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| 01:00 Uhr

Zwischen Feuer und Amboss

Hillmersdorf.. Im Dorf hat sich das seltsam anmutende Hobby von Hilke Leu längst herumgesprochen: Sie sammelt Schrott wie andere Leute Briefmarken. Nur dass sie diesen weder abliefert noch einmottet. Hilke Leu, 41 Jahre alt, zieht – meistens samstagvormittags – eine Arbeitskombi und eine derbe Schürze an, streift dicke Handschuhe über und geht in ihre Schmiede. Dort, am heißen Feuer bringt sie Schrott zum Glühen, um ihm neues Leben einzuhauchen. So wurde schon aus manchem alten Eisen ein bizarrer Engel „geboren“ . Von Gabi Zahn

Wer Hilke Leu am Feuer beobachtet, bekommt das Gefühl, dass die Frau, während das Werkstück glühend heiß und geschmeidig wird, selbst in eine andere Form des Hier-Seins wechselt - in eine medidative. Vielleicht, um dem Material nahe zu sein, es zwar zu biegen, in eine neue Form zu bringen, aber es nicht zu verbiegen, so dass es ungewollt auseinander bricht.

Wie eine Meditation
„Ich bin immer wieder fasziniert davon, was in diesen Minuten mit mir passiert“ , versucht sie diesen Zustand plausibel zu machen. Oft habe sie darüber nachgedacht und eine einzige Erklärung dafür gefunden, warum sie, die von Kindheit an einer künstlerischen Ader nachgeht, ausgerechnet beim Schmieden hängengeblieben ist: Das Spannendste sei der krasse Gegensatz von notwendiger Ruhe und Gelassenheit am Feuer, der dann am Amboss eine relativ kurze Arbeitszeit mit höchster Konzentration folgt. „Ich habe zwar vorher eine Idee, was aus dem Stück entstehen soll, doch darf ich diese nicht starr beibehalten, sondern muss dem Material wandelnd folgen.“ Die Hand sei zwar wichtig. Schmieden, so sagt sie, gehe aber nicht über die Kraft, sondern die eigentliche Arbeit passiere über das Auge.

„Näher bei mir angekommen“
Und mit ihrem Blick scheint sie schon in frühen Kinderjahren viele Dinge abgelichtet zu haben, die ihr bei ihrem Hobby heute sehr zugute kommen. Hilke Leu erzählt: „Ich bin in Magdeburg groß geworden. Mein Vater war Architekt, und wir hatten stets viele Kontakte zu bildenden Künstlern. Insbesondere zu Bildhauern.“ Obwohl sie neben dem Schmiedekurs, den sie in Bremerhaven an der dortigen Volkshochschule besuchte, unter anderem auch Kurse im Zeichen und Aktmodellieren belegte, reizte sie nichts so sehr, wie die Auseinandersetzung mit der plastischen Gestaltung von glühendem Eisen. „Nach dem Schmiedekurs vor drei Jahren wusste ich, dass ich ein Stück näher bei mir angekommen bin.“
Wie sehr, das erfuhr sie erst durch die Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte nach dem Tod ihrer Mutter. Und an dieser Stelle wird es fast etwas mystisch. Hatte sie bisher immer geglaubt, dass ihr die künstlerische Ader eher von Vaters Seite her vererbt worden war, so las sie in alten Unterlagen der mütterlichen Linie, dass es in deren ostpreußischen Heimat über viele Jahrhunderte lang Schmiedemeister in der Familie gegeben hat, selbst noch zu Zeiten des Urgroßvaters. So besteht also die Möglichkeit, dass die kreativen Gene des Vaters sich mit denen der handwerklichen Veranlagung der mütterlichen Seite zu einer gelungenen Kombination zusammengefunden haben. Obwohl Hilke Leu beruflich gar nicht diese Richtung einschlug. Sie studierte Landwirtschaft und arbeitet heute in der Tierarztpraxis mit ihrem Mann zusammen.
Sind es nun erneut die Gene oder eher die Tatsache, dass die beiden Töchter, 13 und 15 Jahre alt, zur Freude von Mutter und Vater selbst schon Schmiedekurse belegt haben?
Sie alle, aber auch ihre Nachbarn und Freunde freuen sich mit ihr auf die morgige Vernissage. Denn nach der Beteiligung an der Amateurkunstausstellung im Finsterwalder Kreismuseum im Vorjahr hat sie erstmals im Landkreis eine eigene Exposition in der Seitenkapelle der Herzberger Stadtkirche. Ihr Titel: „FeuerWerk“ .

Ab morgen: „FeuerWerk“
Die Vernissage ist morgen um 11 Uhr und verheißt ob des eben geschilderten Hintergrunds sowohl künstlerisch, aber auch philosophisch interessante Details.
Pastorin Renate Timm nahm das Angebot zu dieser Ausstellung sehr gern an und ist ebenso wie Hilke Leu sehr gespannt auf das Publikum.