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| 02:43 Uhr

Zwölf Wölfe in Annaburger Heide

Auch Wölfe kriegen manchmal Kohldampf. Tierhalter sollten sich mit Elektrozäunen gegen ungebetenen Besuch schützen - und das müssen beileibe nicht immer Wölfe sein, so Experten.
Auch Wölfe kriegen manchmal Kohldampf. Tierhalter sollten sich mit Elektrozäunen gegen ungebetenen Besuch schützen - und das müssen beileibe nicht immer Wölfe sein, so Experten. FOTO: Archiv
Herzberg. Der Wolf bleibt auch in der Region Herzberg ein Dauerthema. In der Annaburger Heide, die bei Züllsdorf an das Herzberger Stadtgebiet grenzt, leben mittlerweile zwölf Wölfe, ist sich Dietrich Krill, Vorsitzender des Jagdverbandes Herzberg, sicher. Erst vor einigen Wochen wurden hier sechs Wolfsjunge geboren. Birgit Rudow

Die Herzberger Jäger haben nichts gegen die Wiederansiedlung der Wölfe, schon gar nicht wolle man die Population ausrotten, versichert Dietrich Krill. Doch man müsse sich mit der Problematik auch aus Sicht der Jägerschaft intensiv ausein-andersetzen, meint er.

Die etwas 11 000 Hektar große Annaburger Heide befindet sich im Eigentum des Bundesforstbetriebes. "Ich habe mich kürzlich mit den Verantwortlichen unterhalten. Sie haben mir bestätigt, dass vor ein paar Wochen im September sechs Wolfsjunge zur Welt gekommen sind. Es ist mittlerweile auch fotografisch erwiesen, dass in der Heide ein Rudel mit sechs Jungen lebt", sagt der Chef der Herzberger Jagdgemeinschaft. Weitere vier Wölfe seien aus einzelnen Beobachtungen bekannt, sagt er.

Eigene Datenerfassung

In der Nacht von Montag zu Dienstag dieser Woche sind im Bereich Züllsdorf zwei Rotwildkälber vom Wolf gerissen worden. Der Jäger hat das klar nachgewiesen. Diese Fälle häufen sich, nicht nur in der Annaburger, sondern auch in der Rochauer Heide. "Bei Lebusa und Freileben werden ebenfalls immer wieder vom Wolf verursachte Wildrisse beobachtet. Von Wolfsnachwuchs ist uns hier aber nichts bekannt", erklärt Krill. Die Jäger, so der Vorsitzende der Jagdgemeinschaft, trauen den Naturschutzeinrichtungen und der Jagdbehörde beim Land nicht mehr. "Wir kommen damit nicht klar, weil Zahlen den Wolf betreffend immer wieder nach unten gerechnet werden", sagt er seine Meinung. Deshalb habe man beim Landesjagdverband jetzt eine eigene Datenerfassung eingerichtet und für alle Jagdverbände in den Kreisen einen Wolfsbeauftragten ernannt. Für den Jagdverband Herzberg übt Bernhard Knöfel aus Schönewalde diese Funktion aus, so Krill.

Sachsen ist weiter

Der Chef des Herzberger Jagdverbandes befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wolf. Er ist der Meinung, dass das Problem bei Behörden mitunter sehr blauäugig betrachtet wird. "Es werden von Jahr zu Jahr mehr Wölfe. Und niemand hat in Brandenburg ein Rezept dafür, was zu tun ist, wenn es wirklich mal zu Problemen kommt", so Krill. In Sachsen sei man schon einen Schritt weiter. Dort sei der Wolf im Jagdgesetz verankert. "Ob das richtig ist oder nicht, sei dahingestellt. Ich will den Wolf nicht verteufeln. Aber es muss doch wenigstens die Möglichkeit bestehen, ein Problemtier zu schießen", sagt er.

