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| 02:34 Uhr

Zusatzname für Herzberg diskutiert

Ist das die Lösung für den Beinamen der Stadt Herzberg?
Ist das die Lösung für den Beinamen der Stadt Herzberg? FOTO: Repros: Christian Poser
Herzberg. Melanchthonstadt oder nicht? Wieder ist das ein Thema in Herzberg. Doch jetzt kommt der Namensvorschlag "Stätte der Reformation" ins Spiel. Birgit Rudow

Es war am Donnerstag der dritte Anlauf der Herzberger Stadtverordneten, einen Beschluss herbeizuführen, um für die Stadt den Zusatznamen "Melanchthonstadt" beim Land zu beantragen. Eingebracht hatten die entsprechende Beschlussvorlage die beiden CDU-Abgeordneten Kornelia Graßmann und Madlen Kellner. Schon im Februar 2013 waren sich die Abgeordneten im Hauptausschuss zu diesem Thema nicht einig gewesen. Im Mai 2014 das gleiche Bild. Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) hatte den Beschluss damals in der Stadtverordnetenversammlung zurückgezogen. Zwei Monate zuvor hatte der Historiker Mario Huth in einem Vortrag herausgearbeitet, dass ein nachgewiesen einmaliger Aufenthalt von Philipp Melanchthon in Herzberg und die von ihm verfasste Schulordnung als Alleinstellungsmerkmal nicht reichen würden.

Nun also haben es die beiden Stadtverordneten noch einmal versucht. Mit der Begründung, dass nach der Änderung der Brandenburgischen Kommunalverfassung im Mai 2013 bereits 15 Gemeinden die Gelegenheit zur Führung eines Beinamens genutzt hätten und es eine Ehre für die Stadt Herzberg sei, den Beinamen "Melanchthonstadt" zu tragen.

Doch auch diesmal haben die Abgeordneten diesen Beschluss nicht gefasst. Aber nicht, weil es erneut Streit darüber gab, ob das, was an Melanchthon in Herzberg steckt für solch einen Zusatz reicht, sondern weil der Abgeordnete Ulf Lehmann (Herzberg zählt) einen sozusagen weiterreichenden Vorschlag eingebracht hat. Lehmann ist engagierter Regionalhistoriker und hat sich im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum ausführlich mit dem Thema Herzberg und Reformation befasst. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Herzberg viel mehr zu bieten hat als "nur" Melanchthon. In einer kleinen Präsentation hat er das Thema einmal in Gänze betrachtet. Er führte zum Beispiel an, dass in Herzberg am 16. Februar 1522 bereits der erste lutherische Gottesdienst abgehalten wurde. "So früh wie nirgendwo in Brandenburg", sagte Lehmann.

Als Luther im April 1522 in Herzberg war, sei das Kloster bereits aufgelöst gewesen, weil es seine Daseinsberechtigung verloren hatte. Kurfürst Friedrich der Weise habe sich im Beisein des Herzberger Pfarrers Andreas Wagner zum lutherischen Glauben bekannt und schließlich habe Melanchthon mit der Herzberger Schulordnung eine Grundlage geschaffen. Lehmann erinnerte an Herzberger wie Carl Friedrich Wuras, lutherischer Missionar in Afrika, an den Pädagogen Karl Gustav Heiland, an Johannes Clajus und die Züllsdorfer Schriftstellerin und Theologin Elisabeth Malo.

In den Kirchen des Stadtgebietes spiegelten sich 700 Jahre Baugeschichte wieder. Das sei einmalig, so Ulf Lehmann. Madel habe seine Kirche der Reformation erst zu verdanken. In Buckau sei die lutherische Lehre schon sehr zeitig verbreitet worden. In der Frauenhorster Kirche gebe es viele Erinnerungsstücke an die Reformation und Herzbergs Stadtkirche St. Marien käme in Elbe-Elster eine ganz besondere Stellung zu, so Lehmann. Herzberg habe in Sachen Reformation ein Pfund, mit dem es wuchern könne. Der Lutherpass habe gezeigt, was gutes Marketing bewirkt. Für Herzberg sei ihm Melanchthon viel zu wenig, sagte er und schlug für die Stadt den Beinamen "Stätte der Reformation" vor.

Damit wollen sich die Fraktionen jetzt intensiver beschäftigen. Und vielleicht wird es ja doch noch etwas mit einem Beinamen für die Stadt Herzberg.