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| 20:07 Uhr

Zu Gast beim Frühschoppen der Weinbauern
Der Frost-Schock ist überwunden

 Zu Pfingsten konnten die Schliebener Weinbauern schon wieder mit ihren Gästen feiern. Hinten links die Vorsitzende des Vereins Annette Engel. Angestoßen wurde mit dem neuen Jahrgang, der in Qualität wie Quantität ausgesprochen üppig ausgefallen war.
Zu Pfingsten konnten die Schliebener Weinbauern schon wieder mit ihren Gästen feiern. Hinten links die Vorsitzende des Vereins Annette Engel. Angestoßen wurde mit dem neuen Jahrgang, der in Qualität wie Quantität ausgesprochen üppig ausgefallen war. FOTO: Dieter Müller
Schlieben. Zwei Drittel der Reben auf dem Schliebener Weinberg sind erfroren. Die Winzer nehmen es gelassen. Von Birgit Rudow

Es ist eine schöne Tradition, dass am Pfingstsonntag viele Zuhörer des frühmorgendlichen Pfingstsingens am Spring im Laufe des Vormittags den Kaffeebecher mit dem Weinglas tauschen und den noch jungen Tag beim Frühschoppen der Schliebener Weinbauern auf dem Langen Berg fortsetzen. So war es auch in diesem Jahr. Um punkt 7 Uhr eröffnete der Schliebener Männerchor das Pfingstsingen, bei dem er vom Frauenchor Schlieben, vom Gesangverein „Frohsinn 1877“ Langengrassau und den „Dürrenhofer Jagdhornbläsern“ unterstützt wurde. Gegen 10 Uhr ging es dann zu den Winzern, die den neuen Jahrgang ausschenkten. Schließlich war 2018 ein ausgezeichnetes Weinjahr.

In diesem Jahr werden die Schliebener Weinbauern aber Abstriche machen müssen, das wissen sie schon jetzt. Der Frost in der Nacht vom 4. zum 5. Mai hat den Berg voll erwischt. Die Vorsitzende des Schliebener Weinbauvereins Annette Engel schätzt den Ernteverlust auf etwa 75 Prozent. „Der Bacchus ist fast komplett hin und der Regent ist total weggefroren. Der Müller-Thurgau steht etwas geschützter, bei ihm ist es nicht ganz so schlimm“, sagt sie. Die Winzer hoffen auf die so genannten schlafenden Knospen. Aber viel Hoffnung machen sie sich nicht. 2011 hat ihnen der Spätfrost ebenfalls in der Nacht auf den 5. Mai schon einmal die Hälfte der Ernte gekostet. 2009 gab es große Probleme mit dem Winterfrost von bis zu minus 27 Grad.

„Natürlich sind wir sehr traurig, denn es steckt sehr viel Herzblut in unserer Arbeit. Aber wir können die Natur nun mal nicht überlisten“, sagt Annette Engel. Frostfeuer erfordern auf ihrer kleinen Anlage zu viel Aufwand, zumal sich schlecht einschätzen lässt, ob und wann der Frost einsetzt und wie der Wind steht. Teure Winzer-Frostschutzversicherungen lohnen sich für den kleinen Verein nicht. Also setzt man sich der Natur aus. „Wir müssen ja nicht vom Weinanbau leben“, sagt die Vorsitzende. Zum Glück hatte das vergangene Jahr mit insgesamt etwa neun Tonnen ein Rekordergebnis gebracht, so dass der Vorrat noch bis ins nächste Jahr reichen dürfte. Etwas verwundert sind die Schliebener darüber, dass in anderen Gebieten des Sächsischen Weinbauverbandes, dem sie angehören, kaum Frostschäden zu verzeichnen sind. „Wir scheinen die einzigen zu sein. Diesmal sind die anderen verschont geblieben. Es hat aber auch schon Jahre gegeben, in denen wir mit dem blauen Auge davon gekommen sind“, sieht Annette Engel die Situation mittlerweile gelassen.

 Wilfried Engel vom Weinbauverein hat vor zwei Wochen den erfrorenen Bacchus begutachtet. Da ist kaum noch etwas zu machen.
Wilfried Engel vom Weinbauverein hat vor zwei Wochen den erfrorenen Bacchus begutachtet. Da ist kaum noch etwas zu machen. FOTO: Dieter Müller

Zu tun gibt es für die Mitglieder des Weinbauvereins dennoch jede Menge. Jeden Dienstag geht es auf den Berg. Die Bänke und die Laube sollen wieder einmal gestrichen werden. „Und durch die Reihen müssen wir genauso oft gehen. Schließlich wollen wir im nächsten Jahr wieder gute Erträge ernten“, sagt die Chefin. Trübsal blasen gilt nicht. Und so wurde am Pfingstsonntag der traditionelle Frühschoppen auch wieder zünftig gefeiert.