ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 05:48 Uhr

In Wahrenbrück regt sich Widerstand
Zwei Wehre sollen weg – und dann?

 Laut Planungen des Landesamtes für Umwelt sind die Tage des Wehrs in der Kleinen Elster in Wahrenbrück gezählt. Es soll im Zuge der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit verschwinden.
Laut Planungen des Landesamtes für Umwelt sind die Tage des Wehrs in der Kleinen Elster in Wahrenbrück gezählt. Es soll im Zuge der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit verschwinden. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Wahrenbrück. In Wahrenbrück herrscht Unverständnis angesichts der Pläne, die das Landesumweltamt hinsichtlich der beiden Wehre an der alten Mühle und am Zufluss der Kleinen in die Schwarze Elster vorantreibt. Von Sylvia Kunze

Die Pläne liegen auf dem Tisch: Der Gewässerverband „Kleine Elster-Pulsnitz“ soll sich im Auftrag des Landesamtes für Umwelt um die „Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit am Mündungswehr der Kleinen in die Schwarze Elster in Wahrenbrück“ kümmern. Es sind drei Varianten geprüft worden: Rückbau der Wehranlage und Bau eines Raugerinnes, Erhalt der Wehranlage und Bau einer technischen Fischaufstiegsanlage (Schlitzpass) sowie Rückbau der Wehranlage und Bau eines Raugerinnes mit Bypass zur Entlastung. Letztgenannte ist die Vorzugslösung der Planer.

Thomas Frey, Pressesprecher des Landesamtes für Umwelt, begründet die Wichtigkeit des Vorhabens: „Das Landesamt für Umwelt setzt mit dem Vorhaben erste Schritte der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) an der Kleinen Elster um. Stark zusammengefasst strebt die WRRL an, alle vorhanden Flüsse, Seen, Grundwasser und Küstengewässer in einen qualitativ ,guten Zustand’ zu überführen. Zu einem guten ökologischen Zustand eines Oberflächengewässers gehört auch dessen Durchgängigkeit für seine Bewohner, vor allem Fische, aber auch andere, an aquatische Lebensräume gebundene Organismen.“

Dabei sei das Vorhaben in Wahrenbrück durchaus eine „große technische Herausforderung“, so Frey weiter, weil an der Kleinen Elster die Einhaltung der Mindestwasserstände gefordert worden sei. Der Umbau in der Form einer Anlage eines Raugerinnes mit Beckenstruktur sichere eine gute Durchgängigkeit, auch bei Niedrigwasser, und trage zur Erhöhung der Strukturvielfalt des Gewässers bei. Gleichzeitig könnten die Wasserstände oberhalb stabil gehalten werden, berichtet der Pressesprecher.

Zur Art und zum Umfang des geplanten Vorhabens war in den kürzlich im Rathaus der Stadt Uebigau-Wahrenbrück ausliegenden Plänen für das Planfeststellungsverfahren zu lesen: „Die in der Vorplanung abgeleitete Vorzugsvariante sieht einen Rückbau der Wehranlage einschließlich der elektrischen Anlagen, den Bau eines Raugerinnes mit Beckenstruktur und den Bau eines Bypasses vor.“

Mit einbezogen in die Betrachtungen wird auch das historische Mühlenwehr. Zu diesem heißt es: „Das Mühlenwehr befindet sich in einem stark desolaten Zustand und weist erhebliche Mängel hinsichtlich der Verkehrs- und Standsicherheit auf. (...) Die Wehranlage soll im Zuge der Maßnahme vollständig aus dem Gewässer entfernt werden.“

 Das unter Denkmalschutz stehende Wehr an der Mühle in Wahrenbrück soll ebenfalls abgerissen werden. Widerstand gegen diese Pläne tut sich auf.
Das unter Denkmalschutz stehende Wehr an der Mühle in Wahrenbrück soll ebenfalls abgerissen werden. Widerstand gegen diese Pläne tut sich auf. FOTO: LR / Sylvia Kunze

Gegen diese Pläne regt sich in Wahrenbrück Widerstand. Ortsvorsteher Bernd Müller hat seine Einwendungen längst formuliert. Für ihn steht fest: „Ich sehe das dringende Erfordernis, das Mündungswehr zu erhalten und das Staurecht über den 1. März 2020 zu verlängern.“ Denn: Nach dem Rückbau des Mündungswehres gäbe es keine Möglichkeit mehr, den Wasserstand zu regulieren. Im Falle eines Hochwassers schwant dem Wahrenbrücker Schlimmes bezüglich des Rückstaus in die Kleine Elster. Aber auch aufgrund der enormen Wasserschwankungen der Vorjahre wäre die weitere Staumöglichkeit aus seiner Sicht unbedingt erforderlich.

Müller geht, wird die Baumaßnahme so umgesetzt wie geplant, von einer dauerhaften Absenkung des Wasserspiegels aus. Die brächte Gefahren sowohl für betroffene Bausubstanz der in der Nähe befindlichen Gebäude, insbesondere der alten Wassermühle, und natürlich der im Einzugsgebiet der Kleinen Elster befindlichen Wiesen und Weiden mit sich. „Die dauerhafte Absenkung wird den Charakter der Kulturlandschaft nachhaltig und zum Negativen hin verändern“, ist er überzeugt. Hinzu kämen negative Folgen für den Gewässertourismus in diesem Bereich.

Thomas Frey widerspricht: „Der Rückbau des Wehres und die Herstellung des Raugerinnes führen aus hydrologischer Sicht nicht zu Wasserstandsveränderungen, die Auswirkungen auf den Gewässertourismus im Kleinen Spreewald haben könnten.“

Bernd Müller kann und will das nicht glauben. Auch Marleen Mirbach, die in der alten Mühle wohnt, hat ihre Zweifel. „Bisher ist fast immer angestaut worden. Das würde dann wegfallen. Das Fundament des Hauses braucht aber den Wasserdruck. Dem Gebäude tut man damit bestimmt nichts Gutes“, argwöhnt sie. „Und was passiert bei Hochwasser? Dann läuft das ganze Wasser bei uns rein“, befürchtet sie und kritisiert: „Bis jetzt war noch kein Planer in der Mühle drin und hat sich das mal richtig angeschaut.“

Ortsvorsteher Bernd Müller ist zudem noch auf einen anderes schützenswerten Aspekt gestoßen. „Hier ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling heimisch. Das ist ein Schmetterling, der auf europäischer Ebene streng geschützt ist. Die dauerhafte Absenkung des Wasserspiegels in der Kleinen Elster würde seine Art selbst sowie die für dessen Bestand erforderlichen Arten wie Rote Gartenameise und Großer Wiesenknopf gefährden“, gibt der Wahrenbrücker zu bedenken. Die Naturwacht Brandenburg rückt diese Arten bei einer Schmetterlingsexkursion am 17. August in den Blickpunkt. Zugleich macht Müller sich Sorgen um die Stachelnusslöcher am Torfstich, der vermutlich austrocknen werde.

Bleibt abzuwarten, wie das Planfeststellungsverfahren weitergeht. Als nächstes müsse die Anhörungsbehörde die Stellungnahmen der Behörde zu dem Plan mit dem Träger des Vorhabens, den Behörden, den Betroffenen sowie den Personen, die Einwendungen erhoben haben, erörtern.

Eine konkrete Terminkette könne derzeit nicht genannt werden. Es bleibe abzuwarten, wie viele Einwendungen vorgetragen werden, wie erheblich diese seien und welche Auswirkungen sie auf die Planungen hätten, so Frey.