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Zu wenig Platz in der Förderschule

Für die geistig behinderten Kinder ist das Lernen im alten Lehrerzimmer der Herzberger Förderschule nicht leicht. Es ist viel zu eng. Die Arbeitsmaterialien haben kaum Platz. Sie möchten gern einen richtig großen Klassenraum.
Für die geistig behinderten Kinder ist das Lernen im alten Lehrerzimmer der Herzberger Förderschule nicht leicht. Es ist viel zu eng. Die Arbeitsmaterialien haben kaum Platz. Sie möchten gern einen richtig großen Klassenraum. FOTO: Dieter Müller/dmu1
Herzberg. In der Schule für geistig Behinderte in Herzberg fehlt ein Klassenraum. Kinder und Lehrer leiden darunter. Ein neues Raumkonzept muss her. Birgit Rudow

Es ist eng in der Herzberger Förderschule für geistig behinderte Kinder (GB-Schule). So eng, dass die Lehrerinnen Kerstin Heine und Julia Drescher sowie Erzieherin Heike Jahnke Alarm schlagen.

42 Kinder besuchen die Schule aktuell. In den Vorjahren ist ihre Zahl merklich gestiegen. 2010 waren es 22. Seit in der allgemeinen Förderschule für lernschwache Kinder (die sich im gleichen Gebäude bzw. Komplex befindet) wegen der Inklusion nicht mehr eingeschult werden darf, bemühen sich einige Eltern, ihre Kinder lieber in der Schule für geistig Behinderte beschulen zu lassen als in der "normalen" Grundschule. Marlis Eilitz, Leiterin des Amtes für Jugend, Familie und Bildung des Landkreises, bestätigt das.

Neben den bestehenden fünf Klassen der Eingangsstufe, der Unter-, Mittel-, Ober- und Werksstufe wurde in der Herzberger GB-Schule vor zwei Jahren eine weitere kombinierte Klasse der Mittel- und Oberstufe gebildet, in der zur Zeit sieben Kinder unterrichtet werden. Da nur fünf Klassenräume zur Verfügung standen, wurde das Lehrerzimmer "umfunktioniert". Doch das ist viel zu klein. Die Pädagoginnen drängen jetzt darauf, dass die Kinder einen ordentlichen Klassenraum bekommen. Die Mädchen und Jungen sitzen fast aufeinander und werden deshalb schnell aggressiv. Für die Arbeitsmaterialien ist kaum Platz auf dem Tisch. Das Lehrpersonal hat keinen Lehrertisch und kann nirgends etwas ablegen. So schildern die Pädagoginnen die Situation, in der sie - mit Pausen selbstverständlich - von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr mit den Kindern arbeiten müssen. Darunter würden auch sie leiden, sagen sie und verweisen auf ein Stockwerk höher, in dem die allgemeine Förderschule untergebracht ist, und wo beide Schulen Werken-, PC- oder Keramikkabinette gemeinsam nutzen. In der allgemeinen Förderschule würde sich die Schülerzahl verringern. Da müsste doch noch Platz für einen Klassenraum sein, mutmaßen die Lehrerinnen.

Auch Schulleiterin Dr. Heike Jülke hofft endlich auf eine Lösung. "Wir arbeiten im Ganztagsbetrieb bis 15 Uhr. Wir brauchen den Klassenraum", sagt sie.

Beim Landkreis als Schulträger ist das Problem bekannt. "Wir haben ein Platzproblem in der schule für geistig Behinderte in Herzberg. Auch, wenn heute weniger Kinder die Schule besuchen, als 2002, als die Schule aus Freileben nach Herzberg gezogen ist", sagt Marlis Eilitz. In den kommenden Schuljahren werde sich die Schülerzahl zwischen 36 und 38 einpendeln. Aber es bleibe sehr eng, bestätigt die zuständige Amtsleiterin. Grund sei auch der Umstand, dass heute viele Einzelfallhelfer die Kinder unterstützen würden. Auch dieses bräuchten in den Klassen Tische und Stühle.

"Wir haben beiden Schulen einen Raumplan vorgelegt und die Klassenräume zugeordnet. Jetzt reden wir über die Nutzung der Räume, die dann noch zur Verfügung stehen. Dazu gab es drei Varianten, aber die Schulen konnten sich nicht einigen. Wir müssen das jetzt drastischer ordnen und bis zum Beginn des neuen Schuljahres eine einvernehmliche, klare Lösung mit Lehrern und auch Eltern finden", so Marlis Eilitz. In diesem Jahr noch soll in der oberen Etage ein Bereich für die GB-Schule abgetrennt werden, damit ein Fachunterrichtsraum nach oben ziehen kann, sagt sie.

In den GB-Schulen in Elsterwerda und Finsterwalde bestehen diese Probleme nicht. Im Gegenteil, dort sei genug Platz, so Eilitz. "Wir könnten es uns jetzt einfach machen, und Schüler aus der GB-Schule Herzberg in den anderen beiden Einrichtungen unterrichten. Aber wir wollen den Kindern diese Fahrstrecken nicht zumuten. Für Herzberg muss es eine Lösung geben", so die Amtsleiterin.