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Zahl der Rettungseinsätze in Elbe-Elster steigt

Rettungssanitäter müssen rund um die Uhr einsatzbereit sein. Auf ihnen lastet eine hohe Verantwortung.
Rettungssanitäter müssen rund um die Uhr einsatzbereit sein. Auf ihnen lastet eine hohe Verantwortung. FOTO: Fotolia
Elbe-Elster. Wie gut ist der Rettungsdienst in Elbe-Elster aufgestellt? Aufschluss darüber gibt ein externes Gutachten, das der Eigenbetrieb des Landkreises selbst in Auftrag gegeben hat. Trotz steigender Einsatzzahlen erreichen die Helfer den Einsatzort in 92,57 Prozent aller Fälle in 15 Minuten. Damit stehe man in Brandenburg nicht schlecht da, sagt Rettungsdienstleiter Sebastian Weiss. Birgit Rudow

Wenn Menschen in Not sind, sorgen etwa 150 Mitarbeiter im Rettungsbetrieb Elbe-Elster an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr für schnellstmögliche Hilfe. Die meisten von ihnen haben eine Qualifikation als Rettungssanitäter, Rettungsassistent oder mit einer Zusatzausbildung sogar als Notfallsanitäter. Sind sie im Dienst, müssen sie sofort einsatzbereit sein und bei einem Alarm innerhalb von zwei Minuten im Fahrzeug sitzen - egal, ob vormittags um 11 oder nachts um 3 Uhr. Sanitäter sehen viel Leid. Bei ihren Einsätzen muss alles stimmen. Es geht nicht selten um Leben und Tod.

Um einschätzen zu können, ob und wie Optimierungen von Abläufen oder Verbesserungen bei der Ausrüstung nötig sind, lassen sich Rettungsdienste regelmäßig selbst unter die Lupe nehmen. Sie beauftragen externe Gutachter, die auf diesem Gebiet spezialisiert sind und in ganz Deutschland agieren. Das hat jetzt auch der Rettungsdienst Elbe-Elster wieder getan. "Unser letztes Gutachten ist schon einige Jahre her. Die Zahl der Einsätze hat zugenommen, die der Fahrzeuge nicht. Wir wollten mithilfe des Gutachtens sehen, wo es Sinn macht zu agieren", so Rettungsdienstleiter Sebastian Weiss.

Eher RTW als Hausarztnotdienst

Die Rettungsdienste in Brandenburg sollen so ausgerichtet sein, dass sie in 95 Prozent aller Fälle innerhalb von 15 Minuten ihren Einsatzort erreichen. Laut Gutachten lag der Elbe-Elster-Kreis 2015 bei 92,57 Prozent. "Damit stehen wir im Landesvergleich gut da. Aber wir machen es uns natürlich zur Aufgabe, die 95 Prozent zu erreichen", sagt Sebastian Weiss. Er hat vor einigen Tagen im Kreistag die Ergebnisse des Eigenbetriebes für 2015 und das erste Halbjahr 2016 sowie den Rettungsdienstbereichsplan für 2017 vorgelegt.

Die Zahl der Einsätze von Rettungstransportwagen (RTW) und Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF) ist in den vergangenen Jahren im Kreis rasant gestiegen. Waren es 2014 insgesamt 9668 RTW-Einsätze, so standen im vergangenen Jahr 10 465 zu Buche. Der Planansatz für 2015 wurde mit 113,3 Prozent überboten. Auch im ersten Halbjahr 2016 liegt die Einsatzzahl bereits über dem Planansatz. Ähnlich sieht es bei den Notarzt-Einsätzen aus. 4113 Einsätzen 2014 stehen 4285 im Jahr 2015 gegenüber. "Das ist ein bundesweiter Trend", erklärt der Leiter des Rettungsdienstes. Über die Ursachen gebe es verschiedene Mutmaßungen, sagt er. So sei das Anspruchsdenken der Bürger gestiegen. "Sie meinen, dass sie beim Rettungsdienst eher Hilfe bekommen als beispielsweise beim hausärztlichen Bereitschaftsdienst", so Weiss. Auch die Überalterung der Bevölkerung spiele eine Rolle. Die langjährige Situation, dass Einsätze vorrangig an Wochentagen gefahren werden, habe sich auch gewandelt. Am Wochenende sei mittlerweile genauso viel los, so Weiss.

