischen Kirche Lauta-Stadt noch jede Menge Arbeit. Ein Projekt soll bis zum Festwochenende jedoch schon erledigt sein: die Pflasterung der Zufahrt von der Nordstraße zur Kirche. Die Arbeiten sollen in dieser Woche beginnen, der Verein hat lange dafür gekämpft. „Dadurch können dann einerseits Fahrzeuge direkt an die Kirche heranfahren“, sagt Vereinsmitglied Walter Blankenberg. Andererseits soll es dann auch Menschen mit Rollstühlen oder Gehhilfen besser möglich sein, die Kirche für Konzerte oder zum Gottesdienst zu erreichen. Eine mobile Rampe ist ebenfalls in Planung, sagt Blankenberg

Kurz vor dem Festwochenende erwartet der Verein hochrangigen Besuch aus Senftenberg. Gemeinsam mit Theater-Chef Manuel Soubeyrand will der Verein vorbesprechen, ob es möglich ist, Theatervorstellungen der Neuen Bühne Senftenberg auch in der Kulturkirche stattfinden zu lassen. Ob das realisierbar ist, ist noch offen.

Was jedoch klar ist: Das Festwochenende soll eine Werbung für Lauta und seine Gartenstadt werden. Am Freitagabend (15. Juni) eröffnet das Konzert von Tino Eisbrenner das Wochenende. Am Samstag (16. Juni) startet das Fest um 14 Uhr an drei Orten: Kirche, Park und Anger. Unter anderem sind Gartenstadtführungen (14.30 Uhr, 15.30 Uhr und 16.30 Uhr), Kirchenführungen mit Turmbesteigung (14, 15, 16, und 17 Uhr) und eine Parkführung (15 Uhr) möglich. Von 14.30 Uhr bis 16 Uhr ist das Orchester Lausitzer Braunkohle vor Ort, ab 17 Uhr gibt es ein gemeinsames Singen. Im Park soll es diverse Aktivitäten geben - unter anderem „Spiele wie vor 100 Jahren“, Armbrustschießen, Kegeln und Hau den Lukas. Ab 20 Uhr ist Kino in der Kirche geplant.

Noch mitten in der Planung steckt Siegfried Erler. Der Vorsitzende der Seniorenakademie Lauta (Senak) hat einen Plan: Im Oktober soll eine Aluminiumstele am Ring in Lauta - direkt an der B 96 - eingeweiht werden. Diese Stele soll an die Geschichte der Aluminiumproduktion in Lauta erinnern, die im Oktober 1918 begonnen hat und im Juli 1990 abrupt endete. „Wir wollen, wie andere Kommunen auch, einen Erinnerungsort haben“, sagt Erler. Die Senak hat das Traditionskabinett im Lautaer Technologiepark eingerichtet und betreut es seitdem. Dort sind noch Erinnerungsstücke aus der Geschichte der Alu-Produktion in Lautawerk erhalten geblieben, unter anderem das Alu-Geld - eine Ersatzwährung, mit der in den 1920er-Jahren in Lautawerk bezahlt werden konnte.

Siegfried Erler ist Vorsitzender der Senak Lauta. Sein Verein initiiert eine Stele anlässlich 100 Jahre Aluminiumproduktion in Lauta.
Siegfried Erler ist Vorsitzender der Senak Lauta. Sein Verein initiiert eine Stele anlässlich 100 Jahre Aluminiumproduktion in Lauta. FOTO: LR / Sascha Klein

Im Moment dreht sich bei Siegfried Erler viel um das Thema Geld. Denn an den beantragten Fördermitteln für die geplante Stele hängt der Erfolg des Projekts. Etwas mehr als 20 000 Euro sollen Stele und Aufbau kosten. Auf rund 10 000 Euro hofft Erler von der sächsischen Kulturstiftung. 50 Prozent der Gesamtsumme seien förderfähig. Er hofft, den Höchstsatz zu bekommen. Ob er ihn bekommt, soll sich bis Ende Juni entscheiden. Den Rest muss der Verein selbst beibringen. „Wir haben bereits einige Firmen in Lauta angesprochen, die bereit sind, uns zu helfen“, sagt Erler. Die einen helfen mit Geld, andere mit Sachleistungen. Darüber hinaus bittet er Interessierte, für das Projekt auf das Vereinskonto zu spenden, damit es wirklich bis zum Oktober realisiert werden kann. (Kontonummer: DE93 85050300 3000 1977 60 bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden; Kennwort: Alu-Stele).

Wo die Stele stehen soll, hat Siegfried Erler bereits mit Lautas Bürgermeister Frank Lehmann geklärt. Sie soll Am Ring, direkt an der B 96, ihren Platz finden. Dort, nahe der gepflanzten Laurentiusglocke, dem Wappen Lautas, ist das 2,20 Meter hohe Denkmal angedacht.

Bereits am kommenden Samstag, 9. Juni, soll das Buch von Gabriele Schluttig Premiere haben. Im Rahmen eines Symposiums im Lautaer Lautech ab 14 Uhr wird die Hobby-Historikerin aus „Lauter Lautaer Geschichten“ vortragen. Zudem lesen Hilmar Erdmann („Ton – Erde – Fabrik – Lautawerk“), Dietmar Dumke („Der ständige Kampf der Kraftwerker ums Überleben“) und Angelika Erler aus den Aufzeichnungen von Herbert Ay.

Ab 13 Uhr soll eine Ausstellung zu sehen sein, die Gabriele Schluttig gerade vorbereitet. Deshalb ähnelt ihr Wohnzimmer im früheren Lautawerkschen Pfarrhaus zurzeit eher einem Mini-Museum: historische Pläne zum Bau der Lautawerkschen Gartenstadt, alte Fotos eines früheren Werkdirektors, alte Straßenkarten. Historisch Interessierte sollten auf ihre Kosten kommen.

Am Ring soll – in der Nähe der gepflanzten Laurentiusglocke – auch das neue Aluminium-Denkmal der Senak Platz finden.
Am Ring soll – in der Nähe der gepflanzten Laurentiusglocke – auch das neue Aluminium-Denkmal der Senak Platz finden. FOTO: LR / Sascha Klein