Dass vom Wolf eine Gefahr für den Menschen ausgeht, das sieht er im Moment noch nicht. Der Wolf habe derzeit dank des hohen Wildbestandes kein Problem damit, satt zu werden. "Man kann die Gefahr für Menschen aber nicht völlig ausschließen. Auch wenn viele Fachleute das nicht gern hören. Osteuropa ist der Beweis. Hier gibt es immer wieder Angriffe auf Menschen, nicht nur im Winter. In Russland laufen Bekämpfungsaktionen, weil der ländliche Bereich unter dem Wolf leidet", so Krill.

Konkurrent für die Jäger

Seine zunehmende Anzahl mache den Wolf auch immer mehr zum Konkurrenten für den Jäger. Ein Wolf, so erklärt Dietrich Krill, benötige pro Tag zwischen 2,5 bis 4 Kilogramm Fleisch. "Das bedeutet, die Wölfe in der Annaburger Heide brauchen zum Beispiel etwa zwei Kälber Rotwild am Tag. Das lässt sich leicht auf das Jahr hoch rechnen", sagt er.

Er habe bereits im Frühjahr mit der Jagdbehörde erörtert, ob man für den Bereich Herzberg nicht die Abschusspläne - außer beim übermäßig vorhandenen Schwarzwild - reduzieren sollte, um den Wildbestand auf einer vernünftigen Höhe zu halten. "Findet der Wolf nicht mehr genug Nahrung beim Wild, wird er sich zu den Weidetieren orientieren", so Dietrich Krill

Paradiesisches Schweine-Leben

Für die Jäger im Bereich Herzberg hat Ende Oktober wieder die Zeit der Drückjagden begonnen. Sie dauern bis Ende Dezember. "Der Wildbestand ist nach wie vor sehr hoch, vor allem beim Schwarzwild, obwohl wir es intensiv bejagen", sagt der Vorsitzende. Jahrelang hätten die Jäger darüber gegrübelt, warum sich das Schwarzwild so stark vermehrt. Die Ursache, so Dietrich Krill, liege vor allem im Wandel der Anbaustrukturen der Landwirtschaft. Bei viel Raps, Mais und Sonnenblumen leben die Wildschweine wie im Paradies. "Die Ergebnisse zweier Forschungsprojekte in Eberswalde und Göttingen haben ergeben, dass weibliche Frischlinge wegen der guten Nahrungssituation sehr schnell das Gewicht für die Geschlechtsreife erreichen. Haben früher nur ältere Bachen getragen, so sind es jetzt schon zu 84 Prozent Frischlinge oder ein- bis zweijährige Überläufer. Nur noch 16 Prozent des Nachwuchses verursachen die alten Bachen", erläutert Krill.

Gemeinsam mit der unteren Jagdbehörde des Landkreises legt der Jagdverband Herzberg jährlich seine Abschusszahlen fest. "Die erfüllen wir im Wesentlichen, beim Schwarzwild liegen wir auch darüber", sagt er.

Für die Zeit der Drückjagden bittet Dietrich Krill vor allem die Autofahrer, auf die entsprechenden Hinweisschilder zu achten.

Zum Thema:
Der Jagdverband des Altkreises Herzberg hat derzeit 194 Mitglieder. Im Jagdjahr 2012/2013 vom 1. April 2012 bis zum 31. März 2013 wurden im Altkreis Herzberg 292 Stück Rotwild, 103 Stück Muffelwild, 1634 Stück Schwarzwild und 1497 Stück Rehwild (einschließlich 176 durch Verkehrsunfälle verendete Rehe) erlegt. Damit, so Dietrich Krill, wurde der Abschussplan zu 100 Prozent erfüllt und bei Schwarzwild sogar überboten. Der Vorsitzende geht davon aus, dass das auch im Jagdjahr 2013/2014 so sein wird. Außerdem schossen die Jäger 2012/13 insgesamt 655 Füchse, 292 Waschbären, 45 Marderhunde und 86 Dachse.