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| 14:33 Uhr

„Klassentreffen“ in Großrössen
Zuckertütenfest für die etwas ältere Generation

Viele waren der Einladung ihrer ehemaligen Lehrerin Karin Jaich (r.) zum Schülertreffen am Sonntag nach Großrössen gefolgt und haben sich auf Anordnung des Fotografen hinter dem „Zuckertütenbaum“ versammelt.
Viele waren der Einladung ihrer ehemaligen Lehrerin Karin Jaich (r.) zum Schülertreffen am Sonntag nach Großrössen gefolgt und haben sich auf Anordnung des Fotografen hinter dem „Zuckertütenbaum“ versammelt. FOTO: Rico Meißner
Großrössen. Das Zuckertüten an einem Baum hängen, ist für viele Schulanfänger in dieser Jahreszeit normal. Karin Jaich macht es beim Dorffest in Großrössen symbolisch ebenso, auch wenn die Schüler bereits zum Teil 1968 eingeschult wurden. Aber hier geht es nicht um einen neuen Lebensabschnitt, sondern um eine etwas andere Art von „Klassentreffen“. Von Rico Meißner

Es ist über 50 Jahre her, da gibt Karin Jaich ihren Einstand als Grundschullehrerin in Herzberg. Nach einem Zwischenstopp in Elsterwerda unterrichtet sie an der Schule in Gräfendorf. Sie wird „weggeheiratet“, wie sie es nennt, nach Großrössen. Die Gräfendorfer Schule gehört damals bereits verwaltungstechnisch zu Herzberg und so bleibt es auch, bis sie 1977 geschlossen wird. Dort führt auch die Lehrerin Jaich ihren Dienst weiter, bis zum Vorruhestand. Und noch heute trifft sich das damalige Kollektiv an jedem letzten Dienstag im Monat.

Seit Mitte der 90er-Jahre hat sie ihren Busführerschein, den sie ursprünglich heimlich machte. Zumindest solange, bis ihr Mann feststellte, „wo willste abends eigentlich immer hin?“ Ähnlich erging sich auch eine Diskussion unter Schülern, die sie mitbekam, nämlich, welcher die beste Lehrerin habe. Am Ende habe es geheißen, „aber deine kann nicht Bus fahren“. Jaich findet es auch im Nachhinein noch schön, ihre Schüler zu Wandertagen und Klassenfahrten gefahren zu haben.

Die Verbundenheit mit ihrem ursprünglichen Wirken ist geblieben. Auf einem Dorffest angesprochen mit „weißt du eigentlich noch, dass du mal meine Lehrerin warst“, entwickelt sie einen Plan. Über mündlichen Kontakt, mit Eltern oder ehemaligen Mitschülern, lädt sie ein, die Jahrgänge, die einst unter ihrer Regie zur Schule gingen, wieder in Großrössen zusammen kommen zu lassen. Viele sind dieser Einladung am letzten Wochenende gefolgt.

Dafür gibt es wieder einmal einen „Zuckertütenbaum“. Allerdings gibt es die Süßigkeiten und den extra gravierten Kugelschreiber in der Zuckertüte erst, nachdem man sich vor versammelter Mannschaft auf den alten Schulanfangsfotos, die Jaich in einer Präsentation zusammengestellt hat, selbst identifiziert hat. Das auf dem Kugelschreiber verewigte Wort Klassentreffen möchte sie in Anführungszeichen verstanden wissen.

Es ist eine Art „symbolische Schulstunde“, die Karin Jaich am Sonntagvormittag im Festzelt abhält. Mit allem, was dazu gehört. Und sie selbst zeigt sich mit der Resonanz zufrieden. „Ich finde es ganz toll, dass so viele gekommen sind.“ Und Jaich schiebt nach: „Ich kennen euch solange, ich sage zu keinem von euch Sie.“ Gelächter im Zelt, auch bei dem Satz: „Alles wie früher, die erste Bank ist leer.“

Die ehemaligen Schüler sind sich bei der Frage nach ihrer ehemaligen Lehrerin relativ einig und die Antworten kurz und bündig. „War eine gute Lehrerin“, kommentiert es Frank Lehmann. „Sie war noch sehr jung“, so Roland Böttcher, um dann zu sagen: „Aber das ist sie immer noch.“ Für Fred Seidel gibt es „nur die besten Erinnerungen. Sie war in Ordnung“. Auch Sätze wie „Wir hatten nie Probleme, aber wir waren ja auch alle lieb und aufmerksam“, sind zu hören. Man merkt das Augenzwinkern.

Zur Eröffnung der „Schulstunde“ klappt es einwandfrei. Auf den Aufruf „Seid bereit!“ von Karin Jaich ertönt es vielstimmig mit entsprechendem Gruß „Immer bereit!“. Aber beim Singen „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht ...“ sollte für das nächste Treffen, so es denn stattfinden sollte, noch mal geübt werden.