Weniger in Anspruch genommen wurde in den vergangenen Jahren hingegen der Krankentransportwagen. Die Einsätze sind 2015 gegenüber 2014 von 1658 auf 1529 gesunken. Der Trend hält im ersten Halbjahr dieses Jahres an. "Wenn es ganz schnell gehen muss, rufen die Bürger nach dem RTW. Wenn der Krankentransport langfristig geplant werden kann, greifen sie auf private Anbieter zurück", erklärt Sebastian Weiss. Auswertungen hätten ergeben, dass in Stoßzeiten wochentags zwischen 10 und 11 Uhr rein statistisch nur noch eine Fahrt an zwei Tagen durchgeführt wird.

Empfehlungen zu Fahrzeugen

Deshalb hätten die Gutachter dem Rettungsdienst auch geraten, einen der beiden Krankentransportwagen im Kreis wieder abzuschaffen. Zur Not könnten Krankentransporte auch mit dem RTW geleistet werden, so Weiss.

Zu den Empfehlungen des Gutachtens gehört ebenfalls ein zweites Fahrzeug für Bad Liebenwerda. Der Tagesrettungswagen soll Anfang kommenden Jahres zur Verfügung stehen.

8,4 Millionen Euro im Jahr

Die Betriebsaufwendungen für den Rettungsdienst in Elbe-Elster haben im vergangenen Jahr 8,4 Millionen Euro betragen. Der Eigenbetrieb belastet den Kreishaushalt nicht. Er trägt sich selbst über Gebühreneinnahmen. Diese werden über die Kassenbeiträge finanziert. "Wir führen regelmäßig die Verhandlungen mit den Krankenkassen. Im Übrigen auch zur Finanzierung von Gutachten", so Sebastian Weiss.

Was die Ausrichtung und die Kontrolle der Arbeit betrifft, verlässt sich die Rettungsdienstleitung aber nicht nur auf die externe Untersuchung alle paar Jahre, sondern beobachtet die Entwicklungen auch ständig selbst. "Wir erhalten jedes Quartal eine Auswertung unserer Einsätze von der Leitstelle", erläutert Weiss.

"Wenn die Entwicklung anhält, und die Einsätze weiterhin jährlich um acht bis zehn Prozent steigen, werden weitere Fahrzeuge und Personal benötigt. Auch die technischen Geräte und Ausrüstungen verbessern sich weiter," sagt er und fügt an: "Das Ziel des Rettungsdienstes Elbe-Elster ist es, immer schneller beim Bürger zu sein, um so rasch wie möglich helfen zu können. An 365 Tagen im Jahr und das rund um die Uhr. Das ist unsere Aufgabe."

Zum Thema:
In Elbe-Elster gibt es zehn Standorte für Rettungswachen. Ihre Ausrüstung ist im Rettungsdienstbereichsplan festgelegt, den Sebastian Weiss für 2017 im Kreistag vorgelegt hat. Bad Liebenwerda: ein Rettungswagen (RTW) rund um die Uhr, ein Tagesrettungswagen 7 bis 19 Uhr außer Sonntag; Elsterwerda: ein RTW rund um die Uhr, ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) rund um die Uhr, ein Tagesrettungswagen 7 bis 19 Uhr außer Sonntag, ein Krankentransportwagen 7 bis 17 Uhr Montag bis Freitag; Finsterwalde: ein RTW, ein Tagesrettungswagen, ein NEF - alle rund um die Uhr; Herzberg: ein RTW und ein NEF rund um die Uhr, Tageseinsatzfahrzeug Montag bis Freitag 7 bis 19 Uhr; Doberlug-Kirchhain, Werchau, Großthiemig, Sonnewalde, Uebigau und Weinberge (bei Mühlberg) je ein RTW rund um die Uhr.